Tennisarm bzw. Epicondylopathia humeri radialis beschreibt einen chronisch lateralen Ellenbogenschmerz, der auf einen kumulativen Effekt von mechanischer Überbelastung, neurologischer Irritation und metabolischen Veränderungen zurückzuführen ist.
Tennisarm ist die umgangssprachliche Bezeichnung einer Epicondylopathia humeri radialis (ICD-10 M77.1). Die zur Gruppe der Insertionstendopathien gehörende Erkrankung betrifft die Unterarmextensoren, die dem Epicondylus lateralis humeri entspringen – speziell die Ansatzstelle der Sehne des Musculus extensor carpi radialis brevis (ECRB). Infolge von mechanischer Überbeanspruchung, neurologischer Irritation und metabolischen Veränderungen kommt es zu einem typischen Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens, der meist nach unten ausstrahlt und sich bei Bewegungen von Handgelenk bzw. Hand verschlimmert. Die Diagnose ergibt sich aus der Anamnese und Klinik. Bildgebende Verfahren werden hauptsächlich eingesetzt, um andere Erkrankungen auszuschließen. Ein Tennisarm wird primär konservativ behandelt. Die Maßnahmen reichen von extrakorporaler Stoßwellentherapie, Iontophorese und Laserbehandlung über die Injektion von Glukokortikoiden, autologem Blut, Hyaluronsäure, Botulinumtoxin, plättchenreiches Plasma oder Glukosaminoglykanen bis zu oral verabreichten nicht-steroidalen Antirheumatika wie Naproxen. Eine operative Behandlung ist Patienten mit anhaltenden Symptomen vorbehalten, bei denen ein konservatives operatives Programm versagt hat. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle verschwinden die Beschwerden allerdings innerhalb von zwölf Monaten bis zu zwei Jahren von selbst – unabhängig von den gewählten therapeutischen Maßnahmen.
Hinweis: Von der Epicondylitis humeri radialis ist die Epicondylopathia humeri ulnaris – dem umgangssprachlichen Golferellenbogen – abzugrenzen [1,2].
Epidemiologie
Tennisarm ist eines der häufigsten Überlastungssyndrome in der Primärversorgung und die häufigste Ursache für Schmerzen im lateralen Ellenbogen bei Erwachsenen. Die Inzidenz in der Gesamtbevölkerung wird mit circa 1 bis 3 Prozent angegeben. Die Inzidenz bei Vorstellung in der hausärztlichen Praxis beträgt 0,4 bis 5,3 Prozent. Im Alter zwischen 40 und 60 Jahren erkranken 11 pro 1.000 Personen pro Jahr an einem Tennisarm [1–6].
Eine finnische Studie ergab eine Prävalenz von 1,3 Prozent für die Epicondylopathia humeri radialis und 0,4 Prozent für die Epicondylitis humeri ulnaris [7].
Ein Tennisarm betrifft häufiger Personen über 40 Jahre. Eine geschlechtsspezifische Prädisposition ist nicht feststellbar; Männer und Frauen erkranken gleichermaßen. Anamnestisch finden sich meist repetitive Aktivitäten bei der Arbeit oder in der Freizeit. Rund 50 Prozent aller Tennisspieler kennen die Symptome eines Tennisarms – insbesondere Anfänger, die die einhändige Rückhand erlernen. Hierbei wird der ECRB weitaus stärker belastet als die anderen epikondylären Sehnen. Demgegenüber spielen nur 10 Prozent aller Patienten mit einer Epicondylopathia humeri radialis Tennis. Weiterhin erkranken häufig Menschen, deren Arbeit ständig wiederkehrende monotone Bewegungen oder feinmotorische Fähigkeiten erfordert [1,4,8–11].
Ursachen
Ein Tennisarm ist Folge degenerativer Veränderungen am Ansatz der Hand- und Fingerstrecker bedingt durch Mikrotraumata. Der am häufigsten betroffene Muskel ist der ECRB, seltener der Supinator und andere Handgelenkstrecker wie Extensor carpi radialis longus, Extensor digitorum, Extensor digiti minimi und Extensor carpi ulnaris [1,2,7].
