Frauen mit Diabetes: Versorgungslücken entlang der Lebensphasen

Frauen mit Diabetes weisen besondere metabolische und kardiovaskuläre Risiken auf. Dennoch werden geschlechtsspezifische Aspekte in der Versorgung häufig unzureichend berücksichtigt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht strukturelle Defizite – etwa in der Nachsorge nach Gestationsdiabetes und in der kardiovaskulären Prävention.

Genderunterschiede

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Diabetesversorgung

Diabetes mellitus zählt weltweit zu den wichtigsten chronischen Erkrankungen und ist mit erheblichen kardiovaskulären Risiken verbunden. In Deutschland leben Millionen Menschen mit Diabetes, wobei ein großer Anteil an Begleiterkrankungen auf metabolische und vaskuläre Komplikationen zurückzuführen ist.

Neben klassischen Risikofaktoren gewinnen geschlechtsspezifische Unterschiede zunehmend an Bedeutung. Biologische Faktoren, hormonelle Veränderungen im Lebensverlauf und unterschiedliche Versorgungsstrukturen können dazu beitragen, dass Frauen mit Diabetes andere Risikoprofile aufweisen als Männer.

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Deutsche Diabetes Gesellschaft wies DDG-Präsidentin Julia Szendrödi darauf hin, dass Frauen mit Diabetes häufig später diagnostiziert werden und in bestimmten Risikosituationen nicht ausreichend strukturiert betreut sind.

Metabolische Besonderheiten bei Frauen mit Diabetes

Geschlecht beeinflusst metabolische Regulation und kardiovaskuläre Risikoprofile. Frauen zeigen im Vergleich zu Männern typischerweise eine stärkere subkutane Fettverteilung. Im Verlauf des Lebens kann jedoch auch der Anteil viszeralen Fetts zunehmen.

Diese Unterschiede wirken sich unter anderem auf Insulinsensitivität, entzündliche Aktivierung und Gefäßbiologie aus. Gleichzeitig ist das relative kardiovaskuläre Risiko bei Frauen mit Diabetes besonders ausgeprägt. Während Frauen ohne Diabetes häufig einen gewissen biologischen Gefäßschutz aufweisen, kann dieser Vorteil bei Diabetes verloren gehen.

In der Folge steigt das Risiko für koronare Ereignisse bei Frauen mit Diabetes stärker an als bei Männern.

Gestationsdiabetes als früher Marker für metabolische Risiken

Die Schwangerschaft gilt als physiologischer metabolischer Stresstest. Bestehende Insulinresistenz kann in dieser Phase erstmals klinisch manifest werden.

Ein Gestationsdiabetes stellt daher nicht nur eine vorübergehende Stoffwechselstörung dar, sondern gilt als Marker für ein langfristig erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Trotz dieser bekannten Zusammenhänge gehen viele betroffene Frauen nach der Entbindung in der Versorgungsrealität verloren. Laut DDG fehlt bislang eine flächendeckende, verbindliche Nachsorgestruktur.

Aus Sicht der Fachgesellschaft sind unter anderem folgende Maßnahmen erforderlich:

  • strukturierte Nachsorgeprogramme nach Gestationsdiabetes 
  • digitale Erinnerungs- und Dokumentationssysteme, etwa über die elektronische Patientenakte 
  • klare Verantwortlichkeiten beim Übergang von Geburtshilfe zur hausärztlichen oder fachärztlichen Betreuung 

Die Prävention sollte nach Ansicht der DDG nicht mit der Entbindung enden.

Kardiovaskuläres Risiko bei Frauen wird häufig unterschätzt

Frauen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes relatives Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Dennoch wird dieses Risiko im klinischen Alltag häufig unterschätzt.

Die Wahrnehmung der Symptome kann fehlinterpretiert werden, wodurch Diagnosen später gestellt werden. Zudem werden präventive Maßnahmen nicht immer konsequent umgesetzt.

