Gastrointestinale Ereignisse, wie etwa Dünndarmschäden, die mitunter zu Krankenhausaufenthalten führen, haben aufgrund des zunehmenden Einsatzes von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie von Acetylsalicylsäure (ASS) zugenommen. Die Prävalenz von Dünndarmschäden liegt bei Anwendern von NSAR bei etwa 60% bis 80%. Arzneimittelformulierungen, aus denen der Wirkstoff langsam freigesetzt wird, erhöhen dabei das Risiko für Dünndarmschäden. Ein speziell zur Behandlung oder Prophylaxe von Dünndarmschäden zugelassenes Medikament gibt es derzeit aber noch nicht.
Der schleimhautschädigenden Wirkung von NSAR liegen Mechanismen zugrunde, die hauptsächlich die Aktivität von Cyclooxygenasen sowie sekundär Cyclooxygenase-unabhängige Wege betreffen. Dabei erhöht sich die Durchlässigkeit des Darmes, was zu Entzündungen führen kann. Diese begünstigen wiederum Erosionen und Geschwüre.
Mögliche Komplikationen sind Blutungen, die Bildung von Strikturen und Perforationen. Zu den Risikofaktoren für Dünndarmschäden unter NSAR-Therapie, zählen neben einem Alter über 70 Jahren, die gleichzeitige Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern, Begleiterkrankungen, sowie bestimmte genetische Polymorphismen im Cytochrom P450-System.
Fokus auf therapeutische und präventive Wirksamkeit
Eine aktuelle systematische Überprüfung und Metaanalyse setzte sich zum Ziel, mukosaprotektive Arzneimittel auf ihre Wirksamkeit bei durch NSAR oder ASS verursachten Dünndarmschäden zu vergleichen. Es wurden dabei unter anderem Mukosaprotektiva wie Rebamipid, das Prostaglandin (PG)-Analogon Misoprostol, Geranylgeranylacetone und Probiotika untersucht. Dafür analysierten die Forscher Datenbanken wie MEDLINE, Embase und Cochrane Register nach randomisierten kontrollierten Studien bis Februar 2023 und bezogen letztlich achtzehn Studien ein.
Die extrahierten Daten zeigen, wie sich die Anzahl von Erosionen und Geschwüren im Jejunum oder Ileum von Patienten veränderte, die NSAR oder ASS einnahmen, nachdem sie verschiedene mukosaprotektive Wirkstoffe erhalten hatten. Die Forscher untersuchten je nach Verwendungszweck des jeweiligen Wirkstoffs sowohl die therapeutische als auch präventive Wirksamkeit der Medikamente. Veränderungen wurden mittels Kapselendoskopie beobachtet.
Behandlung von Dünndarmschäden
Die Metaanalyse aller Mukosaprotektiva zeigte einen Verringerungsgrad der Schleimhautschäden von -4,74 (95%-KI: −8,89 bis −0,60; p=0,02). Darunter wies nur Misoprostol eine signifikante Wirksamkeit bei der Behandlung von Dünndarmschäden auf (mittlere Differenz: −9,88; 95%-KI: −13,26 bis −6,50, p=0,001). Rebamipid, Probiotika und Polaprezinc zeigten keinen signifikanten Effekt bei der Reduzierung von den durch NSAR oder ASS induzierten Dünndarmverletzungen.
Prävention von Dünndarmschäden
Im Gegensatz dazu zeigte Rebamipid eine protektive Wirkung auf Dünndarmschäden (mittlere Differenz: −1,85; 95%-KI: −2,74 bis −0,96, p<0,001), während die anderen untersuchten Medikamente hierbei keine signifikanten Effekte aufwiesen.
Ergebnisse, Einschränkungen und Stärken
Die systematische Überprüfung und Metaanalyse weist somit darauf hin, dass Misoprostol bei der Behandlung von Schäden wirksam ist, die durch NSAR oder ASS verursacht wurden, während Rebamipid vorbeugend wirksam ist. Allerdings war der protektive Effekt nur geringer Natur. Hierbei ist anzumerken, dass die teilnehmenden Probanden der Studien zur Prävention mit einem Alter von etwa 30 Jahren jünger und gesünder waren als diejenigen mit einem Alter von etwa 70 Jahren, die an Studien zur Therapie teilnahmen. Zudem handelt es sich bei Rebamipid um ein hauptsächlich in Japan und anderen asiatischen Ländern zugelassenes Medikament, was zu einer geringeren Anzahl an Studien aus anderen Regionen führte.
Weitere Einschränkungen der Studie sind die geringe Anzahl an Patienten in der endgültigen Bewertung und der Ausschluss zahlreicher Studien zur Wirksamkeit von Probiotika. Auch konnte die Langzeitwirksamkeit von Mukosaprotektiva nicht bewertet werden.
Als Stärke der Studie sehen die Autoren den Fakt an, dass Prävention und Behandlung für jeden mukosaprotektiven Wirkstoff separat bewertet wurde. Außerdem beurteilten sie die Qualität und Zuverlässigkeit der Studienergebnisse, indem das „Risk of Bias 2.0“-Verfahren angewendet wurde, das mögliche Fehler in Studien untersucht.
Abschließend empfehlen die Forscher, bei der Verschreibung von NSAR oder ASS die möglichen Dünndarmverletzungen zu berücksichtigen und ein Mukosaprotektivum auszuwählen, das diese verhindern oder behandeln kann. Weitere randomisierte kontrollierte Studien sind jedoch notwendig, um sowohl Wirksamkeit als auch langfristige Effekte der einzelnen Wirkstoffe zu bestimmen.









