CAR T-cell Meeting 2025: Erkenntnisse aus Real-World-Analysen

CAR-T-Zelltherapien haben in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Real-World-Daten liefern nun weitere Erkenntnisse für die Anwendung in der klinischen Praxis und zeigen, welche Patienten von der Therapie profitieren können.

Onkologe und Patient

CAR-T-Zelltherapien haben die Behandlung von Patienten mit rezidivierten oder refraktären (R/R) B-Zell-Lymphomen revolutioniert. Während klinische Studien den hohen Nutzen dieser innovativen Therapieform belegen konnten, liefern Real-World-Daten (RWD) wertvolle Einblicke in die Wirksamkeit und Sicherheit der CAR-T-Zelltherapie in der klinischen Praxis. Auf dem diesjährigen European CAR T-cell Meeting stellte Prof. Roch Houot aktuelle RWD-Analysen vor und diskutierte deren Bedeutung für die Patientenversorgung.

Bestätigung der Wirksamkeit aus Studien in der Praxis?

Klinische Studien zeigen, dass CAR-T-Zellen eine langfristige Krankheitskontrolle ermöglichen. Doch lassen sich diese Ergebnisse auf größere Patientenkollektive übertragen? RWD-Analysen zeigen, dass die Überlebensraten und das progressionsfreie Überleben von Patienten, die mit Axicabtagen-Ciloleucel (Axi-cel) oder Lisocabtagen Maraleucel (Liso-cel) behandelt wurden, mit denen aus klinischen Studien vergleichbar sind. Eine Analyse des CIBMTR-Registers mit einer Nachbeobachtungszeit von 12 Monaten ergab eine ereignisfreie Überlebensrate (EFS [event-free survival]) von 53 % für Patienten mit R/R diffus großzelligem B-Zell-Lymphom, die mit Axi-cel behandelt wurden.

Diese Ergebnisse stimmen mit denen der ZUMA-7-Studie überein. Subgruppenanalysen zeigten zudem, dass Patienten, die für ZUMA-7 nicht infrage gekommen wären, eine 12-Monats-EFS von 48 % aufwiesen – ein Hinweis darauf, dass auch ältere oder komorbide Patienten profitieren können.

CAR-T-Zelltherapie bei älteren Patienten – ein Hindernis?

Ein häufig diskutierter Aspekt ist die Therapie von Patienten, die älter als 75 Jahre sind. Daten aus dem DESCAR-T-Register zeigen, dass das Alter allein kein Ausschlusskriterium für eine erfolgreiche CAR-T-Therapie sein muss. Das mediane Gesamtüberleben (OS [overall survival]) betrug bei Patienten ≥75 Jahre 19,8 Monate (Axi-cel) bzw. 21,4 Monate für Tisagenlecleucel (Tisa-cel) und ist vergleichbar mit dem OS jüngerer Patienten. Dies unterstreicht, dass nicht das chronologische Alter, sondern die biologische Fitness ausschlaggebend für die Therapieentscheidung ist.

Sicherheit und Verträglichkeit in der klinischen Praxis

Die Sicherheitsdaten aus den RWD-Analysen zeigen, dass das Nebenwirkungsprofil der CAR-T-Zelltherapie mit den klinischen Studien übereinstimmt. Bei Patienten, die mit Axi-cel behandelt wurden, trat in 87 % der Fälle ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS [cytokine release syndrome]) auf, wobei 5 % der Patienten eine CRS-Toxizität ≥ Grad 3 entwickelten.

Die Inzidenz von ICANS (Immuneffektorzell-assoziiertes Neurotoxizitätssyndrom) entsprach ebenfalls den Erwartungen: 50 % für alle Grade und 22 % für Grad ≥3. Unterschiede zwischen den CAR-T-Produkten hinsichtlich der Inzidenz von ICANS sollten jedoch weiter untersucht werden.

CAR-T-Zelltherapie bei HIV-Patienten - ein neuer Therapieansatz?

In einer Subgruppenanalyse wurden HIV-Patienten untersucht, die bisher von klinischen Studien ausgeschlossen waren. Die 12-Monats-OS für HIV-positive Patienten lag bei 55 %, wobei 10 von 24 Patienten verstarben, davon acht aufgrund eines Krankheitsprogresses. Diese Daten zeigen, dass CAR-T-Zelltherapien auch für HIV-positive Patienten eine Option sein können, sofern eine sorgfältige Patientenselektion erfolgt.

Unabhängige Real-World-Vergleiche zwischen CAR-T-Produkten

In mehreren retrospektiven Analysen wurden Axi-cel und Liso-cel in der klinischen Praxis verglichen. Eine Studie des Dana-Farber Cancer Institute ergab ein medianes progressionsfreies Überleben von 12 Monaten für Axi-cel gegenüber 3,5 Monaten für Tisa-cel. Andere Zentren fanden keine signifikanten Unterschiede. Methodische Unterschiede in der Patientenauswahl und der Nachbeobachtungszeit könnten einen direkten Vergleich erschweren.

Herstellungs- und Lieferzeiten als kritischer Faktor

Neben Wirksamkeit und Sicherheit spielt die Produktionszeit eine entscheidende Rolle für den Therapieerfolg. Daten des Dana-Farber Cancer Institute zeigen, dass Axi-cel eine mediane Zeit von 57 Tagen von der Überweisung bis zur Infusion aufweist, während Liso-cel 81 Tage benötigt. Eine kürzere Produktionszeit kann insbesondere für Patienten mit aggressiver Erkrankung oder hoher Tumorlast von Vorteil sein.

Bedeutung für Therapieentscheidungen und zukünftige Forschungsansätze

Die präsentierten Real-World-Daten bestätigen die Wirksamkeit und Sicherheit der CAR-T-Zelltherapie in einer breiten Patientenpopulation, einschließlich älterer oder komorbider Patienten sowie HIV-positiver Patienten. Eine frühzeitige Therapieentscheidung ist entscheidend, um Patienten eine potenziell heilende Behandlung zu ermöglichen. Zukünftige Studien sollten Biomarker zur Vorhersage des Therapieansprechens identifizieren und Strategien zur weiteren Optimierung des Therapiemanagements entwickeln.

Autor:
Stand:
18.02.2025
Quelle:

Houot R. et al: „CAR T in practice: insights and implications from real-world data“, European CAR T-cell Meeting der European Hematology Association (EHA) und der European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT), Strasburg, 07. Februar 2025.

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