Dabei existieren entsprechende Leitlinienempfehlungen. Die Herausforderung liegt laut DDG weniger im Wissensstand als vielmehr in der Umsetzung in der Versorgungspraxis.

Empfohlen werden unter anderem:

  • strukturierte kardiovaskuläre Risikobewertungen bei allen Patientinnen mit Diabetes 
  • standardisierte Risiko-Checklisten in digitalen Dokumentationssystemen 
  • Qualitätssicherung über definierte Indikatoren, etwa LDL-Zielwerte oder Blutdruckkontrolle 

Geschlechtersensible Medizin sei damit ein wichtiger Bestandteil einer präzisen Risikostratifizierung.

Lebensphasen als metabolische Risikofenster

Mehrere Lebensphasen sind bei Frauen mit spezifischen metabolischen Veränderungen verbunden. Dazu zählen insbesondere:

  • Kinderwunsch und Schwangerschaft 
  • postpartale Phase 
  • Menopause 
  • Phasen hoher Care-Belastung 

Diese Übergänge können als besonders vulnerable Zeitfenster für metabolische Veränderungen betrachtet werden. Gleichzeitig bieten sie Chancen für präventive Interventionen.

Nach Einschätzung der DDG fehlt jedoch bislang eine systematische Integration solcher lebensphasenbezogenen Aspekte in der Diabetesversorgung.

Mögliche strukturelle Ansätze umfassen:

  • lebensphasenbezogene Risiko-Screenings im Rahmen von Disease-Management-Programmen 
  • spezifische Schulungsangebote für Frauen in Übergangsphasen 
  • stärkere Einbindung der gynäkologischen Versorgung in diabetologische Präventionskonzepte 

Krankenhausaufenthalte als ungenutztes Präventionsfenster

Viele Frauen mit Diabetes werden im Krankenhaus primär wegen anderer Erkrankungen behandelt. In solchen Fällen erscheint Diabetes häufig nur als Nebendiagnose.
Dies kann dazu führen, dass metabolische Risiken oder Therapieanpassungen nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Die DDG plädiert daher dafür, stationäre Aufenthalte stärker als strukturiertes Evaluations- und Präventionsfenster zu nutzen. Dazu zählen unter anderem:

  • eine angemessene metabolische Bewertung 
  • eine systematische kardiovaskuläre Risikoeinschätzung 
  • eine stärkere Einbindung diabetologischer Expertise im stationären Bereich 

Ein Krankenhausaufenthalt sollte demnach nicht zu einem Versorgungsbruch führen, sondern zur Optimierung der Therapie genutzt werden.

Fazit: Frauengesundheit als Indikator für Versorgungsqualität

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Diabetesversorgung machen strukturelle Defizite im Gesundheitssystem sichtbar. Frauen erleben entlang ihres Lebensverlaufs mehrere metabolisch sensible Übergänge, die gezielte Präventions- und Versorgungsstrategien erfordern.

Nach Einschätzung der DDG sind die biologischen Risiken gut bekannt. Die zentrale Herausforderung liegt in der strukturellen Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen, etwa in der Nachsorge nach Gestationsdiabetes oder in der konsequenten kardiovaskulären Risikobewertung.

Eine stärker lebensphasenorientierte und geschlechtersensible Versorgung könnte dazu beitragen, Komplikationen früher zu erkennen und langfristige kardiovaskuläre Risiken besser zu kontrollieren. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Diskussionen, dass weitere Versorgungsforschung notwendig ist, um geeignete sektorenübergreifende Strukturen zu entwickeln und deren Wirksamkeit zu evaluieren.

Autor:
Stand:
21.05.2026
Quelle:

Jahrespressekonferenz der Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Berlin, Februar 2026. Statement von Julia Szendrödi. Verfügbar online (abgerufen am: 30.03.2026).

Hinweis: Dieser Artikel wurde unter Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und anschließend redaktionell geprüft und freigegeben. Zur Gewährleistung inhaltlicher Richtigkeit und Aktualität wurden die angegebenen Quellen berücksichtigt.

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