Diabetes mellitus bei Langzeit-Krebsüberlebenden häufiger
Diabetes mellitus (DM) ist mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Darmkrebs verbunden. Zudem wird berichtet, dass bis zu einem Drittel der Krebsüberlebenden an DM leiden, wobei die Prävalenz bei Krebsüberlebenden höher zu sein scheint als in der Allgemeinbevölkerung.
DM kann das Überleben bei Krebs beeinträchtigen, indem es die Metastasierung fördert und eine Therapieresistenz verursacht, was die krebsbedingte Sterblichkeit erhöht. Frühere Studien zu DM bei Krebsüberlebenden waren oft durch kleine Stichprobengrößen oder kurze Nachbeobachtungszeiten begrenzt, und der Zusammenhang von DM mit der Mortalität bei Langzeitüberlebenden von Krebs (LTCS) war bisher wenig erforscht.
Untersuchung zur Diabetes-Prävalenz und zum Einfluss auf die Mortalität
Wissenschaftler verglichen in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie die von LTCS berichtete Prävalenz von DM mit von nicht an Krebs erkrankten Kontrollpersonen, um abzuschätzen, ob und in welchem Ausmaß DM bei LTCS mit der Gesamtmortalität assoziiert war. Das deutsche Forscherteam um Erstautor Keyi Yang vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und von der Universität Heidelberg veröffentlichte die Ergebnisse im Journal of Internal Medicine [3].
Die Studienkohorte umfasste 6.952 LTCS im durchschnittlichen Alter von 69,0 Jahren, bei denen im Mittel 8,0 Jahre zuvor (1994 bis 2004) Brust-, Darm- oder Prostatakrebs diagnostiziert worden war. Die Beobachtungsphase umfasste die Jahre 2008 bis 2011 (Rekrutierung/Baseline) bis 2019. Als Kontrollen dienten 1.828 Personen ohne Krebs mit einem durchschnittlichen Alter von 61,1 Jahren.
Die Wissenschaftler griffen auf Daten aus den beiden populationsbasierten Studien "Cancer Survivorship – A Multi-regional Population-Based Study" (CAESAR) und "Lebensqualität in Deutschland" (LinDE) zurück.
Keine höhere Diabetes-Prävalenz bei Langzeit-Krebsüberlebenden
Insgesamt 962 (13,8%) LTCS berichteten zu Studienbeginn über DM. Die Prävalenz von DM bei LTCS war mit der Lokalisation des Krebses, einem höheren Alter, einer geringeren Bildung, einer höheren sozioökonomischen Deprivation, einem höheren Body-Mass-Index, körperlicher Inaktivität und einer höheren Zahl an Komorbiditäten assoziiert.
Die Prävalenz von DM bei LTCS war nicht höher als bei krebsfreien Kontrollen, sowohl zu Studienbeginn (10,1% vs. 12,3%; Odds Ratio [OR] = 0,80) als auch zum Nachbeobachtungszeitpunkt (10,9% vs. 12,8%; OR = 0,83).
In Subgruppenanalysen nach Tumorlokalisation, Alter und Geschlecht wurde für die meisten Subgruppen kein signifikanter Unterschied in der DM-Prävalenz zu Studienbeginn gefunden. Ein statistisch signifikanter Unterschied in der DM-Prävalenz wurde beim Vergleich von LTCS mit Prostatakrebs mit männlichen Kontrollen (11,6% vs. 15,0%; OR = 0,74) und LTCS im Alter von 60 bis 69 Jahren mit Kontrollen derselben Altersgruppe (9,8% vs. 13,7%; OR = 0,68) beobachtet.
In den Subgruppenanalysen wurde kein statistisch signifikanter Unterschied in der DM-Prävalenz zwischen LTCS und Kontrollpersonen zum Zeitpunkt der Nachbeobachtung gefunden.
Diabetes mit höherer Gesamtmortalität assoziiert
Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 10,2 Jahre seit Studienbeginn. Dies entsprach 52.809,4 Personenjahren für Krebsüberlebende ohne DM und 7.470,6 Personenjahren für Krebsüberlebende mit DM. Von der Baseline bis zum Ende der Nachbeobachtung waren 473 LTCS mit DM und 1.870 ohne DM verstorben (63,3 vs. 35,4 pro 1.000 Personenjahre).
Die Gesamtmortalität von LTCS mit prävalenter DM zu Studienbeginn war höher als die von LTCS ohne DM (adjustierte Hazard Ratio = 1,29). In Subgruppenanalysen war DM signifikant mit einer höheren Mortalität bei Überlebenden mit Brust- (52,2 vs. 25,6), Prostata- (70,8 vs. 47,0) und Darmkrebs (66,8 vs. 39,9), im Alter von 60 bis 80 Jahren, sowie bei Männern (70,0 vs. 47,0) und Frauen (54,6 vs. 26,4 pro 1.000 Personenjahre) assoziiert.
Gutes Diabetesmanagement wichtig für Krebsüberlebende
DM trat bei LTCS häufig auf, resümierten die Studienautoren, jedoch nicht häufiger als bei den krebsfreien Kontrollpersonen. Krebsüberlebende mit gleichzeitiger DM hatten ein potenziell höheres Sterberisiko. Dies sollte nicht als Hinweis auf ein geringeres Risiko für DM bei Krebsüberlebenden interpretiert werden, betonten die Forscher. Vielmehr hoben sie die potenziell schlechte Prognose bei Krebsüberlebenden mit DM hervor. Für LTCS sei es daher unerlässlich, langfristig ein gutes DM- und Hyperglykämiemanagement aufrechtzuerhalten.







