DGK 2025: Leitliniengerechte Therapie der COPD senkt das kardiopulmonale Risiko erheblich

Bei niedrigem Obstruktionsgrad der COPD führen kardiale Ursachen häufiger zu Todesfällen als pulmonale. Eine leitliniengerechte COPD-Therapie reduziert nicht nur krankheitstreibende Exazerbationen infolge der Lungenerkrankung, sondern auch das kardiovaskuläre Risiko.

Herz-Lunge-Zusammenspiel

COPD und Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten häufig im Duo auf

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) gehören zu den häufigsten Volkskrankheiten und treten in vielen Fällen gemeinsam auf. In seinem Vortrag „On Air: Digitale Chancen nutzen und kardiopulmonale Risiken reduzieren“ auf der 91. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung e.V. sprach Prof. Dr. med. Frederik Trinkmann, Leiter der Asthma Ambulanz und geschäftsführender Oberarzt der Abteilung für Pneumologie und Beatmungsmedizin an der Thoraxklinik in Heidelberg, über die enge pathophysiologische Beziehung zwischen COPD und kardiovaskulären Erkrankungen. Er zeigte auf, wie eine leitliniengerechte Behandlung der COPD kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle reduzieren kann.

Kardiovaskuläre Komorbiditäten bei COPD

Die Prävalenz der koronaren Herzkrankheit liegt laut Daten aus der Kohortenstudie AvoidEx bei COPD-Patienten bei 21,7 % und für Herzinsuffizienz bei 21,2 %. Darüber hinaus treten auch Herzrhythmusstörungen, periphere Verschlusskrankheit und Schlaganfall häufig als Komorbiditäten bei COPD auf. Patienten mit COPD erleiden im Vergleich zu Personen ohne die Lungenerkrankung mehr als doppelt so häufig kardiovaskuläre Ereignisse.

Bei niedrigem Obstruktionsgrad im Stadium II der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) führen kardiale Ursachen mit 28 % am häufigsten zu Todesfällen bei COPD-Patienten. Mit Zunahme der Obstruktion in den COPD Stadien GOLD III/IV sind 32 % der Todesursachen pulmonal, 24 % Lungenkrebs-bedingt und noch 13 % kardial.

Pathophysiologische Zusammenhänge zwischen Herz und Lunge

Das häufige komorbide Auftreten von COPD und kardiovaskulären Erkrankungen liegt an den gleichen Risikofaktoren, wie beispielsweise Rauchen, Luftschadstoffe, Alterungsprozesse oder körperliche Inaktivität. Diese Risikofaktoren verursachen inflammatorische Prozesse, die in den Lungen eine obstruktive Bronchitis und im Herz-Kreislaufsystem Gefäßschäden und Arteriosklerose hervorrufen. Akute Ereignisse wie Exazerbationen der COPD oder kardiovaskuläre Ereignisse treiben die Progression beider Erkrankungen voran.

Exazerbationen als Treiber des kardiopulmonalen Risiko

Exazerbationen der COPD beschleunigen den Verlust der Lungenfunktion und gehen mit einem hohen Hospitalisierungs- und Mortalitätsrisiko einher. Sie sind darüber hinaus Treiber des kardiopulmonalen Risikos. Das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis in der ersten Woche nach einer schweren Exazerbation ist drastisch erhöht. Auch nach einer moderaten Exazerbation ist das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zumindest in den ersten 30 Tagen deutlich erhöht. 

In einer 2012 in Thorax veröffentlichten Langzeitstudie waren 3,6 Jahre nach einer Hospitalisierung aufgrund einer COPD-Exazerbation nur noch die Hälfte der Patienten am Leben. Bereits eine moderate Exazerbation erhöht das Risiko der kardiopulmonalen Mortalität. In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2022 kam es dabei mit 23 % häufiger zu Todesfällen kardiovaskulärer Ursache als mit 17 % der Fälle zu einem COPD-bedingten Tod.

Therapie der COPD verringert das kardiopulmonale Risiko

Die duale Bronchodilatation mit einem langwirksamen Anticholinergikum (LAMA) und einem langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (LABA) entbläht die Lunge und verbessert nicht nur die Ventilation und Perfusion der Lunge, sondern auch das linksventrikulären Herzvolumen.

