Bariatrische OP verbessert Fertilität bei polyzystischem Ovarialsyndrom

Viele Patientinnen mit PCOS sind auch adipös – eine Kombination, die eine niedrige Eisprungrate bedingt und damit eine erheblich eingeschränkte Fruchtbarkeit. Lässt sich das Gewicht mittels einer bariatrischen Operation langfristig reduzieren, so steigt die Eisprungrate.

Magenbypass

Frauen mit dem Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCOS) haben ein 15-mal höheres Risiko für anovulatorische Unfruchtbarkeit und ein 2- bis 3-mal höheres Risiko für Fehl- und Frühgeburten als Frauen ohne PCOS. Die erhöhte Schwierigkeit, Kinder zu empfangen, wirkt sich negativ auf das psychische Wohlbefinden der Betroffenen aus. Und es sind nicht wenige Betroffene, die unter PCOS leiden: die Prävalenz wird mit bis zu 18% der Frauen angegeben. 

Bessert weniger Gewicht die Fertilität? 

Kommt zum PCOS noch Übergewicht hinzu, sinkt die Fertilität noch weiter. Daher wird Frauen mit dieser Kombination immer die Lebensstiländerung zur Gewichtsabnahme empfohlen. Und das wirkt auch. Denn mit weniger Gewicht steigt auch die Eisprungrate und somit auch die Chance, schwanger zu werden. Doch bekanntlich ist es schwer eine Gewichtsreduktion dauerhaft zu halten. Eine Methode, um langfristig gegen Übergewicht vorzugehen sind bariatrische Operationen wie ein Magenband oder ein Magenbypass. In Kohortenstudien hat die bariatrische Chirurgie bei PCOS-Patientinnen die Regelmäßigkeit der Menstruation, den Hyperandrogenismus und die kardiometabolischen Risikofaktoren verbessert.

Ovulationsrate als Parameter für Fertilität

Wie sich eine solche Operation auf die Fruchtbarkeit – gemessen an der Eisprungrate – auswirkt, wollte ein britisches Forscherteam wissen. An ihrer randomisierte Open-Label-Studie nahmen 80 Frauen teil, die ein PCOS, einen Body-Mass-Index (BMI) über 35 kg/m² sowie einer Oligo- oder eine Amenorrhoe aufwiesen. 

Bei einer Hälfte (n=40) erfolgte eine laparoskopisch durchgeführte vertikale Schlauchgastrektomie. Die andere Hälfte (n=40) erhielt eine medizinische Therapie, die aus Verhaltensinterventionen und bei Bedarf Medikamenten, wie Metformin, Orlistat oder eine Kombination beider Substanzen bestand. Der primäre Endpunkt war die Anzahl der biochemisch bestätigten Ovulationen über 52 Wochen und wurde anhand wöchentlicher Progesteron-Bestimmungen aus dem Serum bewertet.

Mehr Ovulationen nach bariatrischer OP 

Das Ergebnis zeigt: Bei 30 Frauen der Operationsgruppe, die die Studie beendeten, wurden innerhalb des Beobachtungsjahres im Mittel sechs Ovulationen nachgewiesen. Bei den 33 Frauen, die konservativ behandelt wurden, waren es lediglich zwei Ovulationen im Jahr. In der OP-Gruppe betrug die Inzidenzrate in der Intent-to-treat-Population für spontane Eisprünge 4,1 Ereignisse pro Jahr, bei Frauen mit medizinischer Therapie 1,9 Ereignisse pro Jahr. 

Damit hatten Teilnehmerinnen mit bariatrischem Eingriff 2,5-mal mehr spontane Ovulationen: Das Inzidenzratenverhältnis (IRR) lag bei 2,5 (95-% Konfidenzintervall KI 1,5 bis 4,2; p < 0,0007). Dieser signifikante Unterschied war ab Woche 8 nachweisbar und nahm innerhalb des folgenden Beobachtungszeitraums weiter zu.

Zunahme der Menstruationsrate unter Magenbypass

Auch hinsichtlich der selbst berichteten Menstruationen differierten beide Gruppen deutlich. Während im Operationsarm nach 52 Wochen im Median 9 (IQR 8–10) Monatsblutungen auftraten, waren es in der konservativ behandeln Gruppe 6 (IQR 4–9): Das IRR betrug 1,4 (95 %-KI 1,1 bis 1,6; p < 0,0005).

Fast ein Drittel weniger Gewicht durch Magenbypass

Auch wenn es zu erwarten war: Die Frauen mit der bariatrischen Operation verloren deutlich mehr Gewicht als diejenigen mit der konservativen Therapie – nämlich 29% Gewichtsverlust gegenüber einer leichten Zunahme von ungefähr 1,7 % des ursprünglichen Körpergewichts. Die mittlere Differenz zwischen den Gruppen betrug -29,1 kg (95% KI -37,5 bis -20,8; p < 0,0001).

Die bariatrische Chirurgie könnte demnach bei Frauen mit PCOS, Adipositas und Oligo- oder Amenorrhoe die Fruchtbarkeit und damit die Aussichten auf eine Schwangerschaft verbessern.

Autor:
Stand:
23.07.2024
Quelle:

Samarasinghe et al. (2024): Bariatric surgery for spontaneous ovulation in women living with polycystic ovary syndrome: the BAMBINI multicentre, open-label, randomised controlled trial. The Lancet, DOI

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