Die Evidenz zur Wirksamkeit von fäkalen Mikrobiom-Transplantationen (FMT) haben zwei neue Cochrane Reviews untersucht. Die FMT erwies sich bei wiederkehrenden Infektionen mit dem Bakterium Clostridioides difficile gegenüber einer Standardbehandlung mit Antibiotika als überlegen. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen besteht weiterer Forschungsbedarf [1].
Clostridioides difficile-Infektionen
Der aktuelle Review zu Infektionen mit C. difficile ergab, dass die Stuhltransplantation wahrscheinlich in der Behandlung von wiederholten C. difficile-Infektionen (recurrent C. difficile infections, rCDIs) den anderen untersuchten Behandlungen überlegen ist. Zu den Vergleichstherapien gehörten Antibiotika wie Vancomycin. In das Review schloss das Autorenteam unter der Leitung von Aamer Imdad, Assistenzprofessor für Pädiatrie an der SUNY Upstate Medical University im US-amerikanischen Syracuse, New York, sechs Studien mit 320 Teilnehmern ein [1,2].
Doppelt so wirksam
Die gepoolten Ergebnisse zeigten, dass die FMT bei immunkompetenten Teilnehmern mit einer doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit erfolgreich war wie die Behandlungen in der Kontrollgruppe (Risikoverhältnis [RR] 1,92; 95%-Konfidenzintervall 1,36 bis 2,71; p=0,02). Die FMT führte zu weniger schweren Nebenwirkungen verglichen mit der Standard-Antibiotikabehandlung und könnte das Sterberisiko bei Menschen mit rCDI verringern. Es konnten keine Schlussfolgerungen über den Nutzen oder Schaden der FMT bei immungeschwächten Menschen mit rCDI gezogen werden [1,2].
Dysbiose durch Antibiotika
Infektionen mit C. difficile sind problematisch, da sie potenziell lebensbedrohliche Darmentzündungen auslösen können. Das Bakterium ist in der Umwelt und im Darmtrakt von Tier und Mensch weit verbreitet und stellt normalerweise keine Gefahr dar. Bei Menschen mit einer gestörten Darmflora kann es sich jedoch übermäßig vermehren und Darmentzündungen mit heftigem Durchfall verursachen. Eine Ursache für die Dysbiose kann die Einnahme von Antibiotika sein [1].
Vorerkrankte Patienten in medizinischen Einrichtungen haben ein erhöhtes Risiko für rCDIs. Die Infektionen werden üblicherweise mit Antibiotika behandelt, die jedoch die Dysbiose verschlimmern und einen Teufelskreis entstehen lassen können [1].
Wie häufig Infektionen mit C. difficile vorkommen, lässt sich wegen der weiten Verbreitung der Bakterien und der großen Bandbreite der Symptome nur schwer einschätzen. In Deutschland geht man von 4.000 bis 16.000 Fällen pro Jahr aus [1].
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Die Wirksamkeit von FMT bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn konnten Wissenschaftler in einem zweiten Cochrane Review ebenfalls unter der Leitung von Imdad nicht eindeutig bestätigen. Für Colitis ulcerosa konnte allenfalls ein Nutzen der FMT gezeigt werden, um eine beschwerdefreie Phase (klinische Remission) einzuleiten. Die Evidenz war jedoch eher schwach [1,3].
Noch unsicherer ist, ob die Therapie zu einer längerfristigen Remission führen kann. Die Daten ließen keine sicheren Aussagen zum Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu und dazu, ob die FMT die Lebensqualität verbessern konnte [1,3].
Ob die FMT bei Morbus Crohn wirksam ist, ließ sich nicht feststellen, da die Autoren nur eine einzige kleine Studie fanden. Es sind laut den Wissenschaftlern weitere Untersuchungen erforderlich, bevor Stuhltransplantationen für die Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen in Betracht gezogen werden können [1,3].
Über den Transfer von Fäkalien
Bei der FMT wird der Darminhalt eines gesunden Spenders in den Darm eines erkrankten Menschen übertragen. Der transferierte gesunde Spenderstuhl soll im Darm mit Dysbiose das gesunde Mikrobiom wiederherstellen. Das soll das Risiko verringern, dass Infektionen mit C. difficile erneut auftreten [1].
Der Spenderstuhl wird vor dem Transfer auf Krankheiten und Infektionen untersucht und dem Patienten über eine Koloskopie, eine nasogastrale oder nasoduodenale Sonde, einen Einlauf oder eine Kapsel zugeführt. In den USA hat die zuständige Arzneimittelbehörde FDA bereits ein Stuhltransplantationspräparat zugelassen, das dem Wiederauftreten von C. difficile-Infektionen vorbeugen soll. Es wird als Einlauf verabreicht [1].
In Deutschland gibt es derzeit keine zugelassenen Arzneien auf FMT-Basis. Das Verfahren kann aber im Rahmen eines individuellen Heilversuchs durchgeführt werden [1].