Mehrere neuere Studien legen nahe, dass der Tennisarm auch die Manifestation einer Ellenbogeninstabilität sein kann. Eine MRT-Studie an 24 Ellenbogen zeigte, dass Verletzungen des lateralen ulnaren Seitenbandes signifikant häufiger in der Gruppe mit schwerer Epicondylopathia humeri radialis auftraten. Arrigoni et al. definierten drei arthroskopische Anzeichen für eine Laxität des Ellenbogens: anterior-posteriore Translation, Verlust der Abdeckung des Radiuskopfes durch das Ringband und Erschlaffen des radialen Seitenbandes. Von 35 Patienten, die wegen eines Tennisarms operiert wurden, wiesen 48,6 Prozent mindestens eines dieser Anzeichen auf. Dies lässt darauf schließen, dass ein Versagen der statischen Stabilisatoren zu einer Überlastung des ECRB während der dynamischen Stabilisierung führen könnte, so die Studienautoren [11–13].
Lokale Entzündungen als Hauptursache wurden durch unterschiedliche Studien ausgeschlossen [1,14,15].
Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren in der Allgemeinbevölkerung gehören [1,7]:
zunehmendes Alter (vor allem zwischen dem 45. und 54. Lebensjahr)
repetitive Bewegungsabläufe der entsprechenden Muskelgruppen für mindestens zwei Stunden täglich (zum Beispiel Tennis, Spielen eines Instruments, Tippen und Handarbeit)
früheres Trauma
erhöhter Kraftaufwand (> 20 kg)
Pathogenese
Eine über einen längeren Zeitraum andauernde repetitive Dorsalflexion des Handgelenks mit Supination und Pronation führt zu einer Überbeanspruchung der Unterarmstrecksehnen. Sehnen können sich als Reaktion auf allmählich zunehmende Kräfte leicht dehnen. Übersteigt die Belastung die Dehnungstoleranz der Sehne, kann ein Mikroriss entstehen. Mehrere Mikrorisse führen zu degenerativen Veränderungen innerhalb der Sehne. Dies kann in einer Hyperplasie von Fibroblasten mit Ausbildung ungeordneter Kollagenfasern und einer Neovaskularisation resultieren. Diese sogenannte angiofibrotische Hyperplasie ist durch hohe Zellzahlen, einer Blutgefäßhyperplasie und einem Kollagenfaserabbau gekennzeichnet. Im weiteren Verlauf können die Läsionen in partielle oder vollständige Sehnenrisse übergehen und schließlich zu Fibrose und Verkalkung fortschreiten [1,2,8,11].
Symptome
Ein Tennisarm ist durch Schmerzen im Ellenbogen gekennzeichnet, die üblicherweise unmittelbar vor oder in der knöchernen Oberfläche der oberen Hälfte des lateralen Epikondylus lokalisiert sind. Sie können in den distalen Unterarm bis in die Hand, aber auch in den Oberarm ausstrahlen. Die Intensität kann von intermittierendem und leichtem bis hin zu anhaltendem und starkem Schmerz variieren.
Die Schmerzen sind belastungsabhängig und entstehen häufig nach ungewöhnlicher oder übermäßiger Anstrengung. Ein kräftiger Händedruck wird als unangenehm empfunden. Viele Patienten berichten über eine Schwäche im Handgelenk bei einfachsten Bewegungen und eine Abnahme der Griffkraft, die sowohl alltägliche als auch sportliche Aktivitäten beeinträchtigt [1,2,11].
Klassifikation
Eine einheitliche Klassifikation der Epicondylopathia humeri radialis existiert nicht. Aus diagnostischen, therapeutischen und prognostischen Aspekten wird allerdings zwischen einer akuten und einer chronischen Form unterschieden. Bei einer akuten Epicondylopathia humeri radialis dauern die Beschwerden weniger als sechs Monate, bei der chronischen Form länger als sechs Monate an.
Diagnostik
Die Diagnose Tennisarm ergibt sich aus der Anamnese, Klinik und körperlichen Untersuchung. Schmerzen im seitlichen Ellenbogen sind hinweisgebend. Bildgebende Verfahren werden vor allem zum Ausschluss anderer Erkrankungen eingesetzt [1].
Anamnese
Anamnestisch finden sich häufig:
vermehrte Belastungen in Beruf oder Freizeit
vorherige konservative oder operative Behandlungen
Unfälle
Gelenkerkrankungen
sportspezifische Traumata
Die Familienanamnese und Allgemeinerkrankungen (Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis) geben keine entscheidenden Hinweise für ein Tennisarmgeschehen, sind aber differenzialdiagnostisch hilfreich.
Sozialanamnestisch ergeben sich oft Berufe mit spezifischer Belastung der Handgelenkstreckmuskulatur.
