Gestationsdiabetes: Auswirkungen auf Muttermilch und Säuglingsentwicklung

Eine Studie untersuchte, inwieweit Gestationsdiabetes das Metabolom der Muttermilch verändert und welche Auswirkungen dies auf das Wachstum und das Gewicht von Säuglingen hat. Die Ergebnisse zeigten, dass bestimmte Zusammensetzungen potenziell positive Effekte haben könnten.

Mutter stillt Baby

Gestationsdiabetes ist ein zunehmend verbreitetes Gesundheitsproblem, das weltweit viele schwangere Frauen betrifft. Die Erkrankung ist mit einer Reihe von Risiken für Mutter und Kind verbunden, darunter ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass das Stillen nach der Geburt diese negativen Auswirkungen zumindest teilweise abmildern könnte.

Auswirkungen des Gestationsdiabetes auf die Muttermilch

Die genauen Auswirkungen eines Gestationsdiabetes auf das spätere Wachstum und die Entwicklung von Säuglingen sind noch nicht eindeutig geklärt. Einige Studien berichten jedoch davon, dass Stillen einen positiven Effekt auf mögliche negative Folgen des Gestationsdiabetes haben könnte. Unklar ist hierbei, ob und wie er sich auf die Zusammensetzung der Muttermilch, das sogenannte Metabolom, auswirkt und ob diese Veränderungen das Wachstum beeinflussen.

Eine aktuelle Kohortenstudie analysiert, ob Unterschiede im Metabolom der Muttermilch von betroffenen Müttern bestehen und inwiefern sie messbare Auswirkungen auf die Entwicklung der Säuglinge haben.

Eine Untersuchung des Muttermilch-Metaboloms

Die Daten der Kohortenstudie stammen aus den beiden Studien „Mothers and Infants Linked for Healthy Growth (MILK)“ und „Maternal Milk, Metabolism, and the Microbiome (4M)“, die zwischen 2014 und 2019 in den USA durchgeführt wurden. An den Studien nahmen insgesamt 348 Mutter-Kind-Paare teil, darunter 53 Mütter mit Gestationsdiabetes. Alle Mütter beabsichtigten, mindestens drei Monate lang zu stillen und wurden im dritten Trimenon in die Studien aufgenommen.

Die Metabolom-Analyse wurde mittels Flüssigchromatographie-Gaschromatographie-Massenspektrometrie (engl. liquid chromatography–gas chromatography–mass spectrometry, LC-GC-MS) durchgeführt, um die relativen Konzentrationen von 458 Metaboliten in der Muttermilch zu quantifizieren. Diese wurden anschließend mit dem Körperfettanteil, dem Wachstum und der Gewichtszunahme der Säuglinge verglichen.

Unterschiede in neun Metaboliten identifiziert

Die Muttermilch-Analyse ergab signifikante Unterschiede bei neun der untersuchten Metaboliten. Von ihnen waren sechs im Vergleich zu gesunden Müttern erniedrigt (4-Cresylsulfat, Cresol, Glycin, Phenylessigsäure und Stearoylcarnitin) und drei erhöht (2-Hydroxybuttersäure, 3-Methylphenylacetat und Pregnanolonsulfat).

Einfluss auf Säuglingswachstum und Körperfettanteil

Die Metaboliten 2-Hydroxybuttersäure, Phenylessigsäure und Stearoylcarnitin waren signifikant mit Wachstum und Körperfettanteil der Säuglinge assoziiert. 2-Hydroxybuttersäure korrelierte negativ mit der Veränderung des Körperfettanteils zwischen dem ersten und dritten Lebensmonat und zeigte einen positiven Effekt. Phenylessigsäure zeigte einen positiven Zusammenhang mit dem Längenwachstum der Säuglinge. Stearoylcarnitin war hingegen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine schnelle Gewichtszunahme in den ersten sechs Monaten assoziiert, was auf eine Beeinträchtigung des Fettsäurestoffwechsels hinweisen könnte.

Es wurden keine signifikanten Unterschiede im Wachstum oder bei Fettleibigkeit zwischen den beiden Säuglingsgruppen festgestellt. Eine Ausnahme war ein größeres lineares Wachstum in der Gestationsdiabetes-Gruppe. Zudem war die orale Glukosetoleranzzeit der Mütter nicht signifikant mit dem Säuglingswachstum oder -gewicht assoziiert.

Weiterer Forschungsbedarf für optimale Handlungsanweisungen

Die Daten dieser Studie haben somit gezeigt, dass ein Gestationsdiabetes mit Veränderungen der Konzentration verschiedener Metaboliten in der Muttermilch einhergeht. Einige dieser Stoffwechselprodukte sind wiederum mit dem Wachstum und dem Körperfettanteil der Säuglinge innerhalb des ersten halben Lebensjahres assoziiert. 

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Veränderungen nicht ausschließlich negative Auswirkungen auf das Gewicht oder das Wachstum der Säuglinge haben könnten. Vielmehr könnte das Stillen nach einer Schwangerschaft unter Gestationsdiabetes die Entwicklung der Kinder subtil, aber potenziell vorteilhaft modulieren. Die kausalen Zusammenhänge können auf Basis dieser Studie nicht abschließend geklärt werden.

Weitere Forschung ist somit notwendig, um die langfristigen Auswirkungen des Stillens nach Gestationsdiabetes zu bewerten und diese Erkenntnisse in die klinische Praxis zu integrieren. Ziel sollte es sein, die Behandlung von Müttern mit Gestationsdiabetes zu verbessern und die Gesundheit der Säuglinge nachhaltig zu fördern.

Autor:
Stand:
26.02.2025
Quelle:

Nagel EM, Peña A, Dreyfuss JM, et al. (2024): Gestational Diabetes, the Human Milk Metabolome, and Infant Growth and Adiposity. JAMA Netw Open.; DOI:10.1001/jamanetworkopen.2024.50467

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