Luftverschmutzung stellt weltweit eine erhebliche gesundheitliche Belastung dar und wird mit zahlreichen respiratorischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Während der Zusammenhang mit Asthma und COPD gut dokumentiert ist, sind die Auswirkungen auf akute untere Atemwegsinfektionen bei Erwachsenen weniger erforscht. Diese Infektionen, zu denen Bronchitis und Pneumonie zählen, sind eine der Hauptursachen für Hospitalisierungen und Morbidität.
Eine neue Untersuchung, veröffentlicht in 'Environment International', analysierte nun die Langzeitwirkungen von Luftschadstoffen auf die Hospitalisierungsraten aufgrund schwerer unterer Atemwegsinfektionen in der erwachsenen Bevölkerung Kataloniens Spanien.
Luftschadstoffe und Hospitalisierungsraten im Vergleich – Daten aus 3,8 Millionen Fällen
Die prospektive Kohortenstudie umfasste Daten von 3,8 Millionen Erwachsenen aus Katalonien im Zeitraum von 2015 bis 2019. Forschende des Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) konzentrierten sich insbesondere auf die Exposition gegenüber Stickstoffdioxid (NO₂), Feinstaubpartikeln (PM2,5, PM10) und Ozon (O₃) und verglichen diese mit Krankenhausaufenthalten aufgrund unterer Atemwegsinfektionen. Besonders im Fokus stand die Frage, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen ein erhöhtes Risiko aufweisen.
Die individuelle Belastung durch Luftschadstoffe wurde anhand der Wohnadressen der Teilnehmenden berechnet. Statistische Modelle ermöglichten die Analyse der Assoziation zwischen Luftverschmutzung und Hospitalisierungsraten. Mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen (z. B. Hypertonie) flossen in die Berechnungen ein.
Höhere Schadstoffbelastung, höhere Hospitalisierungsrate
Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Korrelation zwischen langfristiger Luftverschmutzung und der Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten aufgrund unterer Atemwegsinfektionen. Je nach Schadstoffkonzentration ergab sich folgendes Muster:
- PM2,5: Ein Anstieg um eine Interquartilspanne war mit einem 10 % höheren Risiko für eine Hospitalisierung assoziiert.
- PM10: Eine erhöhte Konzentration führte zu einer 5 % höheren Hospitalisierungsrate.
- NO₂: Eine Zunahme des NO₂-Spiegels ging mit einem 8 % höheren Risiko für Krankenhausaufenthalte infolge unterer Atemwegsinfektionen einher.
- Ozon (O₃): Die stärkste Assoziation wurde mit Ozon beobachtet – mit einem 18 % erhöhten Risiko.
Besonders gefährdet waren Männer, Patienten mit Hypertonie und ältere Personen (über 65 Jahre). Obwohl ältere Erwachsene nur 24 % der Studienpopulation ausmachten, entfielen auf sie 79 % der Hospitalisierungen.
Stärkere Verbindung zu unteren Atemwegsinfektionen als zu Pneumonie oder Influenza
Die Ergebnisse bestätigen frühere Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Pneumonie-Hospitalisierungen zeigen. Auffällig ist, dass die Assoziation mit unteren Atemwegsinfektionen in der vorliegenden Analyse stärker ausgeprägt war als der Zusammenhang mit Pneumonie oder Influenza allein betrachtet.
Eine mögliche Erklärung könnte in der Schutzwirkung von Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken liegen, während ein vergleichbarer Schutz gegen andere Erreger wie das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) nicht besteht.
Gesundheitsrisiken trotz Einhaltung der EU-Grenzwerte
Die beobachteten Effekte traten selbst bei Schadstoffkonzentrationen auf, die unter den aktuellen EU-Grenzwerten lagen. Das unterstreicht die Notwendigkeit strengerer Luftqualitätsstandards. Zudem sollten Umweltfaktoren stärker in die Patientenbewertung einfließen. Besonders gefährdete Gruppen könnten gezielt durch präventive Maßnahmen wie Impfungen geschützt werden.
Zukünftige Forschung sollten darauf abzielen, die pathophysiologischen Mechanismen weiter aufzuklären und wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität zu entwickeln.