Die Evaluierung und Bewertung von alltagspraktischen Einschränkungen ist beispielsweise mit dem „Patient Rated Tennis Elbow Evaluation“-Fragebogen möglich. [1]
Klinik und körperliche Untersuchung
Die klinische Diagnostik umfasst:
Inspektion
Palpation
Bewegungsprüfung
spezielle Provokationstests (resistive Prüfung der Handgelenksfunktion)
Beurteilung der peripheren Durchblutung, Sensibilität, Motorik und Nervenengpasszeichen
Die Diagnosestellung einer lateralen Epicondylopathie setzt einen lokalen Druck-, Dehnungs- und Anspannungsschmerz voraus. Der lokale, mitunter flächige Druckschmerz kann sowohl nach distal als auch nach proximal ausstrahlen.
Temperatur, Farbe und Trophik sind im Regelfall unauffällig, bisweilen findet sich eine umschriebene Verquellung. In der Muskulatur sind druckdolente Verhärtungen (Triggerpunkte) palpierbar.
Der aktive und passive Bewegungsradius wird anhand der Neutral-Null-Methode beurteilt und dokumentiert. Dieser ist normalerweise passiv frei, nur das sogenannte Engegefühl (Qualität des Bewegungsstops) ist verändert. Der aktive Bewegungsumfang kann schmerzbedingt oder reflektorisch (aufgrund eines erhöhten Muskeltonus) eingeschränkt sein; dies gilt insbesondere bei Kombinationsbewegungen aus Pronation und Streckung bzw. Supination und Flexion.
Der maximale Schmerz wird provoziert, wenn Ursprung und Ansatz eines Muskels maximal voneinander entfernt werden (Dehnungsschmerz) und gleichzeitig isometrischer Widerstand gegeben wird (Belastungsschmerz).
Pathognomonisch für die radiale Epicondylitis sind [1,2,11]:
Thomsen-Phänomen: Dehnungsschmerz bei passiver Hand- und Fingerflexion
Coenen-Zeichen: Schmerzen beim Fingerschnipsen
Chair-Test: Schmerzen beim Anheben eines Stuhls mit proniertem Unterarm und evtl. bei Überstreckung im Handgelenk
Bildgebung
Bei der Erstvorstellung kann ergänzend zur klinischen Untersuchung eine Röntgendiagnostik sinnvoll sein. Bei chronischen Verläufen (> 6 Monaten) sollte in jedem Fall eine Röntgenaufnahme erfolgen. Ebenso kann eine Ultraschalldiagnostik angezeigt sein.
Die exakte Dokumentation des Extensorenzustands bei chronischer Epicondylopathia humeri radialis ist mittels Magnetresonanztomographie (MRT) empfohlen. Eine Kontrastmittelgabe ist in der Regel nicht erforderlich. Die MRT sollte, falls möglich, unter Streckung und Supination des Ellbogengelenks durchgeführt werden [1,11]
Weitere Untersuchungen
Bei Verdacht auf eine fortgeleitete oder periphere neurogene Läsion können zusätzliche neurophysiologische Untersuchungen (inkl. EMG/NLG) erforderlich sein.
Bei Verdacht auf eine entzündliche Genese ist im Einzelfall eine zusätzliche Labordiagnostik und bei klinisch unklarer Instabilitätsdiagnostik eine arthroskopische Stabilitätsprüfung sinnvoll.
Differenzialdiagnostisch wird eine orientierende neuroorthopädische Untersuchung der Hals- und Brustwirbelsäule, der ipsilateralen Schulter und des ipsilateralen Handgelenks empfohlen [1].
Differenzialdiagnose
Folgende Begleitpathologien und/oder Differentialdiagnosen sollten berücksichtigt werden [1,2].
Knorpelschäden (Chondromalazie radiohumeral bzw. Radiusköpfchen)
Kapselbandinstabilitäten des Ellenbogens, Extensorensehnenschäden
postinterventionelle/postoperative Folgezustände
Knochenmarksödem/Bone Bruise
Muskel-/Sehnendysfunktionen
Pathologien der Synovia (zum Beispiel villonoduläre Synovitis und Chondromatose)
Bursitiden
infekt-assoziierte Erkrankungen wie Weichteil- und Gelenkinfekt, infektiöse Arthritis, Osteomyelitis
Frakturen
Tumoren/Metastasen (primär, sekundär)
synovitische Veränderungen/Arthritiden
Erkrankungen aus dem entzündlich-rheumatischen Formenkreis wie rheumatoide Arthritis und Psoriasisarthritis
Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Gicht, Pseudogicht)
neurogene Erkrankungen (zum Beispiel Thoracic-outlet-Syndrom, Radialis-Kompressions-Syndrom, Pronator-Teres-Syndrom oder Supinator-Syndrom)
kongenitale Erkrankungen wie die Synostosis radioulnaris
Therapie
Die Therapie des Tennisarms sollte ausgerichtet sein auf die [2]:
Linderung von Schmerzen
Erhaltung der Beweglichkeit
Verbesserung von Griffkraft und Ausdauer
Wiederherstellung der normalen Funktion
Kontrolle einer weiteren klinischen Verschlechterung
Die Behandlung erfolgt primär konservativ. Hier kommt eine breite Palette medikamentöser und nicht-pharmakologischer Maßnahmen zur Anwendung. Bei frustranem, konservativen Therapieversuch von mindestens sechs Monaten und persistenten Beschwerden kann eine operative Therapiealternative diskutiert werden [1].
Medikamentöse Therapie
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
Bei akuten Beschwerden kann eine orale NSAR-Intervalltherapie hilfreich sein. In der Praxis hat sich gezeigt, dass nicht-steroidale Antirheumatika (über einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen angewandt) vor allem schmerzlindernd und funktionsverbessernd wirken. Auch die lokale Applikation (bis zu vier Wochen) zeigt einen schmerzlindernden Effekt [1].
Kortikosteroid-Injektionen
Lokale Kortikosteroid-Injektionen werden häufig zur Behandlung einer lateralen Epicondylitis eingesetzt. Die Injektionen bessern die Beschwerden zwar kurzzeitig (etwa sechs Wochen), im Langzeitverlauf sind aber keine signifikanten Unterschiede zu Injektionen mit Placebo oder Lokalanästhetika oder anderen konservativen Therapien mit Physiotherapie feststellbar. Vielmehr werden ein erneutes Auftreten der Symptome und ein schlechteres Langzeit-Outcome beschrieben [1].
Andere Präparate
Für oder gegen die Anwendung von anderen Präparaten gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz, zum Teil ist die Datenlage widersprüchlich. Dazu gehören [1]:
Eigenblutinjektionen
PRP-Injektionen (Platelet Rich Plasma)
Botulinumtoxin-A-Injektionen
Hyaluronsäure-Injektionen
transdermale Applikation von Glyceroltrinitrat
Prolotherapie/Proliferationstherapie
Polidocanol-Injektionen
homöopathische Präparate wie Traumeel
Konservative nicht-medikamentöse Therapie
Das zeitweise Aussetzen der Belastung sowie eine Änderung oder Vermeidung schmerzhafter Aktivitäten führen häufig schon zu einer symptomatischen Linderung der Beschwerden.
Praktisch bewährt haben sich physiotherapeutische Dehnungs- und Kräftigungsübungen. Ein Standardprogramm bzw. Empfehlungen zu Intensität, Dauer, Frequenz und Kontraktionsform (isometrisch/konzentrisch/exzentrisch) gibt es nicht. Das Grundprinzip besteht aber darin, die Sehne so nahe wie möglich an ihre Belastungsgrenze heranzuführen, ohne sie zu überschreiten [1,2,11].
Trainingstherapie
Hauptpfeiler der physiotherapeutischen Maßnahmen sind Trainingsprogramme mit Übungen und Teilbelastungen, die die Heilung der Sehne begünstigen. Gemäß der S2k-Leitlinie „Epicondylopathia radialis humeri“ wird eine Trainingstherapie mit progressiver Belastung für die Handgelenkextensoren empfohlen. Bei der chronischen Tendinopathie kann es aufgrund etwaiger lokaler Kompressionseffekte sinnvoll sein, initial endgradige Flexions- und Pronationsbewegungen zu vermeiden.
Ein zusätzliches Trainingsprogramm der Schulter kann durchgeführt werden. Dazu gehören Kräftigungsübungen für die Stabilisatoren des Schulterblatts, einschließlich des unteren Trapezius, des Serratus anterior und der Rotatorenmanschette [1,2].
Manuelle Therapie
Verschiedene Anwendungen aus dem Bereich der manuellen Therapie (z.B. Mobilisation with Movement, Mills Manipulation oder die Mobilisation von HWS und Handgelenk) sind in der Behandlung des Tennisarms beschrieben. Die Evidenz hinsichtlich der Effektivität bei der Therapie von Tendinopathien ist jedoch gering. Möglicherweise sind kurzfristige Verbesserungen von Schmerzen und Griffstärke zu erwarten. Ob die Effekte allerdings mittel- und langfristig anhalten, bleibt unklar [1].
