Gestiegene Patentanmeldungen bei Tumorerkrankungen

Im Bereich der Tumorbekämpfung ist die Entwicklung neuer Strategien immer noch unerlässlich. Das EPA hat nun untersucht, wie sich die Anzahl der Patentanmeldungen in diesem Bereich in den letzten Jahren und Jahrzehnten weltweit entwickelt hat.

Statisitik

Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) ist in Deutschland im Jahr 2020 bei 231.400 Frauen und 261.800 Männern eine Krebserkrankung diagnostiziert worden. Etwa die Hälfte der Fälle betrafen die Brustdrüse, die Prostata, den Dickdarm oder die Lunge. Gleichzeitig starben im selben Jahr 230.223 Menschen an einer Tumorerkrankung. Nicht berücksichtigt wurden dabei die nicht-melanotischen Hautkrebsformen, da sie trotz ihrer Häufigkeit (ca. 260.000 Neuerkrankungen jährlich in Deutschland) nur minimal zur Krebs¬sterb¬lichkeit beitragen [1].

Neue Entwicklungen in der Krebstherapie

Diese Zahlen machen klar, dass die Entwicklung neuer Strategien in der Krebsbekämpfung nach wie vor unerlässlich ist. Mittlerweile werden neben den klassischen Therapieoptionen viele neue Wege beschritten, zu denen z. B. die Immuntherapie, die Gentherapie und auch digitale Technologien wie die künstliche Intelligenz (KI) gehören. Digitale Technologien sollen v. a. helfen, präzisere und individuellere Ansätze für die Behandlung und ein besseres Verständnis der genetischen und molekularen Grundlagen von Krebs zu finden. Das wiederum kann zur Identifizierung von neuen Biomarkern für die Früherkennung der Krankheit beitragen.

Anstieg der Patentanmeldungen zwischen 2015 und 2021

Patente spielen bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in diagnostische und therapeutische Ansätze eine wichtige Rolle. Sie bieten Anreize für Innovationen, schützen die Rechte von Erfindern und gewährleisten, dass Erfindungen kommerziell genutzt werden. Wie eine aktuelle Studie des Europäischen Patentamts EPA jetzt zeigte, ist die Anzahl der Patentanmeldung zur Krebsbekämpfung von 2015 bis 2021 um 70% gestiegen [2,3]. Dieser rasante Anstieg wird angetrieben durch Fortschritte in der Biotechnologie, der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), erhöhte Investitionen, internationale Zusammenarbeit und regulatorische Anreize.

Patentanmeldungen zur Krebsbekämpfung im Detail

Seit den 1970er Jahren wurden weltweit insgesamt über 140.000 Erfindungen zur Krebsbekämpfung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Anzahl der internationalen Patentfamilien (IPF) machten im Bereich Krebs im Jahr 2021 über 3% der weltweiten Patentanmeldungen aus. Die USA sind dabei weltweit führend. Zwischen 2002 und 2021 kamen fast 50% der IPF aus den USA.

Auf den zweiten Platz schafften es mit 18% die 27 EU-Mitgliedsstaaten, gefolgt von Japan mit 9%. China ist mittlerweile stark am Aufholen und schaffte es im Jahr 2021 auf über 2.000 IPF, was ihnen 2021 den zweiten Platz einbrachte. Innerhalb der europäischen Länder konnte Deutschland seine Führungsposition behaupten (9.000 IPF zwischen 2002 und 2021). Jedoch ist die Anzahl der jährlichen IPF von Deutschland leicht rückgängig, wohingegen das Vereinigte Königreich im letzten Jahrzehnt seine IPF verdoppeln konnte und nur noch knapp hinter Deutschland liegt.

Fast jede dritte Patentanmeldung generierten Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen. Bei den wichtigsten Anmeldungen von Unternehmen zeigt sich ein starker Rückgang der jährlichen Zahl der angemeldeten IPF nach 2007 und eine Stagnation im letzten Jahrzehnt. Das bedeutet, dass Pharmaunternehmen zunehmend auf fundierte präklinische Forschung angewiesen sind, die von Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen stammt.

Welche Konzerne haben die Nase vorne?

Im Zeitraum 2017 bis 2021 gehörten zu den zehn Top-Anmeldern aus der Wirtschaft fünf europäische, zwei japanische und drei US-amerikanische Firmen. Auf Platz eins findet sich der Schweizer Konzern Roche, gefolgt von Philips (NL) und Johnson&Johnson (USA). Die meisten Patente der Firmen konzentrieren sich dabei auf die Krebsbehandlung, aber auch Patente im Bereich der Krebsdiagnostik (z. B. von Philips, Fujifilm und Siemens) gehören dazu. In einigen Bereichen wie der Immuntherapie bestehen die Portfolios der Top-Anmelder bis zu 30 % aus IPF, die durch die Übernahme von Biotech-Start-ups erworben wurden [3].

Autor:
Stand:
19.02.2024
Quelle:
  1. Zentrum für Krebsregisterdaten: Krebs gesamt. Aufgerufen am 10.02.2024.
  2. Europäisches Patentamt: Patents and innovation against cancer. Evidence from patent and company data. Aufgerufen am 10.02.2024.
  3. Europäisches Patentamt: Patente und Innovation gegen Krebs Erkenntnisse aus Patent- und Unternehmensdaten, Hauptergebnisse. Aufgerufen am 10.02.2024.
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