Mit dem „Consensus on Science with Treatment Recommendations“ (CoSTR 2025) hat das International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) eine umfassende Aktualisierung der evidenzbasierten Empfehlungen zu pädiatrischen Reanimationsmaßnahmen vorgelegt.
Bewertung der Evidenz zu pädiatrischen Reanimationsmaßnahmen
Insgesamt wurden 39 Fragestellungen analysiert, darunter 22 systematische Übersichtsarbeiten. Die Evidenzbewertung erfolgte nach dem PICOST-Schema, wobei die zentralen Endpunkte Überleben, neurologisches Outcome und Wiedererlangen eines Spontankreislaufs (ROSC [return of spontaneous circulation]) priorisiert wurden.
In die Auswertung wurden randomisierte Studien, hochwertige nicht-randomisierte Studien sowie Fallserien eingeschlossen. Entwürfe aller Übersichtsarbeiten standen vorab zur öffentlichen Kommentierung bereit. Viele Empfehlungen beruhen auf klinischen Praxisempfehlungen, die trotz begrenzter Evidenz ausgesprochen werden, weil ein eindeutiger klinischer Handlungsbedarf besteht.
Management der Bradykardie mit hämodynamischer Beeinträchtigung
Bradykardie mit Zeichen der Minderperfusion ist ein häufiger Periarrestzustand bei Kindern. Von über 4.800 gescreenten Studien erfüllten lediglich 23 die Kriterien. Die Daten zeigen, dass Kinder mit bradykardem Rhythmus und vorhandenem Puls eine bessere Überlebenschance haben als Kinder ohne Puls.
ILCOR empfiehlt, bei persistierender Bradykardie trotz adäquater Oxygenierung und Ventilation frühzeitig mit der kardiopulmonalen Reanimation (CPR) zu beginnen. Die Empfehlungen zu Atropin, Epinephrin und transkutanem Pacing wurden aufgrund mangelnder Evidenz zurückgezogen.
Einsatz pädiatrischer Frühwarnscores
Pediatric Early Warning Scores (PEWS) helfen dabei, klinische Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen. Die Evidenz ist zwar heterogen, einige Studien zeigen jedoch eine Reduktion schwerer, unerwarteter Ereignisse. ILCOR spricht eine schwache Empfehlung für den Einsatz strukturierter Früherkennungs-Scores aus, um drohende Periarrest-Zustände schneller zu identifizieren.
Management von Kindern mit pulmonaler Hypertonie
Kinder mit pulmonaler Hypertonie haben ein hohes Risiko für eine rasche kardiorespiratorische Dekompensation. Die Evidenz basiert überwiegend auf Fallserien und wurde seit dem Scoping Review im Jahr 2024 nicht wesentlich erweitert. ILCOR empfiehlt, reversible Auslöser wie Hypoxie, Hyperkapnie, Azidose oder Hypotonie rasch zu korrigieren und Therapien wie die Inhalation von Stickstoffmonoxid oder Prostazyklin fortzuführen. Bei einem Herzstillstand soll unverzüglich eine CPR eingeleitet werden. In spezialisierten Zentren kann bei einer schweren Krise eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) oder eine extrakorporale kardiopulmonale Reanimation (ECPR) in Betracht gezogen werden.
Reanimation bei mechanischer Kreislaufunterstützung
Die Versorgung von Kindern mit mechanischen Kreislaufunterstützungssystemen (LVAD [left ventricular assist device]) ist mit Herausforderungen verbunden. Berichte zeigen jedoch, dass das Risiko einer Dislokation durch Thoraxkompressionen geringer ist als bisher angenommen. Eine verzögerte CPR verschlechtert das Ergebnis deutlich. ILCOR empfiehlt daher, bei akuter Perfusionsstörung oder Herzstillstand sofort mit Kompressionen zu beginnen und parallel dazu reversible Geräteprobleme zu prüfen.
Reihenfolge der Basismaßnahmen: ABC oder CAB?
Es besteht kein Konsens über die optimale Reihenfolge der Reanimationsmaßnahmen bei Kindern. Die Evidenz basiert ausschließlich auf Simulationsstudien mit Reanimationspuppen. Die Abkürzungen ABC und CAB beschreiben die Abfolge von Airway, Breathing und Circulation.
CAB ermöglicht einen schnelleren Beginn der Thoraxkompressionen, während ABC initial zu einer höheren alveolären Ventilation führt. Beide Vorgehensweisen gelten als akzeptabel, entscheidend sind zuverlässige Kompressionen und Ventilation bei möglichst kurzen Unterbrechungen. ILCOR betont daher insbesondere die Minimierung von Pausen in der Kompressionstätigkeit.
Atemwegsmanagement während der pädiatrischen Reanimation
Ein gesicherter Atemweg kann bei unzureichender Maskenbeatmung sinnvoll sein, sofern die erforderliche Expertise vorhanden ist. Nach der Platzierung eines Endotrachealtubus oder einer supraglottischen Atemwegshilfe empfiehlt ILCOR kontinuierliche Kompressionen mit etwa zehn Atemzügen pro Minute, orientiert an der altersgerechten Norm, und unter Vermeidung von Hypo- und Hyperventilation.
Defibrillationsparameter bei Kindern
Eine Analyse klinischer Beobachtungsstudien ergab keine signifikanten Unterschiede bezüglich ROSC oder Überleben bei initialen Schockdosen unter, über oder um 2 Joule pro kg Körpergewicht. ILCOR empfiehlt weiterhin 2 bis 4 J pro kg bei ventrikulärer Fibrillation (Kammerflimmern) oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie.
Für die Padplatzierung sprechen Daten von Erwachsenen und praktische Erwägungen für die anteroposteriore Position. Die Single-Shock-Strategie bleibt bestehen: Nach einem einzelnen Schock sollen sofort Kompressionen erfolgen, um die Hands-off-Zeiten zu minimieren.
Einsatzmöglichkeiten von ECPR
Für die extrakorporale kardiopulmonale Reanimation liegen bislang nur Beobachtungsdaten vor. Sie kann bei ausgewählten Kindern mit Herzstillstand, vor allem im Krankenhaus, in spezialisierten Zentren mit etablierten Protokollen in Betracht gezogen werden. Die Ergebnisse sind stark zentrenabhängig und insbesondere die neurologische Prognose bleibt trotz einzelner positiver Berichte unsicher.
Pulskontrolle während der Reanimation
Drei Studien zeigten, dass die manuelle Pulskontrolle eine geringe Sensitivität und Spezifität aufweist und häufig länger als zehn Sekunden dauert. ILCOR zieht daher diese Zeitvorgabe zurück. Wenn ein Kind nicht normal atmet und keine Lebenszeichen zeigt, soll umgehend mit der CPR begonnen werden.
Klinische Relevanz der CoSTR-Empfehlungen
Die Evidenzzusammenfassung der ILCOR verbessert die Versorgung von Kindern mit Kreislaufstillstand, indem sie klare und praxisnahe Empfehlungen liefert, die zentrale Lücken adressieren. Viele Aussagen basieren auf klinischen Praxisempfehlungen, die trotz begrenzter Datenlage eine sichere Entscheidungsfindung ermöglichen.