Elektrotherapie
Elektrotherapie (ET) wird oft mit anderen Therapiemethoden kombiniert angewandt. Für die transkutane Elektrostimulation (TENS) wurde beim Tennisarm noch kein zusätzlicher Nutzen nachgewiesen. Gemäß der Leitlinie wird die Elektrotherapie nicht als alleinige Therapie bei einer Epicondylopathia humeri radialis empfohlen [1].
Ultraschall
Ähnlich der ET wird auch die Ultraschalltherapie vielfach mit anderen Therapieformen kombiniert – mit sind sehr heterogenen Ergebnissen. Die Leitlinie empfiehlt, Ultraschall nicht als alleinige Therapie bei der Behandlung des Tennisarms [1].
Friktionsmassage
Für die positive Wirkung einer isolierten Friktionsmassage bei Tendinitiden oder Tendinosen am Ellenbogen gibt es nur unzureichende Daten. Aufgrund des fehlenden Evidenznachweises können die Leitlinienexperten keine Aussage bezüglich einer Anwendungsempfehlung treffen [1].
Kryo- und Wärmetherapie
Derzeit gibt es keinen Wirkungsnachweis von Kryo- und Wärmetherapie-Anwendungen beim Tennisarm [1].
Extrakorporale Stoßwellentherapie (ECSW)
Die von der Leitliniengruppe ausgewerteten Daten aus randomisierten, kontrollierten, qualitativ sehr heterogenen Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse einer Stoßwellenbehandlung bei der lateralen Epicondylitis. Größtenteils schnitt die Stoßwelle bezüglich Schmerz, Griffstärke und Scores signifikant besser oder zumindest gleichwertig im Vergleich zu anderen Behandlungen ab. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass die extrakorporale Stoßwellentherapie bei therapieresistenter Epicondylopathia humeri radialis angewendet werden kann [1].
Akupunktur
Die Studienlage zur Anwendung von Akupunktur beim Tennisarm ist eingeschränkt. Dennoch sehen die Leitlinienautoren nach Durchsicht der vorhandenen Daten eine starke Evidenz für die kurzfristige Schmerzlinderung; demzufolge spricht nichts gegen eine Akupunkturbehandlung bei der lateralen Epicondylitis [1].
Magnetfeldtherapie
Die Evaluation der verfügbaren Studien zeigt diskrepante Ergebnisse hinsichtlich eines möglichen Therapieeffekts der Magnetfeldtherapie bei der lateralen Epicondylopathie. Die Leitlinienexperten sehen insgesamt aber eine Evidenz für die Unwirksamkeit, respektive keine Evidenz für die Wirksamkeit dieser Therapiemethode.
Deshalb wird die Magnetfeldtherapie beim Tennisarm aktuell auch nicht empfohlen. Die Experten weisen jedoch auf neuere Studien mit konträrer Bewertung hin [1].
Sauerstofftherapie
Indikationsfelder innerhalb der muskuloskeletalen Medizin für die Anwendung der hyperbaren Sauerstofftherapie sind gemäß der aktuell verfügbaren Literatur eher akute Traumasituationen, muskuläre Verletzungen sowie Wundheilungsstörungen und weniger chronische Ansatztendinosen. Aufgrund der unzureichenden Datenlage ist die Sauerstofftherapie bei Epicondylopathie humeri radialis aktuell nicht zu empfehlen [1].
Strahlentherapie
Gemäß den Kriterien der evidenzbasierten Medizin kann die Strahlentherapie in der Tennisarmbehandlung aktuell nicht empfohlen werden [1].
Orthopädietechnik
Epicondylitisbandagen, Unterarmorthesen und Kinesio-Tapes können als Therapieoption erwogen werden, wobei ein Wirksamkeitsbeweis fehlt. Weitere randomisiert-kontrollierte Studien sind hierzu notwendig. [1]
Lasertherapie
Der Einsatz einer Lasertherapie hat sich zunächst nicht als besonders wirksam bei einer Tennisarm-Behandlung erwiesen. Neuere Studie zeigen indes einige Vorteile bei Verwendung einer angemessenen Dosis und Wellenlänge (Low-Level- und High-Level-Lasertherapie) [2,11,16–19].
