Etwa 40% der Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) entwickeln eine diabetische Nierenkrankheit (DKD), welche das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko der Betroffenen erhöht. Die Diagnose einer DKD basiert aktuell auf der Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) und/oder der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR). Die fortschreitende Verschlechterung der Nierenfunktion gilt als früheste klinische Manifestation der DKD und beginnt häufig noch vor dem Eintreten einer Albuminurie. Aufgrund dieser Relevanz könnte der sogenannte eGFR-Slope ein mögliches neues prognostisches Tool darstellen. Der eGFR-Slope berücksichtigt die progressive Abnahme der eGFR über einen längeren Zeitraum, indem multiple eGFR-Messungen beurteilt werden.
In einer aktuellen Meta-Analyse haben Wissenschaftler untersucht, ob ein abfallender eGFR-Slope das Risiko für chronische Komplikationen sowie das Mortalitätsrisiko bei T2D-Patienten erhöht [1]. Dafür wurden die Daten von 15 Studien (im Zeitraum von Januar 2003 bis April 2023) eingeschlossen, die erwachsene Patienten mit T2D untersuchten und den eGFR-Slope berichteten.
Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse
Laut Meta-Analyse haben T2D-Patienten mit einem abfallenden eGFR-Slope im Vergleich zu T2D-Patienten mit einem stabilen eGFR-Slope ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Hazard Ratio [HR]: 1,73; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 1,43 bis 2,08; p<0,00001). Hierfür wurden die Daten von 8 Studien mit insgesamt 125.817 Probanden analysiert.
Risiko für terminale Niereninsuffizienz
Die Analyse ergab, dass der eGFR-Slope auch mit dem Risiko für terminale Niereninsuffizienz (definiert als Nierenkrankheit, die entweder eine Dialyse oder Nierentransplantation erforderte) zusammenhängt. Daten von 11 Studien mit insgesamt 169.840 Probanden zeigten, dass das Risiko für terminale Niereninsuffizienz bei T2D-Patienten mit abfallendem eGFR-Slope im Gegensatz zu T2D-Patienten mit stabilem eGFR-Slope erhöht ist (HR: 1,54; 95%-KI: 1,45 bis 1,64; p<0,00001).
Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen
Daten von 2 Studien mit 8.048 Probanden zeigten, dass ein abfallender eGFR-Slope bei T2D-Patienten ebenfalls mit einem signifikant erhöhten Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen assoziiert ist (HR: 2,07; 95%-KI: 1,57 bis 2,73; p<0,00001). Zu den eingeschlossenen mikrovaskulären Komplikationen zählten die diabetische Retinopathie sowie die diabetische Neuropathie.
Allgemeines Mortalitätsrisiko
Auch das allgemeine Mortalitätsrisiko bei T2D-Patienten hängt laut Meta-Analyse mit dem eGFR-Slope zusammen. Die Daten von 6 Studien mit insgesamt 83.200 Probanden haben gezeigt, dass ein abfallender eGFR-Slope mit einem signifikant erhöhten allgemeinen Mortalitätsrisiko assoziiert ist (HR: 2,31; 95%-KI: 1,70 bis 3,15; p<0,00001).
eGFR-Slope aktuell nicht standardisiert
Die Wissenschaftler ziehen die Schlussfolgerung, dass der eGFR-Slope das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko bei T2D-Patienten vorhersagen kann und daher einen wichtigen Prädiktor im klinischen Alltag darstellen könnte. Die aktuell noch größte Herausforderung bei der Verwendung des eGFR-Slopes ist, dass eine Standardisierung des Cut-off-Werts für den Abfall bei T2D-Patienten fehlt.








