Gemeinsame Risikofaktoren für Schlaganfall, Demenz und Altersdepression identifiziert

Eine systematische Übersichtsarbeit identifiziert modifizierbare Risikofaktoren, die gleich mehrere neuropsychiatrische Erkrankungen im Alter beeinflussen – darunter Schlaganfall, Demenz und Altersdepression.

Risikomanagement

Mit dem Alter steigt das Risiko – und häufig gemeinsam

Mit zunehmender Lebenserwartung wächst die Prävalenz neuropsychiatrischer Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz und Altersdepression im höheren Lebensalter. Jährlich sind weltweit etwa 12 Millionen Menschen von einem Schlaganfall betroffen, etwa 55 Millionen leben mit einer Demenz, und auch die Altersdepression zeigt eine deutliche Zunahme. Diese Erkrankungen gehen mit erheblicher Morbidität und Mortalität einher und verursachen hohe Belastungen für das Gesundheitssystem.

Angesichts dieser Entwicklungen rücken präventive Strategien zunehmend in den Fokus. Frühere Studien legten bereits nahe, dass viele dieser Erkrankungen durch modifizierbare Risikofaktoren beeinflussbar sind. Bisher fehlte jedoch eine systematische Analyse derjenigen Faktoren, die mehrere dieser Erkrankungen zugleich beeinflussen.

Systematische Metaanalyse zu kombinierten Risikofaktoren auf Basis von DALY-Daten

Eine internationale Forschergruppe aus dem Brain Care Lab am Massachusetts General Hospital, USA, führte eine systematische Übersichtsarbeit durch, die kürzlich im 'Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry' veröffentlicht wurde. Ziel war es, gemeinsame modifizierbare Risikofaktoren für Schlaganfall, Demenz und Altersdepression zu identifizieren, und deren Einfluss auf ein kombiniertes Krankheitsrisiko quantitativ zu erfassen.

Dazu wertete das Forschungsteam Metaanalysen aus den Datenbanken PubMed, Embase und PsycInfo aus dem Zeitraum Januar 2000 bis September 2023 aus. Berücksichtigt wurden nur Arbeiten, die Effektstärken modifizierbarer Risikofaktoren auf mindestens eine der drei Erkrankungen berichteten.

Aus insgesamt 182 gesichteten Metaanalysen wählten die Autoren 59 Arbeiten aus, um sogenannte DALY (Disability-Adjusted Life Years)-gewichtete β-Koeffizienten zu berechnen. Diese quantifizieren die durch einzelne Risikofaktoren verursachte kombinierte Krankheitslast. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Koeffizienten im Anschluss normalisiert.

17 Risikofaktoren mit krankheitsübergreifender Relevanz identifiziert

Insgesamt wurden 17 modifizierbare Risikofaktoren identifiziert, die mit mindestens zwei der drei Erkrankungen assoziiert waren. Die DALY-gewichtete Analyse ergab eine differenzierte Rangordnung ihres Einflusses auf das kombinierte Risiko:

  • Stärkster Risikofaktor: Hypertonie (β: 130).
  • Weitere relevante Faktoren: eingeschränkte Nierenfunktion (101), nüchtern gemessene Plasmaglukose (94), körperliche Inaktivität (−56), Rauchen (91), kognitive Freizeitaktivität (−91).
  • Psychosoziale Einflüsse: depressive Symptome (57), Stress (55), soziale Teilhabe (53), Lebenssinn (−50).
  • Ergänzende Risikofaktoren: Ernährung (51), Schlafqualität (76), Schmerzen (42), Alkoholkonsum (−34), Body-Mass-Index (70), Cholesterin (22) und Hörverlust (60).

Ein negativer β-Koeffizient weist auf einen protektiven Effekt hin, ein positiver auf ein erhöhtes Risiko.

Vaskuläre und metabolische Faktoren dominieren das gemeinsame Risiko

Die Ergebnisse der Analyse unterstreichen die Bedeutung kardiometabolischer Faktoren, insbesondere von Hypertonie, Nierenfunktionsstörungen und gestörter Glukoseregulation, als gemeinsame Risikotreiber neuropsychiatrischer Erkrankungen. Dieser integrierte Ansatz geht über bisherige Einzelanalysen hinaus und ermöglicht einen umfassenderen Blick auf Prävention und Risikomanagement.

Demgegenüber waren nicht-pharmakologische Maßnahmen wie körperliche Aktivität und soziale Teilhabe konsistent mit einem reduzierten Risiko assoziiert, wenngleich eine kausale Interpretation aufgrund methodischer Limitationen zurückhaltend zu bewerten ist.

Weitere Forschung ist erforderlich, um die Kausalität einzelner Assoziationen zu prüfen, insbesondere im Bereich psychosozialer Einflussgrößen. Ein nächster konsequenter Schritt wäre die Entwicklung validierter klinischer Scores zur praktischen Anwendung dieser Erkenntnisse.

Autor:
Stand:
07.05.2025
Quelle:

Senff, J. et al. (2025): Modifiable Risk Factors for Stroke, Dementia, and Late-Life Depression: A Systematic Review and DALY Weighted Risk Factors for a Composite Outcome. Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry, DOI: 10.1136/jnnp-2024-3344925.

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