Pandemiebedingte Nachholeffekte bei Kindern zu erwarten

Aufgrund der coronabedingten Schutzmaßnahmen sind bei klassischen Infektionskrankheiten wie Scharlach pandemiebedingte Nachholeffekte zu erwarten. Das geht aus dem neuem BARMER-Arztreport hervor.

Kind Influenza

Hintergrund

Die coronabedingten Schutzmaßnahmen in der Pandemiezeit sind nicht spurlos an uns vorüber gegangen. Vor allem auf die Gesundheit der Kinder hatten sie einen erheblichen Einfluss. Viele Kinderkrankheiten wie Scharlach und Ringelröteln sind teils deutlich seltener aufgetreten als vor der Covid-19-Pandemie, heißt es im neuen BARMER-Arztreport [1]. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Weniger Scharlach-Fälle während der Pandemie

Während der Coronapandemie erkrankten weit weniger Kinder an Scharlach als in der vorpandemischen Zeit. Von 2019 auf 2021 sank die Betroffenenrate von 2.083 je 100.000 (entsprechend einem Anteil von 2,083%) auf nur noch 217 je 100.000 (entsprechend 0,217%). Das ergibt einem Rückgang von 90%, schreibt die Krankenkasse. Jetzt könnte ein intensiver Nachholeffekt bei den nun älteren Schulkindern eintreten, warnt BARMER-Chef Professor Christoph Straub. Hier würden teils außergewöhnlich schwere Verläufe drohen.

Abnehmende Krankheitsraten auch bei anderen Kinderkrankheiten

Abnehmende Krankheitsraten waren auch bei anderen Kinderkrankheiten zu verzeichnen, zum Beispiel bei:

Ausnahme Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Eine Ausnahme bildet die Hand-Fuß-Mund-Krankheit, an der im letzten Quartal des Jahres 2022 sogar mehr Kinder erkrankt waren als im gesamten Betrachtungszeitraum seit dem Jahr 2005. Dieser Verlauf sollte dringend weiter beobachtet werden.

An der Hand-Fuß-Mund-Krankheit kann sich eine Person mehrfach anstecken, selbst im Erwachsenenalter. Wie sich die Fallzahlen ohne Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht entwickeln, ist noch offen. Möglicherweise ist trotz ohnehin schon hoher Fallzahlen ein ähnlicher Nachholeffekt wie bei Scharlach zu befürchten, heißt es im BARMER-Report.

Impfungen für starken Immunschutz

Kinder und Erwachsene brauchen einen starken Immunschutz; Schutzimpfungen können hier viel bewirken, heißt es in dem Bericht. Als Beispiel nannte Straub die Windpocken, die seit 2004 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) allgemein empfohlen wird. Seitdem sind Windpockenerkrankungen massiv zurückgegangen.

Vor Erkrankungen, gegen die es keine Impfung gibt, können Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln wesentlich schützen. Andererseits werden so auch Kontakte zwischen Menschen und verschiedenen Bakterien und Viren minimiert. Das wirke sich generell negativ auf die Grundimmunität aus.

„Deshalb sind Schutzmaßnahmen immer eine Gratwanderung, die es bei möglichen künftigen Pandemien ganz genau auszutarieren gilt“, sagt der BARMER-Chef.

Autor:
Stand:
20.03.2023
Quelle:

BARMER Arztreport 2023.

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