Häufiger depressive Symptome bei bipolarer Störung Typ 1
Obwohl die Manie die definierende Eigenschaft der bipolaren Störung I ist, haben Patienten mit dieser Störung dreimal häufiger depressive Symptome im Vergleich zu manischen Symptomen. Der Einfluss von depressiven Symptomen auf die Gesundheit und die Funktion ist mindestens so schwer wie die von manischen Episoden.
Zudem zeigten Studien, dass Suizidversuche und vollendete Suizide mindestens 18mal häufiger während depressiven Episoden im Vergleich zu manischen Episoden bei bipolaren Störungen Typ I vorkommen.
Antidepressiva werden genutzt, um akute Depressionen bei Patienten mit bipolaren Störungen Typ 1 zu behandeln. Ihre Wirkung als Erhaltungstherapie nach der Remission der Depression wurde bisher nicht untersucht.
Zudem ist ihr Einsatz nicht unumstritten. Es bestehen Bedenken, dass diese Wirkstoffe die Manie, Mischzustände oder einen schnellen Wechsel zwischen Manie und Depression unterstützen könnten.
Antidepressiva nach Remission einer Depression bei bipolarer Störung Typ 1?
Eine aktuelle doppelblinde, placebo-kontrollierte Studie untersuchte daher die Erhaltungstherapie mit Escitalopram (10-30mg pro Tag) oder Buproprion XL (150 bis 450 mg täglich) in Kombination mit einem Stimmungsstabilisator oder Antipsychotikum der zweiten Generation im Vergleich zur Unterbrechung der antidepressiven Therapie bei Patienten mit bipolaren Störungen Typ 1, die kürzlich eine Remission ihrer depressiven Episode zeigten.
Die Patienten wurden zufällig 1:1 auf die Gruppen Erhaltungstherapie mit Antidepressiva für 52 Wochen nach der Remission gegenüber einem Wechsel zum Placebo in der achten Woche aufgeteilt. Insgesamt nahmen 177 Teilnehmer an der Studie teil. 90 der Patienten wurden der Erhaltungstherapiegruppe zugeteilt, gegenüber 87 in der Placebogruppe.
Das primäre Outcome war jede affektive Episode, zusätzliche Behandlung oder Hospitalisierung für affektive Symptome oder versuchter oder vollführter Suizid. Primäre Outcome Ereignisse wurden als manisch, hypomanisch, depressiv oder gemischt klassifiziert.
Die Studie wurde aufgrund der langsamen Rekrutierung und Finanzierungslimitationen vor der vollständigen Rekrutierung gestoppt.
Kein signifikanter Benefit bei Erhaltungstherapie
In der 52. Woche zeigten 28 Patienten der Erhaltungstherapiegruppe und 40 der Placebogruppe ein affektives Ereignis. Die geschätzte Wahrscheinlichkeit ohne affektive Episode zu bleiben, betrug in der 52. Woche 61% für die Erhaltungstherapiegruppe und 49% für die Placebogruppe.
Insgesamt erlitten elf Patienten der Erhaltungstherapie gegenüber fünf der Placebogruppe ein manisches oder hypomanisches Ereignis und 15 gegenüber 35 Patienten zeigten ein Rezidiv der Depression. Die geschätzte Wahrscheinlichkeit kein Rezidiv einer depressiven Episode zu erleiden war in der Erhaltungstherapiegruppe höher als in der Placebogruppe (72% versus 53%).
Kein Rezidiv einer manischen Episode zu bekommen, war hingegen in der Placebogruppe höher im Vergleich zur Erhaltungstherapiegruppe (92% versus 81%). Das Auftreten von unerwünschten Wirkungen war vergleichbar in beiden Gruppen.
Es wurden keine schweren unerwünschten Wirkungen gesehen. Eine klinisch signifikante Gewichtszunahme (≥ 7% Zunahme des Körpergewichts) wurde bei 14% der Patienten der Erhaltungstherapiegruppe und bei 7% der Placebogruppe beobachtet. Eine Subgruppenanalyse konnte nicht durchgeführt werden und die Ergebnisse waren daher nur deskriptiv.
Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Studie keinen signifikanten Benefit der Fortsetzung der antidepressiven Therapie nach einer Remission der depressiven Episode im Vergleich zu einer Beendigung der Therapie nach acht Wochen in Bezug auf die Verhinderung eines Rezidivs einer affektiven Episode zeigte.
Die Studie wurde bei ClinicalTrials.gov unter NCT00958633 registriert.




