DGK 2024: Schnittstellen der kardiovaskulären Medizin

Auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der 90. Jahrestagung der DGK erklärte der Tagungspräsident Prof. Dr. Christoph Maack, warum kardiovaskuläre Erkrankungen heute nicht mehr als reine Organkrankheiten, sondern als systemische Krankheiten betrachtet werden sollten.

Kardiovaskuläres System

Themen der Pressekonferenz

Auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) vom 03.-06.04.2024 wählte der Tagungspräsident Prof. Dr. Christoph Maack aus Würzburg das diesjährige Motto des Kongresses „Schnittstellen der kardiovaskulären Medizin“ als Vortragsthema. Weitere Themen waren die Nationale Herz-Allianz, referiert von Prof. Dr. Stephan Baldus aus Köln, die Prävention durch Lipidsenkung von Prof. Dr. Ulf Landmesser aus Berlin und die moderne Diagnostik der koronaren Herzkrankheit (KHK) von Prof. Dr. Holger Thiele aus Leipzig.

Kardiovaskuläre Erkrankungen als Systemkrankheiten

Maack zeigte auf, wie sich die Auffassung kardiovaskulärer Erkrankungen geändert hat. Wurden diese Krankheiten früher als Organerkrankungen behandelt, sieht man sie heutzutage als systemische Erkrankungen mit vielfältigen Überlappungen zu anderen Organsystemen an. Das Herz kommuniziert nicht nur über neuroendokrine Aktivierungsmechanismen, auf die sich therapeutische Ansätze lange konzentriert haben, sondern auch über Inflammation und Veränderungen des Metabolismus mit den anderen Organsystemen. Die Betrachtung dieser Schnittstellen führt auch zu neuen therapeutischen Ansätzen, wie z.B. der Einsatz von SGLT2-Inhibitoren und GLP1-Rezeptorantagonisten bei Herzinsuffizienz.

Umweltbedingungen als Risikofaktoren

Der systemische Ansatz ist nicht auf den Organismus begrenzt, sondern bezieht die Umwelt mit ein. Umweltbedingungen als kardiovaskuläre Risikofaktoren werden mit der Klimaerwärmung noch brisanter. Der Anstieg extremer Hitzetage führt zu einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität. Deutschland steht nach China und Indien an Position 3 im weltweiten Ranking der Hitze-Todesfälle. Dabei verstärken sich Hitze und Luftverschmutzung, insbesondere die Feinstaubbelastung, als Risikofaktoren gegenseitig.

Präventionsmaßnahmen wie gesunde Ernährung und viel Bewegung können im Einzelfall diese Risiken abfedern. Die wichtigsten Gegenmaßnahmen müssen jedoch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene getroffen werden. Zu ihnen gehören: weniger Autoverkehr und mehr Grünflächen in den Städten. Die DGK hat gerade die Task Force "Planetare Gesundheit" gegründet, um diese Themen zu bearbeiten.

Nationale Herz-Allianz

Die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen wird in Deutschland vernachlässigt. „Nur etwa 0,9 % der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen entfallen derzeit auf die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, obwohl diese Krankheiten die stärksten Kostentreiber im deutschen Gesundheitssystem sind, wie Baldus erklärte.

Um die kardiovaskuläre Prävention zu verbessern, wurde die Nationale Herz-Allianz gegründet, die mittlerweile vom Bundesgesundheitsministerium unterstützt wird und folgende Projekte initiiert hat:

  • VRONI zum Screening von Kindern auf familiäre Hypercholesterinämie (FH)
  • Ausweitung von Grippe-Impfungen bei Hochrisiko-Patienten
  • Bestimmung der BNP-Spiegel zur frühen Diagnose von Herzinsuffizienz
  • Verbesserung der Behandlungsquoten bei AV-Klappenerkrankungen
  • Verbesserung der Laien-Reanimation.

Lipidsenkung zur Prävention

Die zentrale Rolle der Lipide bei der Entstehung der Atherosklerose macht eine intensive LDL-Senkung erforderlich, die auch die Leitlinien empfehlen. „Die intensive LDL-Senkung unterstützt auch die Plaque-Stabilisierung“, und kann so kardiovaskulären Ereignissen bei Hochrisiko-Patienten vorbeugen, wie Landmesser hervorhob.

Um festzustellen, wie die Empfehlungen zur Lipidtherapie in kardiologischen Facharztpraxen im Vergleich zu Hausarztpraxen umgesetzt werden, wurde das Lipid SnapShot-Projekt ins Leben gerufen. Dabei wird über drei Jahre eine Querschnittsuntersuchung (SnapShot) mit 1.500 Patienten aus Kardiologie-Praxen pro Jahr durchgeführt und die Daten mit Bestandsdaten zur hausärztlichen Versorgung verglichen.

Hoffnung für eine effektive Lipidsenkung in der Zukunft geben auch neue Therapien auf der Basis von Gene-Editing und die Wirkstoffklasse der siRNA, die derzeit erforscht werden.

CCTA als Kassenleistung

Thiele begrüßte grundsätzlich, dass die Computertomografie des Herzens oder CT-Koronarangiografie (CCTA) zur Diagnose einer chronischen KHK nach der Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschuss in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Er gab jedoch zu bedenken, dass bei der praktischen Umsetzung des vorliegenden Beschlusses kardiologische Kompetenzen mit weit reichenden Folgen übergangen werden könnten, wie er an zwei Beispielen aufzeigte. Er schlägt daher ein Kooperationsmodell von Radiologie und Kardiologie vor, dass die kardiologische Expertise, die Zweitmeinung, die Bildgebungskompetenz und die technische Kompetenz vereinigen und so die Qualität der Diagnostik und der Therapie sichern kann.

Autor:
Stand:
11.04.2024
Quelle:
  1. Prof. Dr. Christoph Mack „Schnittstellen in der kardiovaskulären Medizin“. 90. DGK-Jahrestagung in Mannheim. Pressekonferenz, 3. April 2024
  2. Prof. Dr. Stephan Baldus „Wahrnehmung für kardiovaskuläre Erkrankungen stärken – die Nationale Herz-Allianz“ 90. DGK-Jahrestagung in Mannheim. Pressekonferenz, 3. April 2024
  3. Prof. Dr. Ulf Landmesser „Prävention und Lipide von VRONI bis Lipid Snapshot“ 90. DGK-Jahrestagung in Mannheim. Pressekonferenz, 3. April 2024
  4. Prof. Holger Thiele „Moderne Diagnostik der chronischen KHK“ 90. DGK-Jahrestagung in Mannheim. Pressekonferenz, 3. April 2024
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