Die Möglichkeiten, vermeintlich unfruchtbaren Paaren doch noch zu einem Baby zu verhelfen, haben sich den vergangenen Jahren rasant verbessert. Was allerdings bei den Erfolgsmeldungen in Sachen Wunschkind meist in den Hintergrund tritt, sind die Gefahren, die diese assistierten Reproduktionstherapien (ART) bergen.
Schwangerschaft belastet Herz und Gefäße
Allen voran das Herz-Kreislauf-Risiko: Auch jede spontan entstandene Schwangerschaft bedeutet eine große Belastung für Herz und Gefäße. Herz-Kreislauf-Erkrankungen (cardiovascular diseases =CVD) gelten heute als die Hauptursache für die Müttersterblichkeit. In den USA werden 26,5 % der schwangerschaftsbedingten Todesfälle auf CVD zurückgeführt – davon entfallen etwa 7% auf Schlaganfälle. Bestimmte Gesundheitsfaktoren können eine schwangere Patientin für die Entwicklung eines Schlaganfalls prädisponieren, z. B. Frühgeburt, fetale Wachstumsrestriktion, Schwangerschaftsdiabetes und hypertensive Komplikationen.
Studie mit über 30 Millionen Entbindungen
Ob sich dieses Risiko bei Frauen mit Infertilitätsbehandlung auf gleichem Niveau bewegt, wollte eine Forschergruppe aus New Brunswick (New Jersey, USA) wissen. Für ihre bevölkerungsbasierte, retrospektive Kohortenstudie werteten sie die Daten von 31.339.991 Frauen der Nationwide Readmissions Database aus. In die Analyse flossen die Daten der stationären Entbindung ein sowie alle Daten von nachfolgenden Krankenhausaufenthalten im selben Kalenderjahr der Entbindung. Verglichen wurden die Daten der Frauen mit spontaner Konzeption mit denen der Frauen, deren Kinder mittels ART gezeugt wurden, wobei hier alle ART-Techniken gewertet wurden (z.B. intrauterine Insemination mit und ohne ovarielle Stimulation, In-vitro-Fertilisation mit und ohne intrazytoplasmatische Spermieninjektion bis zu künstlicher Befruchtung nach Gametenspende).
Schlaganfallrisiko mehr als doppelt so hoch nach ART
Die Ergebnisse stellten sich wie folgt dar:
- Von insgesamt mehr als 31 Mio. Patientinnen (n = 31.339.991) konnten Daten ausgewertet werden, davon 0,9 % nach Kinderwunschbehandlung (287.813 Frauen). Das mediane Alter in der Gruppe mit assistierter Befruchtung betrug 32,1 Jahre, das in der Gruppe mit spontaner Schwangerschaft 27,7 Jahre.
- Die Rate der stationären Aufnahmen wegen eines nicht tödlichen Schlaganfalls innerhalb der ersten 12 Monate nach Geburt betrug 37/100.000 Frauen nach Kinderwunschbehandlung und 29/100.000 Frauen bei spontaner Konzeption.
- Das Risiko für einen stationär therapierten Schlaganfall war damit in der Gruppe mit assistierter Befruchtung um 66% erhöht gegenüber den Müttern mit spontaner Konzeption (Hazard Ratio [HR]: 1,66; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 1,17 bis 2,35).
Hirnblutungsrisiko verdoppelt
Der Unterschied war besonders deutlich für Hirnblutungen: Hier war das Risiko in der Gruppe mit ART doppelt so hoch wie in der Gruppe mit spontaner Befruchtung (adjustierte HR: 2,02; 95%-KI: 1,13 bis 3,61).
Weiterhin zeigte sich:
- Für ischämische Schlaganfälle lag das Risiko für Frauen mit Infertilitätstherapie bei plus 55% im Vergleich zu Frauen mit spontaner Konzeption (adjustierte HR: 1,55; 95%-KI: 1,01 bis 2,39).
- Die Risikodifferenzen nahmen mit der Beobachtungszeit zu, vor allem für hämorrhagische Schlaganfälle, waren aber schon ab 30 Tagen nach der Entbindung deutlich.
ART: Nach Entbindung auf Risikofaktoren kontrollieren
Aufgrund ihrer Ergebnisse empfehlen die US-amerikanischen Reproduktionsmediziner bei Frauen nach der Entbindung eines mittels ART gezeugten Babys frühzeitig mit der Nachsorge im Hinblick auf das deutlich erhöhte Schlaganfallrisiko zu beginnen.











