ASCO GI 2025: Magenkarzinom mit Metastasen nur im Peritoneum: Chemo auch intraperitoneal!

Peritonealmetastasen gehen beim Magenkarzinom mit einem hohen Rezidivrisiko einher und sprechen unzureichend auf Chemo- und Immuntherapien an. Eine wirksame Therapie der Metastasen könnte im Einzelfall die Resektabilität und damit die Prognose verbessern.

Magenkarzinom

In der RENAISSANCE-Studie hatte allerdings eine OP bei herkömmlicher Chemotherapie des Magenkarzinoms und alleiniger Peritonealkarzinose nach dem FLOT6-Schema mit oder ohne Immuntherapie oder Trastuzumab die Prognose verschlechtert, berichtete Professorin Dr. Maheswari Senthil von der Universitätsklinik von Kalifornien in Irvine anlässlich des ASCO Gastrointestinal Cancers Symposium 2024 in San Francisco. Das liegt an der Biologie dieser Metastasen, erläuterte die Chirurgin: Eine Kollagenfaserplatte bildet zwischen Blutbahn und Peritoneum eine Barriere, die eine ausreichend hohe, wirksame Konzentration der systemischen Therapeutika am Ort der Metastasierung verhindert. 

Intraperitoneale Chemotherapie 

Die intraperitoneale Gabe von Paclitaxel kann länger hohe Konzentration des Zytostatikums an den Metastasen ermöglichen, da diese Barriere auch den Eintritt des Wirkstoffs vom Peritoneum in die Blutbahn behindert. Es gibt drei Ansätze für die intraperitoneale Chemotherapie: die HIPEC (hypertherme intraperitoneale Chemotherapie), die PIPAC (pressurized intraperitoneal aerosol chemotherapy) und die NIPEC (normotherme intraperitoneale Chemotherapie). Letztere kann auch ambulant über einen Port erfolgen. 

DRAGON-01-Studie

In der in China durchgeführten Phase-III-Studie DRAGON-01 führte die intraperitoneale und intravenöse Gabe von Paclitaxel kombiniert mit einer Chemotherapie mit S-1 (Tegafur/Gimeracil/Oteracil)zu einem signifikanten besseren Gesamtüberleben (engl. overall survival, OS) von Patienten mit Magenkarzinom und alleiniger peritonealer Metastasierung als eine Therapie nur mit intravenösem Paclitaxel plus S-1, berichtete Professor Dr. Chao Yan vom Ruijin Hospital der Shanghai Jiao Tong Universitätsklinik. 148 Betroffene hatten eine NIPEC mit Paclitaxel zusätzlich zur Chemotherapie mit Paclitaxel und S-1 erhalten, 74 nur Paclitaxel und S-1 intravenös. In der NIPEC-Gruppe war häufiger eine Konversions-OP möglich als in der Kontrollgruppe (50,7 % vs. 35,1 %) und es wurde öfter eine R0-Resektion erreicht (35,5 % vs. 20,9 %). Nach der OP wurde die NIPEC noch fortgesetzt. 

OS-Vorteil mit NIPEC

Das mediane OS betrug mit NIPEC 19,4 Monate, ohne 13,9 Monate (Hazard Ratio [HR] 0,66; 95 % Konfidenzintervall [KI] 0,49–0,88; p=0,005). Die 2-Jahres-OS-Raten betrugen in den beiden Gruppen 37,2 % und 20,3 %. Die Toxizität der Therapie war in beiden Studienarmen vergleichbar, behandlungsbedingte Todesfälle traten nicht auf. Die OS-Ergebnisse reichen damit das heran, was maximal in anderen Studien mit Kombinationen von Immun- und Chemotherapie erreicht wurde, erläuterte Diskutantin Senthil.

PRECISE-SG1-Studie 

Retrospektiv analysierte Professorin Dr. Evelyn Yi Ting Wong vom Nationalen Krebszentrum in Singapur, die Ergebnisse der Therapie von 34 Patienten mit Magenkarzinom und Peritonealkarzinose mit bidirektionaler Chemotherapie. In diesem Fall erfolgte eine HIPEC mit Paclitaxel zusätzlich zur intravenösen Chemotherapie mit Paclitaxel und Titaniumsilikat-1(TS-1), Oxaliplatin plus Capecitabin oder Oxaliplatin plus TS-1. Eine zusätzliche Therapie mit Trastuzumab oder Nivolumab war erlaubt. Das mediane OS betrug in der Gesamtkohorte 17,5 Monate und lag bei denjenigen, bei denen eine Konversions-OP möglich war, bei 26,0 Monaten und bei den übrigen bei 14,6 Monaten. Die bidirektionale Therapie wurde auch in diesem Falle gut toleriert. 

Ausblick 

Senthil betonte in ihrer Diskussion, dass die Studien die Machbarkeit der bidirektionalen Therapie demonstrieren. Die intraperitoneale Chemotherapie verbessert klar die peritoneale Krankheitskontrolle. Bei selektierten Patienten ist in der Folge eine chirurgische Therapie möglich, die das OS möglicherweise verlängern kann. Für eine breite Implementierung der bidirektionalen Chemotherapie beim Magenkarzinom mit auf das Peritoneum beschränkter Metastasierung müssen die Ergebnisse in prospektiven klinischen Studien mit nicht-asiatischen Populationen bestätigt werden, forderte sie.

Autor:
Stand:
31.01.2025
Quelle:
  1. Prof. Dr. Maheswari Senthil: „Gastric Peritoneal Carcinomatosis: Role of bidirectional Therapy“, ASCO Gastrointestinal Cancers Symposium 2025, San Francisco und online, 23.-25. Januar 2025. Discussion 1, Oral Abstract Session A: Cancers of the Esophagus and Stomach.
  2. Al Batran SE et al. (2017): The RENAISSANCE (AIO-FLOT5) trial: effect of chemotherapy alone vs. chemotherapy followed by surgical resection on survival and quality of life in patients with limited-metastatic adenocarcinoma of the stomach or esophagogastric junction - a phase III trial of the German AIO/CAO-V/CAOGI. BMC Cancer. DOI: 10.1186/s12885-017-3918-9 
  3. Prof. Dr. Chao Yan: „Intraperitoneal and intravenous paclitaxel plus S-1 versus intravenous paclitaxel plus S-1 in gastric cancer patients with peritoneal metastasis: Results from the multicenter, randomized, phase 3 DRAGON-01 trial“, ASCO Gastrointestinal Cancers Symposium 2025, San Francisco und online, 23.-25. Januar 2025. #327
  4. Prof. Dr. Evelyn Yi Ting Wong: Outcomes of patients with peritoneal-limited metastatic gastric cancer (PLGC) undergoing bidirectional (BD) chemotherapy cytoreductive surgery (CRS) with heated intraperitoneal chemotherapy (HIPEC). 
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