Operative Therapie
Die Therapie der akuten Epicondylopathia humeri radialis soll konservativ erfolgen – unter Ausschöpfung des hohen Selbstheilungspotentials. Bei frustranem, konservativen Therapieversuch von mindestens sechs Monaten mit persistenten Beschwerden kann bei strukturell-morphologischem und klinischem Korrelat über eine operative Therapiealternative diskutiert werden. Zur Auswahl stehen unterschiedliche modifizierte und kombinierte Operationstechniken. Eine abschließende Empfehlung für ein Verfahren (offen, arthroskopisch, perkutan) ist derzeit nicht möglich. Ebenso wenig kann eine Empfehlung für einen optimalen Operationszeitpunkt sowie zur Wahl des Verfahrens basierend auf einer früheren Rückkehr in den Beruf gegeben werden. Bei chronischen Fällen sind allerdings arthroskopische und offene Verfahren mit einer durchschnittlich höheren Schmerzreduktion und besseren funktionellen Scores verbunden als perkutane Techniken [1]. Prinzipiell gilt [1]:
Ein befundorientiertes intraoperatives Vorgehen, ggf. mit Refixation der Sehnen, wird empfohlen.
Die häufigsten relevanten Komplikationen sind persistierende Beschwerden und iatrogene Verletzungen des lateralen Außenbands mit folgender Instabilität.
Die Wundinfektionsrate von offenen Verfahren ist geringfügig höher als bei arthroskopischen Verfahren. Bei anderen Komplikationen gibt es gemäß der aktuellen Datenlage keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Bei einer arthroskopischen Versorgung können intraartikuläre Begleitpathologien – sofern vorhanden – detektiert und behoben werden.
Ein offenes Verfahren bietet eine bessere Übersicht und Versorgungsmöglichkeit eines eventuell extraartikulären Anteils der Tendinose. Bezüglich der Größe der Inzision können anhand der aktuellen Literatur (1,5–5 cm) keine Empfehlungen getroffen werden.
Prognose
Die Prognose bei einer Epicondylopathia humeri radialis ist günstig. Entsprechend der verfügbaren Daten ist ein Tennisarm oft selbstlimitierend und bildet sich innerhalb von zwölf Monaten bis zu zwei Jahren spontan zurück [1,2,11].
Physiotherapie einschließlich Übungen zur Stärkung der epikondylären Muskulatur und Dehnungsübungen, eine Aktivitätsmodifikation, Epicondylitisbandagen, Unterarmorthesen und Kinesio-Tapes sowie die Injektion von autologen Blutbestandteilen können den Verlauf positiv beeinflussen. Glukokortikoide bieten lediglich einen kurzfristigen Benefit und sind insbesondere bei wiederholter Anwendung mit Komplikationen (beispielsweise Hautatrophie, Muskel- /Sehnenatrophie, Infektion) verbunden [1].
Der Erfolg einer operativen Therapie bei chronischer Epicondylopathie ist abhängig von den bestehenden Begleitpathologien etwas weniger kalkulierbar. Grundsätzlich sind operativ behandelte Patienten allerdings zufrieden mit dem Behandlungsergebnis – sowohl in offener als auch minimal-invasiver Technik.
Faktoren, die auf eine schlechtere Prognose hindeuten, sind [1]:
erneutes Auftreten der Beschwerden
berufliche körperliche Beschäftigungen
einseitige manuelle Tätigkeiten
begleitende Nackenschmerzen (mit und ohne Anzeichen für Nervenkompressions-Syndrome)
depressive Episoden
Symptomdauer länger als drei Monate
akut starke Schmerzen bei Erstvorstellung
Prophylaxe
Ein Tennisarm lässt sich vorbeugen, indem übermäßige einseitige und repetitive Belastungen von Ellenbogen und Unterarmmuskulatur vermieden werden. Sportler (insbesondere Tennisspieler) sollten auf einen langsamen Trainingsaufbau, Aufwärm- und Dehnungsübungen vor Spielbeginn, gute Schläger und die richtige Schlagtechnik achten. Bei beruflicher Dauerbelastung werden folgende Maßnahmen empfohlen:
Fehlbelastungen und Fehlhaltungen vermeiden
monotone Arbeiten durch kurze Pausen unterbrechen
regelmäßige Dehnübungen der Unterarmmuskulatur absolvieren
Orthesen und Epicondylitisbandagen können helfen, den Muskelansatz am Ellenbogen zu schützen
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