Wirksamkeit von Analgetika bei akuter Otitis media

Ibuprofen und Paracetamol können jeweils in Monotherapie Placebo überlegen sein, wenn es um die Linderung von Ohrenschmerzen bei Kindern mit akuter Mittelohrentzündung geht. Die Evidenz ist allerdings begrenzt.

Kind Ohrenschmerzen

Die akute Mittelohrentzündung (akute Otitis media, englisch: acute otitis media, AOM) zählt zu den häufigen Infektionen im Kindesalter. Meistens geht ihr eine Virus‐Infektion im Bereich der oberen Atemwege voraus. Leitsymptom sind Ohrenschmerzen in der Kombination mit Fieber.

Bei einer unkomplizierten AOM sollen laut Leitlinien wie der DEGAM-Leitlinie „Ohrenschmerzen“ bei Kindern zur symptomatischen Behandlung Analgetika wie Paracetamol und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz kommen:

  • Paracetamol bis max. 60 mg/kgKG/d (3 bis 4x 10 bis 15 mg/kgKG/d)
  • Ibuprofen max. 20 bis 30 mg/kgKG/d (verteilt auf 3 bis 4 Gaben/d)

Auf die sofortige antibiotische Therapie soll verzichtet werden [1].

Evidenz der Wirksamkeit

Ein Autorenteam um die niederländische Ärztin Joline L. H. de Sévaux vom University Medical Center Utrecht prüfte im Rahmen eines aktuellen Reviews der Cochrane Collaboration, ob Schmerzmittel die Ohrenschmerzen bei Kindern mit AOM lindern können. Die Wissenschaftler wollten weiterhin herausfinden, ob die Arzneimittel in Mono- oder Kombinationstherapie wirksamer sind und wie NSAR im Vergleich zu Paracetamol abschneiden.

Es wurden insgesamt vier Studien eingeschlossen, in denen 411 Kinder Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren ambulant behandelt wurden. Die Autoren extrahierten daraus Daten für die folgenden Behandlungen: Paracetamol vs. Placebo, NSAR vs. Placebo, NSAR vs. Paracetamol und NSAR plus Paracetamol vs. Paracetamol allein.

Analgetika sind Placebo überlegen

In einer Studie wurde Paracetamol mit einem Placebo (148 Kinder) verglichen. Paracetamol linderte die Ohrenschmerzen nach 48 Stunden wirksamer als Placebo. Von den Kindern in der Placebo-Gruppe hatten 25% nach 48 Stunden noch Schmerzen, gegenüber nur 10% der Kinder in der Paracetamol‐Gruppe (Risikoverhältnis [RR] 0,38; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,17 bis 0,85).

Das NSAR Ibuprofen wurde in dieser Studie bei 146 Kindern gegen Placebo getestet. Von den Kindern in der Placebo-Gruppe hatten 25% nach 48 Stunden noch Schmerzen, gegenüber 7% in der Ibuprofen‐Gruppe (RR 0,28, 95%-KI: 0,11 bis 0,70).

NSARs versus Paracetamol

Die Evidenz zur Wirksamkeit von Ibuprofen im Vergleich zu Paracetamol erwies sich als sehr unsicher, obwohl die Daten aus allen vier Studien (411 Kinder) in diesen Vergleich einflossen.

Die Autoren untersuchten ferner die Wirksamkeit von Ibuprofen plus Paracetamol im Vergleich zu einer Monotherapie mit Paracetamol. Die Daten dafür stammten aus zwei Studien, die Subgruppendaten für 71 Kinder mit AOM lieferten. Daraus ließen sich nur ungenaue Schätzungen ableiten, sodass das Forscherteam keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen konnte.

Es ließen sich ebenso wenig sichere Aussagen zur fiebersenkenden Wirkung der Arzneimittel oder unerwünschten Ereignissen im Zusammenhang mit den Behandlungen machen.

Weiterer Forschungsbedarf

Die wenigen vorhandenen Studien schlossen nur eine begrenzte Anzahl Teilnehmer ein und das Risiko einer Verzerrung wurde teilweise als hoch bewertet. Weitere Forschung sei laut den Autoren erforderlich, um die Wirkung von Analgetika sowie anästhetischen Ohrentropfen bei Kindern mit AOM zu bewerten [2].

Autor:
Stand:
20.11.2023
Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (2014): DEGAM-Leitlinie Nr. 7 Ohrenschmerzen, AWMF-Registernr. 053/009
  2. de Sévaux et al. (2023): Paracetamol (acetaminophen) or non‐steroidal anti‐inflammatory drugs, alone or combined, for pain relief in acute otitis media in children. The Cochrane database of systematic reviews, DOI: 10.1002/14651858.CD011534.pub3
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: