Retinale Arterienverschlüsse als Vorboten für kardiovaskuläre Ereignisse

Eine Studie untersuchte den kurz- und langfristigen Zusammenhang von retinalen Arterienverschlüssen mit vaskulären Erkrankungen. Vor allem langfristig konnte ein erhöhtes Risiko für die Betroffenen beobachtet - und begleitende Einflussfaktoren bestimmt werden.

Augenarzt

Das Ereignis eines retinalen Arterienverschlusses (RAV) kann durch Hypoperfusion oder Obstruktion durch einen Thrombus bedingt sein und ist somit hinsichtlich der mechanischen Pathophysiologie in Analogie zu einem zerebralen Schlaganfall zu betrachten.

RAV als Vorbote für vaskuläre Ereignisse

Obwohl die Assoziation zwischen dem Auftreten von RAVs und Schlaganfällen bekannt ist, gibt es keine einheitliche Richtlinie hinsichtlich präventiven Therapieansätzen um sekundäre vaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle und Herzinfarkte vorzubeugen.

Risikostratifizierung für Patienten mit RAV hinsichtlich vaskulärer Ereignisse

Eine Studie untersuchte retrospektiv das kurz- und langfristige Risiko für mehr als 34.000 Patienten mit RAV hinsichtlich des Eintretens von Schlaganfällen, Herzinfarkten und dem Tod. Die Ergebnisse der Kohorte wurden verglichen mit einer Kontrollgruppe von Personen mit Katarakt, welche angesichts des Geschlechterverhältnisses, der Komorbiditäten Diabetes, Bluthochdruck sowie Hyperlipidämie und des Raucherstatus aufeinander abgeglichen wurden. Primäre Endpunkte waren die Analyse der Kontrolluntersuchungen hinsichtlich des Eintretens der oben genannten Ereignisse. Diese wurden nach zwei Wochen, 30 Tagen, einem Jahr, fünf Jahren und zehn Jahren erhoben.

Vergleich mit Kontrollgruppe zeigte erhöhtes Risiko für Patienten mit RAV

Die Todesrate sowie das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte nach RAV waren zu allen Zeitpunkten höher als in der Kontrollgruppe. Insbesondere zwei Wochen nach RAV war das relative Risiko für vaskuläre Ereignisse höher als in der Kontrollkohorte. Es sei jedoch anzumerken, dass das absolute Risiko für die genannten Vorfälle dennoch gering war. Nach 10 Jahren verblieb das Risiko erhöht bei Patienten, die einen RAV erlitten hatten. Dies hebt die Relevanz von langfristigen kardiovaskulären Kontrollen für diese Patientengruppe hervor.

Zusätzliche Risikofaktoren konnten benannt werden

Das männliche Geschlecht konnte als Risikofaktor für das Eintreten von Tod, einem Schlaganfall und einem Herzinfarkt insbesondere ein Jahr nach Auftreten eines RAV identifiziert werden. Bluthochdruck und Diabetes erhöhten das Risiko für das Eintreten von Tod und vaskulären Ereignissen zu allen Zeitpunkten, während Hyperlipidämie und Rauchen verstärkt nach einem Jahr zu diesen Vorfällen führten. Modifizierung und Behandlung dieser Einflussfaktoren sowie frühzeitige Aufklärung der Patienten über ihren Risikostatus könnten die kardiovaskuläre Prävention nach RAV optimieren.

Studienmethode limitiert Aussagekraft der Forschungsergebnisse

Obwohl die Studie durch ihre hohe Teilnehmeranzahl an Aussagekraft gegenüber den bisher existierenden Arbeiten zu diesem Thema positiv heraussticht, haben Unterschiede in den Ergebnissen möglicherweise den Ursprung in der Forschungsmethodik. In dieser Studie war eine geringere Rate an kurzfristigen vaskulären Ereignissen als in vergleichbaren Studien beobachtet worden, was dadurch zu erklären wäre, dass in jenen Studien Komorbiditäten der Patienten nicht erfasst wurden, was zu einer Verzerrung im Vergleich der Ergebnisse geführt haben kann.

Außerdem ist die Wahl der Katarakt-Kontrollgruppe insofern als kritisch zu betrachten, da nicht bekannt ist, ob eine Katarakt Auswirkungen auf die untersuchten Folgeerkrankungen haben kann und den Vergleich möglicherweise beeinflusst haben könnte. Es gilt daher weiterhin zu untersuchen, welche Methoden der Datenerhebung und welche Einschlusskriterien idealerweise angewendet werden sollten, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.

Multidisziplinäre Behandlung für RAV-Patienten

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass eine multidisziplinäre Evaluation der RAV-Betroffenen sinnvoll wäre, um mit langfristigen Kontrolluntersuchungen und Behandlungen das Risiko für kardiovaskuläre Folgen zu minimieren.

Autor:
Stand:
20.11.2023
Quelle:

Wai et al. (2023): Risk of Stroke, Myocardial Infarction, and Death After Retinal Artery Occlusion. JAMA Ophthalmology, DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2023.4716

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: