Prämenstruelle Störungen und psychiatrische Erkrankungen genetisch assoziiert

Frauen, die unter prämenstruellen Störungen wie Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit leiden, haben offenbar auch ein genetisch bedingtes erhöhtes Risiko für psychiatrische Erkrankungen. Vor allem schwere Depressionen und Schizophrenie scheinen eng mit diesen Symptomen assoziiert zu sein, so das Ergebnis einer norwegischen Studie.

Praemenstruelle Beschwerden junge Frau

Viele Frauen sind an den Tagen vor den Tagen niedergeschlagen oder reizbar. Solche prämenstruelle Störungen sind vererbbar, klinisch heterogen und weisen eine Reihe von Komorbiditäten des affektiven Spektrums auf. Doch sind genetische Prädispositionen für Störungen des affektiven Spektrums oder andere schwere psychiatrische Erkrankungen mit diesen prämenstruellen psychischen Symptomen verbunden? Das wollten norwegische Forscher genauer wissen.

Norwegenweite Studie mit über 50.000 Frauen

Für ihre genetische Assoziationsstudie bezogen sie Daten von 56.725 schwangeren Frauen aus der norwegischen Mutter-, Vater- und Kind-Kohortenstudie ein. Die Symptome prämenstrueller Störungen wurden von den Frauen in der 15. Schwangerschaftswoche mittels Fragebogen zu Depressionen und Reizbarkeit vor der Menstruation erhoben.

Bestimmung polygener Risiko-Scores

Der Zusammenhang zwischen prämenstruellen Symptomen und schweren psychiatrischen Erkrankungen wurde durch eine Genotypisierung und basierend auf genomweiten Assoziationsstudien durch die Berechnung polygener Risiko-Scores (PRS) beurteilt. Bestimmt wurden die PRS für Major Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und Autismus-Spektrum-Störung. Der PRS für Körpergröße wurde als somatischer Vergleichswert verwendet.

Ergebnisse: Mehr als ein Fünftel (21,7%) der Befragten berichtete über Symptome einer prämenstruellen Störung.

Größte Assoziation für Depressionen

Je höher der polygene Risikoscore, desto größer ist die genetische Assoziation, die durch den Beta-Koeffizienten (ein Maß für die Effektgröße) ausgedrückt wird. Die höchste Assoziation mit prämenstruellen Störungen ergab sich für

  • schwere Depression mit einem PRS-Wert von ß = 0,13,
  • gefolgt von Schizophrenie (ß = 0,11),
  • bipolarer Störung (ß = 0,07),
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ß = 0,07)
  • und Störungen des Autismus-Spektrums (ß = 0,03),

nicht jedoch mit dem polygenen Risikoscore für die Körpergröße (Kontrollwert mit ß = -0,01).

Vorboten für psychiatrische Erkrankung?

Die norwegischen Wissenschaftler schließen aus diesen Ergebnissen, dass die genetische Veranlagung sowohl für Störungen des affektiven Spektrums als auch für schwerwiegende psychiatrische Störungen mit den Symptomen prämenstrueller Störungen assoziiert ist. Somit könnten diese Symptome wie Reizbarkeit oder depressive Verstimmung schweren psychiatrischen Störungen vorausgehen.

Autor:
Stand:
28.06.2023
Quelle:

Jaholkowski P et al. (2023):  Associations Between Symptoms of Premenstrual Disorders and Polygenic Liability for Major Psychiatric Disorders. JAMA Psychiatry.  doi: 10.1001/jamapsychiatry.2023.1137.

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