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Krankheiten
Ein Hörsturz tritt meist einseitig auf und hat keine erkennbare Ursache. Häufig geht der Hörverlust mit einem Tinnitus und gelegentlich auch mit Schwindel einher. Bei starken Beschwerden sollte die medikamentöse Therapie mit systemischen oder intratympanalen Glukokortikoiden zeitnah erfolgen.
Definition
Der Hörsturz ist eine plötzlich einsetzende, schmerzlose, meist einseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit cochleärer Genese, die ohne erkennbare äußere Ursache auftritt. Es können unterschiedliche Schweregrade bis hin zur Taubheit vorliegen. Der akute Hörverlust kann außerdem von Schwindel und/oder Ohrgeräuschen begleitet sein.
Formen der cochleären Schwerhörigkeit
- Hochton-Innenohrschwerhörigkeit (IOS)
- Tiefton-IOS
- Mittelfrequenz-IOS
- Pantonale -IOS
- Taubheit oder an Taubheit grenzende Innenohrschwerhörigkeit
Epidemiologie
Die Inzidenz von Hörstürzen in Deutschland beträgt 160 bis 400/100.000 Einwohner pro Jahr. Der Häufigkeitsgipfel liegt im 50. Lebensjahr, mit fallender Tendenz in jüngeren Jahren. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Im Kindesalter ist der Hörsturz sehr selten [1].
Ursachen
Mögliche Ursachen für einen Hörsturz sind Durchblutungsstörungen der Cochlea, zelluläre Dysfunktionen der Haarzellen oder Entzündungen des Innenohrs. Auch Stress wird mit dem Auftreten eines Hörsturzes in Verbindung gebracht [1].
Pathogenese
Die Pathogenese des Hörsturzes ist noch weitgehend unbekannt. Es wird angenommen, dass entweder eine Schädigung der Cochlea entsteht, wodurch die Umwandlung von Schallwellen in Nervenimpulse beeinträchtigt wird, oder eine Beeinträchtigung des neurologisch-elektrischen Impulses von der Cochlea zum Gehirn zugrunde liegt [1,2].
Symptome
In der Regel tritt der Hörsturz einseitig auf und ist schmerzlos, nur in Ausnahmefällen findet sich ein synchroner beidseitiger Hörsturz.
Der akute Hörverlust als Leitsymptom wird je nach Ausmaß nicht in allen Fällen bemerkt.
Zusätzliche Symptome können sein:
- Tinnitus
- Druckgefühl im Ohr
- Schwindel
- Hyper-, Diplo- oder Dysakusis
- periaurale Dysästhesie (pelziges Gefühl im Bereich um die Ohrmuschel)
Sekundäre Symptome umfassen Angststörungen, inadequate Krankheitsbewältigung, weitere psychosomatische Beeinträchtigungen und eine Einschränkung der Lebensqualität [1].
Diagnostik
Anamnese
Zur Diagnostik des Hörsturzes gehört eine eingehende Anamnese. Wichtig sind Informationen zu Beginn und Dauer des Hörverlustes, der Lokalisation (ein- oder beidseitig) sowie zusätzliche Fragen nach vergangenen Traumata, Ohrschmerzen, Otorrhoe, früheren Hörverlusten, Schwindel, Tinnitus und systemischen Symptomen wie Fieber oder Schüttelfrost.
Toxische Expositionen gegenüber Medikamenten oder Schwermetallen wie Quecksilber, Blei oder Arsen können zu beidseitigem Hörverlust führen und sollten daher bedacht werden.
Auch ototoxische Medikamente wie Schleifendiuretika, Aminoglykoside und Cisplatin-Chemotherapeutika werden häufig mit plötzlichem Hörverlust in Verbindung gebracht.
Körperliche Untersuchung
In der körperlichen Untersuchung sollte zunächst der HNO-Status bestimmt und eine Blutdruckmessung durchgeführt werden.
Durch eine Otoskopie und Ohrmikrosokpie können bereits verschiedene Pathologien wie eine Otitis externa oder Otitis media, eine Verstopfung des Gehörganges sowie eine Funktionsstörung der Eustachischen Röhre erkannt oder ausgeschlossen werden. Bei einem Hörsturz sind die Befunde der Otoskopie und Ohrmikroskopie in der Regel unauffällig.
Es sollte eine gründliche neurologische Untersuchung erfolgen, um mögliche schwerwiegende Erkrankungen wie einen Schlaganfall, maligne Neoplasien oder ein Akustikusneurinom zu identifizieren.
In der neurologischen Untersuchung erfolgt eine Beurteilung der Hirnnerven, des Kleinhirns, des Vestibularorgans und der Muskelkraft des MIttelohres. Für den Ausschluss retrocochleärer Pathologien ist die kontrastverstärkte Magnetresonanztomographie (MRT) die Methode der Wahl.
Weiterhin wird eine Hörprüfung mittels Stimmgabeltest und Tonaudiogramm durchgeführt. Der Stimmgabeltest nach Rinne und Weber kann Schallleitungs- und Schallempfindungsstörungen identifizieren. Wenn der Weber-Test zum nicht betroffenen Ohr lateralisiert und der Rinne-Test positiv ausfällt, besteht der Verdacht auf eine Schallempfindungsschwerhörigkeit und damit auf einen einseitigen Hörsturz.
Die Diagnose eines Hörsturzes kann gestellt werden, wenn der Hörverlust innerhalb eines Zeitraums von 72 Stunden auftritt, keine andere Ursache für den Hörverlust in der Anamnese und körperlichen Untersuchung identifiziert wird und ein Hörverlust von mindestens 30 dB in drei aufeinanderfolgenden Frequenzen bei einer Tonaudiometrie auftritt. Wenn keine früheren Audiogramme zum Vergleich vorliegen, kann das andere Ohr als Referenzpunkt genutzt werden.
Therapie
Nicht jeder Hörsturz bedarf einer Behandlung. Bei geringfügigen Hörverlusten ohne Beeinträchtigung des sozialen Gehörs kann zunächst wenige Tage lang im Einverständnis mit dem Patienten eine Spontanremission abgewartet werden. Bei ausgeprägtem Hörverlust, vorgeschädigten Ohren sowie zusätzlichen vestibulären Beschwerden wird eine unmittelbare Behandlung empfohlen.
Glukokortikoide
Es wird empfohlen, initial eine hochdosierte Glukokortikoidtherapie über drei Tage mit jeweils 250 mg Prednisolon oder Prednisolon-Äquivalent durchzuführen.
Auch eine intratympanale Applikation von Glukokortikoiden ist möglich, insbesondere nach fehlendem Ansprechen auf eine systemische Gabe.
Prognose
Die Prognose eines idiopathischen Hörsturzes verschlechtert sich mit zunehmendem Hörverlust. Bei primär nur leichtgradigem Hörverlust kann innerhalb der ersten Tage eine Spontanremission eintreten.
Bei isolierter Schwerhörigkeit im Tiefton- oder Mittelfrequenzbereich oder bei von vornherein leichtgradigem Hörverlust besteht eine günstige Prognose. Auch ein früher Behandlungsbeginn ist mit einer günstigeren Prognose assoziiert. Bei zusätzlichen Gleichgewichtsstörungen verschlechtert sich die Prognose. Rezidive treten bevorzugt bei Hörstürzen im Tief- und Mittelfrequenzbereich auf.