Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) stellt weltweit eine bedeutende Ursache für Atemwegsinfektionen dar, insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie Neugeborenen, älteren Menschen, Personen mit Immunsuppression oder mit bestimmten Vorerkrankungen.
Die jüngste Zulassung von RSV-Impfstoffen durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) markiert einen wichtigen Fortschritt in der Prävention dieser Infektionen. Expertinnen und Experten von elf medizinischen Fachgesellschaften und Institutionen haben sich nun in einem gemeinsamen Positionspapier für die neuen RSV-Impfungen ausgesprochen und empfehlen abseits der zugelassenen Indikationen auch die Impfung besonders vulnerabler Gruppen.
RSV-Infektion: Risiko für vulnerable Gruppen
RSV-Infektionen sind in Bezug auf die Krankheitslast vergleichbar mit Influenza, wobei ältere und vorerkrankte Erwachsene ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen aufweisen. Im Gegensatz zum Grippevirus existiert jedoch kein Praxistest, weshalb der Erreger bei Erwachsenen nur selten nachgewiesen wird. Die saisonale Häufung der Infektionen im Winter und die steigende Inzidenz nach den COVID-19-Wellen unterstreichen die Dringlichkeit effektiver Präventionsmaßnahmen.
Die Behandlung von RSV-Infektionen erfolgt hauptsächlich supportiv. Während es für Kinder zugelassene Antikörper gibt, fehlt eine solche Therapie für Erwachsene. Bis vor Kurzem gab es zudem keine spezifischen Impfstoffe für diese Personengruppe.
Neue Entwicklungen bei RSV-Impfstoffen
Im Juni und August 2023 wurden zwei RSV-Impfstoffe, Arexvy von GlaxoSmithKline und Abrysvo von Pfizer, in der EU zugelassen. Beide basieren auf dem präfusionsstabilisierten F-Protein des Virus, wobei Arexvy zusätzlich ein Adjuvanz enthält.
Die Zulassungsstudien zeigten eine hohe Effektivität dieser Impfstoffe bei der Prävention von schweren RSV-assoziierten Atemwegsinfektionen bei Erwachsenen über 60 Jahren. RSV-assoziierte Erkrankungen der unteren Atemwege wurden bei geimpften Personen signifikant reduziert im Vergleich zu Placebo-Gruppen. Die Impfstoffe zeigten eine gute Verträglichkeit und Sicherheit, vergleichbar mit anderen respiratorischen Vakzinen.
Empfehlungen der Fachgesellschaften
Verschiedene Fachgesellschaften und Institutionen der Pneumologie, Inneren Medizin, Onkologie, Geriatrie und Infektiologie haben sich in einem gemeinsamen Positionspapier ganz klar für die neuen RSV-Impfungen bei älteren Erwachsenen ausgesprochen.
Aufgrund der aktuellen Studienlage sind Arexvy und Abrysvo derzeit für Personen ab 60 Jahren zugelassen. Die Experten empfehlen darüber hinaus jedoch nach individueller Beratung den Einsatz der Impfung auch bei Erwachsenen jeden Alters mit schweren pulmonalen oder kardiovaskulären Vorerkrankungen oder Immunsuppression.
Die Fachgesellschaften erklären, dass Menschen mit malignen hämatologischen Erkrankungen (z. B. Leukämie, Multiples Myelom), pulmonalen oder kardiovaskulären Vorerkrankungen und Immunsupprimierte (z.B. systemische Glukokortikoide, nach Transplantation, Immunglobulinmangel) besonders gefährdet sind, einen schweren Verlauf zu erleiden. Dazu zählen neben akuten, schweren Atemwegsinfektionen auch ein erhöhtes Risiko für nachfolgende kardiovaskuläre Ereignisse.
Bei schweren Vorerkrankungen, die mit einem hohen Risiko durch RSV-Infektionen verbunden sind, erscheine somit eine Schutzimpfung auch außerhalb der Zulassung bei Menschen unter 60 Jahren potenziell sinnvoll.
Breiter Einsatz der RSV-Impfstoffe kann Gesundheitssystem entlasten
Die Krankheitslast von RSV-Infektionen durch indirekte und verzögert auftretende schwere Komplikationen wird laut der Experten vielfach unterschätzt. Lebensbedrohliche Verläufe oberer Atemwegsinfektionen sind zwar selten, Morbidität und Mortalität sind bei aufgrund einer RSV-Pneumonie hospitalisierten Menschen jedoch vergleichbar mit Influenza- und Pneumokokken-Pneumonie.
„Ein breiter Einsatz [der neuen] Impfstoffe könnte in den am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen die direkte Krankheitslast deutlich reduzieren, individuelle Krankheitsverläufe mildern und dazu beitragen, die saisonale Belastung des Gesundheitssystems durch akute Atemwegsinfektionen zu reduzieren“, heißt es in dem Positionspapier.
STIKO-Empfehlung steht noch aus
Die Ständige Impfkommission (STIKO) bewertet aktuell die Datenlage zu den neuen RSV-Impfstoffen, eine Empfehlung steht noch aus. Daher müssen die Patienten die Kosten der RSV-Impfung derzeit selbst tragen. Eine Kostenübernahme kann aber individuell bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden.







