Metabolisches Syndrom als Risikofaktor für Lungenkrebs

Das metabolische Syndrom ist mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs verbunden, insbesondere bei Frauen. Das Risiko ist umso höher, je mehr Stoffwechselstörungen bestehen.

Metabolisches Syndrom

Das metabolische Syndrom (MetS) ist ein zunehmend häufiges Syndrom, das als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes identifiziert wurde. Es beschreibt ein Cluster verschiedener Symptome und Erkrankungen, darunter Hypertonie, Dyslipoproteinämie, abdominale Adipositas und Insulinresistenz. Eine Forschungsgruppe aus China untersuchte nun, ob MetS auch das Risiko für Lungenkrebs erhöht und ob eine Modifikation durch Geschlecht, Raucherstatus und Medikamenteneinnahme besteht. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift 'Chest' veröffentlicht [1].

Daten von mehr als 330.000 Personen ausgewertet

Die bevölkerungsbasierte, prospektive Kohortenstudie umfasste Daten von mehr als einer halben Million Frauen und Männer im Alter von 37 bis 73 Jahren, die zwischen 2006 und 2010 aus 22 Bewertungszentren in England, Schottland und Wales rekrutiert wurden. Von den über 331.000 Teilnehmenden hatten 77.173 bei Studienbeginn ein metabolisches Syndrom. Alle Probanden wurden über einen Zeitraum von durchschnittlich 10,9 Jahren hinsichtlich des Auftretens von Krebserkrankungen beobachtet.

Die Forschenden teilten die Patienten in Kohorten mit und ohne metabolisches Syndrom ein; beide Gruppen wiesen ähnliche demografische Merkmale in Bezug auf Alter, Geschlecht, Rasse und Raucherstatus auf. Signifikant höhere Anteile von Personen mit bzw. ohne MetS wurden in Untergruppen mit Adipositas (60% bzw. 13%), Bluthochdruck (39% bzw. 18%) und lipidsenkenden Arzneimitteln (31% bzw. 14%) festgestellt.

Je mehr Stoffwechselstörungen, umso höher das Lungenkrebsrisiko

Während der Nachbeobachtungszeit erkrankten 2.425 der Teilnehmenden an Lungenkrebs (mit der Lunge als primärem Krebsherd), wobei sich MetS als statistisch signifikanter Risikofaktor erwies.

Die für MetS und das Lungenkrebsrisiko ermittelten Hazard Ratios (HRs) waren wie folgt:

Die HRs stiegen mit der Anzahl der metabolischen Anomalien von 1,11 auf etwa 1,4 bis 1,5 für diejenigen mit einer bis fünf Stoffwechselstörungen.

Das Lungenkrebsrisiko als Folge von MetS war vor allem bei Rauchern erhöht, wenngleich der modifizierende Effekt des Tabakkonsums statistisch nicht signifikant war. Außerdem wurde ein nicht linearer Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und niedrigem High-Density-Lipoprotein-Cholesterin (HDL-C), erhöhtem Taillenumfang und Hyperglykämie festgestellt.

Des Weiteren zeigte sich, dass Frauen mit metabolischem Syndrom ein höheres Risiko für Lungenkrebs hatten als Männer (p=0,031).

Metabolischer Status und Stoffwechselmarker in der Lungenkrebsprävention

Die Studie ergab eine statistisch signifikante Assoziation zwischen metabolischem Syndrom und dem Risiko für Lungenkrebs, insbesondere bei Frauen. Die Hazard Ratios für das Gesamtrisiko von Lungenkrebs sowie für Adeno- und Plattenepithelkarzinome waren erhöht und korrelierten mit der Anzahl der metabolischen Abnormalitäten. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen, wie wichtig es ist, den metabolischen Status und die Stoffwechselmarker bei der Auswahl von Hochrisikopopulationen für die Lungenkrebsvorsorge zu berücksichtigen, und weisen auf eine neue Richtung der Lungenkrebsprävention hin.

Autor:
Stand:
25.03.2024
Quelle:

Li, M. et al. (2023): Association of metabolic syndrome with risk of lung cancer: A population-based prospective cohort study. Chest, DOI: 10.1016/j.chest.2023.08.003.

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