Die Kombination der dualen Bronchodilatation mit einem inhalativen Kortikosteroid (ICS) wurde als feste Tripletherapie (ICS + LAMA + LABA) im GOLD-Report von 2023 als einzige Behandlung bewertet, die die Mortalität von COPD-Patienten reduzieren kann. In der Studie IMPACT wurde eine Reduktion um 30 % und in der Studie ETHOS sogar eine Reduktion um 50 % der Gesamtmortalität und 62 % der kardiovaskulären Todesfälle erzielt

Fehler bei der Inhalation vermeiden

Fehler bei der Inhalation sind eine wichtige Ursache für Wirkungsverluste bei der COPD-Therapie. Die Fehlerrate ist bei Patienten, die verschiedene Inhalationsgeräte nutzen, wesentlich höher, als bei Patienten, die fixe Arzneimittelkombinationen nur über ein Gerät inhalieren. Um die Fehlerrate weiter zu senken und die Versorgung zu optimieren, läuft derzeit die multizentrische Studie TelementorCOPD. Unter anderem werden auch die Effekte digitaler Helfer für die Patienten erforscht. Dabei handelt es sich zum Beispiel um eine App, die dem Patienten in Echtzeit Feedback gibt, ob er korrekt inhaliert.

Autor:
Stand:
09.05.2025
Quelle:
  1. Prof. Dr. med. Frederick Trinkmann: „On Air: Digitale Chancen nutzen und kardiopulmonale Risiken reduzieren“, 91. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V., 24. April 2025.
  2. Vogelmeier et al. (2021): COPD Exacerbation History and Impact on Future Exacerbations - 8-Year Retrospective Observational Database Cohort Study from Germany (AvoidEx). International Journal of Chronic Obstructive Pulmonary Disease. DOI: 10.2147/COPD.S322036
  3. Trinkmann et al. (2017): Chronisch obstruktive Lungenerkrankung und kardiale Komorbiditäten – Was beachten bei Diagnostik und Therapie? Der Pneumologe. DOI: 10.1007/s10405-017-0118-x
  4. Vogelmeier et al. (2023): Increased risk of severe cardiovascular events following exacerbations of COPD: a multi-database cohort study. The ERS International Congress Milano, Poster. DOI: 10.1007/s12325-024-02920-y
  5. Suissa et al. (2012): Long-term natural history of chronic obstructive pulmonary disease: severe exacerbations and mortality. Thorax 2012;67:957-963. DOI: 10.1136/thoraxjnl-2011-201518
  6. Whittakeret al. (2022): Frequency and Severity of Exacerbations of COPD Associated with Future Risk of Exacerbations and Mortality: A UK Routine Health Care Data Study. International Journal Chronic Obstructive Pulmononary Disease, DOI: 0.2147/COPD.S346591 
  7. Hohlfeld et al. (2018): Effect of lung deflation with indacaterol plus glycopyrronium on ventricular filling in patients with hyperinflation and COPD (CLAIM): a double-blind, randomised, crossover, placebo-controlled, single-centre trial. Lancet Respiratory Medicine. 2018 May;6(5):368-378. DOI: 10.1016/S2213-2600(18)30054-7.
  8. Vogel-Claussen et al. (2019): Effect of Indacaterol/Glycopyrronium on Pulmonary Perfusion and Ventilation in Hyperinflated Patients with Chronic Obstructive Pulmonary Disease (CLAIM). A Double-Blind, Randomized, Crossover Trial. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. 2019 May 1;199(9):1086-1096. DOI: 10.1164/rccm.201805-0995OC.
  9. Global Strategy for Prevention, Diagnosis and Management of COPD: 2023 Report.
  10. Lipson et al. (2018): Once-daily single-inhaler triple versus dual therapy in patients with COPD (IMPACT). New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1713901
  11. Rabe et al. Triple inhaled therapy at two glucocorticoid doses in moderate-to-very-severe COPD (ETHOS). New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1916046
  12. Sulku et al. (2021): Critical inhaler technique errors in Swedish patients with COPD: a cross-sectional study analysing video-recorded demonstrations. npj Primary Care Respiratory Medicine, DOI: 10.1038/s41533-021-00218-y

  13. Püschner et al. (2024): TELEMEdizinisches moNiTORing für COPD-Patienten (Telementor COPD): Studienprotokoll einer multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Studie. Pneumologie. DOI: 10.1055/a-2383-4470

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