Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat kürzlich über neue Entwicklungen bezüglich Fälschungen des Arzneimittels Ozempic (Semaglutid) informiert. Demnach sind zwei Originalchargen (MP5E511, Verfalldatum 07/2025 und NP5G866, Verfalldatum 12/2025) der Stärke 1 mg betroffen. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass auch weitere Chargen oder Wirkstärken gefälscht wurden. Die Fälschungen sind sowohl in Deutschland als auch in Österreich, der Schweiz und Großbritannien aufgetaucht.
Insulin statt Semaglutid
Wie aus einer Meldung des österreichischen Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) hervorgeht, mussten mittlerweile mehrere Patienten nach der Anwendung von mutmaßlich gefälschtem Ozempic im Krankenhaus behandelt werden.
Die schwerwiegenden Nebenwirkungen dieser Patienten, wie Unterzuckerung und Krampfanfälle, deuten darauf hin, dass in den Fälschungen Insulin anstelle des GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid enthalten war.
Seriosität der Bezugsquellen prüfen
Es gibt Hinweise darauf, dass die Fälschungen der betroffenen Patienten von einem in Österreich ansässigen Arzt bezogen wurden, der sie nicht aus einer legalen Quelle erhielt. Daher sollten Patienten, die Ozempic Fertigpens direkt über einen Arzt ohne Hausapotheke bezogen haben, sicherheitshalber mit diesem Kontakt aufnehmen. Bislang gibt keine Berichte darüber, dass gefälschte Pens von Apotheken an Patienten abgegeben wurden.
Die zuständigen Behörden warnen eindringlich davor, Abnehmspritzen aus unseriösen Bezugsquellen anzunehmen. Das gilt sowohl für Angehörige der Gesundheitsberufe und Großhändler als auch für Patienten. Patienten sollten das Antidiabetikum derzeit nicht über das Internet beziehen.
Erkennungsmerkmale von Fälschungen
Ozempic-Produkte sollen vor der Abgabe an den Patienten auf Echtheit geprüft werden. Dabei ist es nötig, die Primärverpackung zu öffnen, da sich insbesondere die gefälschten Fertigpens vom Original deutlich unterscheiden.
Die zuständigen Behörden stellen Unterscheidungsmerkmale zwischen echtem und gefälschtem Ozempic bereit. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht alle Fälschungen diese Merkmale aufweisen müssen.
- Farbe: Die gefälschten Pens sind von dunklerem Blau als das Original.
- Sicherfenster: Bei der Fälschung ist das Sicherheitsfenster komplett durchsichtig, während es beim Original mit grauer Farbe umkleidet ist.
- Dosiseinstellring: Der Dosiseinstellring lässt sich bei der Fälschung ausfahren, was beim Original nicht möglich ist.
- Nadeln: Die beiliegenden Nadeln sollten eine Länge von 6 mm aufweisen, die der Fälschung beiliegenden haben eine Länge von 4 mm. Die Beschriftung der Originalnadel lautet 32 g, die Fälschung ist mit 31 g beschriftet.
Hintergrund zu den Ozempic-Fälschungen
Ozempic enthält den GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid und ist für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. In jüngster Zeit wurde es jedoch vermehrt off-label zur Gewichtsreduktion verwendet. Diese Off-label-Nutzung hat zu einer begrenzten Verfügbarkeit für Diabetiker geführt. Kriminelle Organisationen nutzen diese Knappheit aus, um gefälschte Versionen des Medikaments auf den Markt zu bringen.
Die Fälschung von Medikamenten stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Patientensicherheit dar. Es ist von größter Bedeutung, dass sowohl medizinisches Fachpersonal als auch Patienten wachsam sind und Ozempic nur aus vertrauenswürdigen Quellen beziehen. Die Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene ist entscheidend, um diese kriminellen Aktivitäten zu bekämpfen und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.