Hintergrund
In einer aktuellen Drug Safety Mail weist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) auf ein mögliches Risiko im Zusammenhang mit Statinen und Myasthenia gravis (MG) hin. Laut der britischen Arzneimittelbehörde (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency, MHRA) können Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Rosuvastatin und Simvastatin eine Myasthenia gravis (MG) auslösen oder eine bestehende MG oder okuläre Myasthenie verschlechtern [1].
Myasthenia gravis ist eine seltene autoimmun vermittelte neuromuskuläre Erkrankung, die sich durch fluktuierende Muskelschwäche (zum Beispiel der Augen-, Gesichts- oder Extremitätenmuskulatur), Doppelbilder, Sprechstörungen und Kurzatmigkeit äußert. Statine werden zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen sowie zur Primär- und Sekundärprävention von kardiovaskulären Ereignissen angewandt.
Statine und Myasthenia gravis: Fallberichte aus Großbritannien
In Fallberichten aus Großbritannien erholten sich die Betroffenen in den meisten Fällen nach dem Absetzen des Statins. Bei einem kleinen Prozentsatz hielten die Symptome jedoch an. Die Beschwerden traten innerhalb eines Zeitraums von wenigen Tagen bis zu drei Monaten nach Beginn der Statinbehandlung auf.
Die AkdÄ und MHRA geben folgende Empfehlungen:
- Personen mit bereits bestehender MG sollten bei Anwendung eines Statins darauf hingewiesen werden, auf eine Verschlechterung ihrer Symptome achten.
- Im Fall einer Verschlimmerung der Beschwerden wird empfohlen, die Einnahme zu beenden.
Noch ist unklar, ob bestimmte Statine, die Dauer der Anwendung oder unterschiedliche Dosierungen das Risiko beeinflussen. Auch über die Häufigkeit gibt es derzeit keine Daten.
Empfehlungen zur Sicherheitsinformation
Im Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) wurde bereits im Januar über ein potenzielles Risiko der Auslösung oder Verschlimmerung einer MG oder okulären Myasthenie diskutiert und empfohlen, diese Sicherheitsinformation in die Fachinformationen von Statin-haltigen Arzneimitteln (einschließlich Fixkombinationen) aufzunehmen.





