Bis Februar 2021 wurden in LEOSS (Lean European Open Survey on SARS CoV II Infected Patients) 6.537 Patienten registriert. 92% waren stationär behandelt worden. „Die Kohorte spiegelt nicht die Gesamtheit der COVID-19-Patienten wider“, betonte Dr. Samuel Knauß von der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin bei der Vorstellung der ersten Ergebnisse des Registers aus neurologischer Sicht [1]. 37% der registrierten Fälle waren intensivmedizinisch behandelt, davon 81% auch beatmet worden. 19% waren kritisch krank, 15% verstarben. 45% waren in einem Alter von über 65 Jahren.
Neurologische Komplikationen
In dieser Kohorte spielten Geruchs- (4,6%) und Geschmacksstörungen (6,0%) als sonst sehr häufig berichtete neurologische Symptome einer SARS-CoV2-Infektion keine besondere Rolle. Trautmann vermutet, die Patienten berichten bei einem schweren Verlauf nicht mehr solche eher milde Symptome. Häufiger genannt wurden exzessive Müdigkeit (19,7%), Muskelschmerzen (11,8%) Kopfschmerzen (10,9%) und Muskelschwäche (10,1%). 2,4% der Patienten entwickelten auch ein Delir. Besonders in der kritischen Phase fiel eine Häufung von intrakraniellen Blutungen (engl. intracranial bleeding, ICB) auf. 51 von 1.027 so schwer von COVID-19 betroffenen Patienten (5,0%) erlitten eine ICB. Eine multivariate Analyse ergab, dass ICBs signifikant assoziiert waren mit einer therapeutischen Antikoagulation (p=0,009) und einer ECMO (p<0,0001). In der kritischen Phase scheinen ICB also häufig iatrogen begründet zu sein, meinte Knauß.
Risiko bei neurodegenerativen Erkrankungen unklar
8,4% der in LEOSS erfassten Patienten wiesen zerebrovaskuläre Vorerkrankungen auf, 9,6% neurodegenerative Erkrankungen und 2,3% neuroimmunologische Erkrankungen. Die logistische Regressionsanalyse ergab, dass neben den bekannten COVID-19-Risikofaktoren höheres Alter und männliches Geschlecht auch kardiovaskuläre Erkrankungen, eine exzessive Müdigkeit und neurodegenerative Erkrankungen Risikofaktoren für eine schweren COVID-19-Verlauf und Tod waren. Eine kategoriale Hauptkomponentenanalyse (CATPCA) bestätigte das erhöhte Risiko bei neurodegenerativen Erkrankungen. Ein Vergleich von Patienten mit Parkinson-Syndrom oder Demenz mit gematchten Kontrollen ergab dagegen keinen Unterscheid hinsichtlich der stationären Behandlungsdauer, der Dauer der intensivmedizinischen Versorgung, der Beatmungsdauer und der Todesrate durch COVID-19. Analysen größere Kohorten müssen zeigen, ob das COVID-19-Risiko für Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wirklich erhöht ist, sagte Knauß.
Ausblick
LEOSS trägt wie andere Kohortenstudien auch zukünftig zum Nationalen Pandemie Kohorten Netz NAPKON bei. Aus neurologischer Sicht erhofft sich Knauß von weiteren Forschungen einen Aufschluss über die Pathophysiologie neurologische Symptome bei COVID-19. Untersucht werden sollen u.a. Antineuronale Antikörper und Liquorzytokinprofile bei Patienten mit neurologischen Symptomen sowohl in der Akutphase von COVID-19 wie im weiteren Verlauf, Immunprofile von Patienten mit Delir im frühen Krankheitsstadium und Korrelate neurologischer Symptome (Delir, Geruchsstörung) in der Kernspintomographie.









