Altersabhängige Besonderheiten bei rheumatoider Arthritis

Die rheumatoide Arthritis tritt häufig erstmals im höheren Lebensalter auf. Komorbiditäten, atypische Symptome und Polypharmazie erschweren die Versorgung und erfordern eine individuell angepasste Diagnostik und Therapie unter altersbedingten Aspekten.

Rheumatische Hand

Eine Erstmanifestation entzündlich-rheumatischer Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis (RA) ist grundsätzlich in jedem Lebensalter möglich. Besonders häufig manifestiert sich die RA jedoch erst im höheren Lebensalter. Die Diagnostik und Therapie dieser Patienten ist oft komplex und erfordert eine individualisierte Herangehensweise. Auf dem Internistenkongress 2025 in Wiesbaden erläuterte Prof. Dr. Uta Kiltz vom Rheumazentrum Ruhrgebiet, welche Besonderheiten bei der Versorgung älterer RA-Betroffener zu berücksichtigen sind.

Erkrankungsgipfel ab dem 65. Lebensjahr

Etwa ein Drittel der derzeit behandelten RA-Patienten erkrankt erst im Rentenalter. Der Häufigkeitsgipfel der Erstmanifestation liegt zwischen dem 65. und 80. Lebensjahr. Diese Zahlen verdeutlichen die zunehmende Bedeutung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen im geriatrischen Kontext. Die Versorgung älterer Patienten erfordert jedoch besondere Aufmerksamkeit, da sich sowohl die klinische Symptomatik als auch die Behandlungsbedingungen erheblich von denen jüngerer Patienten unterscheiden können.

Atypisches klinisches Bild bei älteren Patienten

Bei älteren Menschen beginnt die RA häufig abrupt und mit stärkeren Symptomen. Neben Gelenkschmerzen treten häufig auch systemische Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit und Myalgien auf. Auffällig ist zudem die häufigere Beteiligung großer Gelenke, während das typische symmetrische Befallsmuster weniger ausgeprägt sein kann. Diese Veränderungen erschweren die Abgrenzung gegenüber anderen Krankheitsbildern wie Arthrose, Verletzungen, degenerativen Veränderungen oder Kristallarthropathien.

In der Regel gelingt die differenzialdiagnostische Einordnung nur durch eine Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren wie Sonografie oder MRT.

Laborbefunde mit eingeschränkter Aussagekraft

Mit zunehmendem Alter ist auch die Interpretation labordiagnostischer Parameter erschwert. So sind serologische Marker wie der Rheumafaktor und Antikörper gegen cyclische citrullinierte Peptide (Anti-CCP-Antikörper) bei älteren Patienten häufiger positiv, auch ohne klare klinische Entsprechung. Entzündungsparameter wie das C-reaktive Protein (CRP) oder die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) können ebenfalls altersbedingt erhöht sein. Dies mindert die diagnostische Spezifität. Eine strukturierte rheumatologische Abklärung unter Einbeziehung der klinischen Gesamtsituation ist daher unerlässlich.

Therapieplanung im Alter: Komorbiditäten und funktionelle Einschränkungen

Bei älteren Patienten erfordert die Entscheidung für eine geeignete Therapie eine umfassende Berücksichtigung von Komorbiditäten. Häufig sind kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, Osteoporose oder chronische Nierenerkrankungen vorhanden. Zusätzlich muss eine bestehende Medikation berücksichtigt werden. Dabei sind Wechselwirkungen mit antirheumatischen Wirkstoffen ebenso zu berücksichtigen wie potenzielle Nebenwirkungen bei eingeschränkter Organfunktion.

Auch geriatrische Faktoren wie kognitive Einschränkungen, Mangelernährung oder Sturzneigung beeinflussen die Therapieadhärenz und sollten daher ebenfalls berücksichtigt werden. Laut Prof. Kiltz ist nicht allein das kalendarische Alter entscheidend, sondern vor allem das funktionelle und biologische Alter des Patienten.

Biologika-Einsatz auch im Alter möglich

Grundsätzlich stehen auch älteren RA-Patienten moderne Therapieoptionen, einschließlich Biologika, zur Verfügung. Entscheidend ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. In der Versorgungspraxis zeigt sich dennoch eine gewisse Zurückhaltung, älteren Patienten eine krankheitsmodifizierende Basistherapie zu verordnen. Eine solche Unterversorgung kann zu einer schlechteren Krankheitskontrolle, einem schnelleren Progress und irreversiblen Gelenkschäden führen.

Versorgungslücken durch Fachkräftemangel

Prof. Dr. Ulf Wagner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), betont die Relevanz einer frühen Diagnosestellung und einer individuell angepassten Therapie. Diese sollte im Idealfall interdisziplinär erfolgen. In der Realität fehlen jedoch vielerorts Fachärzte mit einer rheumatologischen Weiterbildung. Die DGRh weist seit Jahren auf diesen Mangel hin. Besonders betroffen sind ältere Patienten, die oft zu spät oder nicht leitliniengerecht behandelt werden.

Interdisziplinäre Therapie verbessert Lebensqualität im Alter

Die rheumatologische Versorgung älterer Patienten mit RA stellt hohe Anforderungen an Diagnostik und Therapie. Altersbedingte Veränderungen, Komorbiditäten und individuelle funktionelle Einschränkungen müssen differenziert berücksichtigt werden. Moderne Therapien sollten auch im Alter nicht pauschal ausgeschlossen, sondern individuell geprüft und eingesetzt werden. Entscheidend ist eine frühzeitige, interdisziplinär abgestimmte Therapie, die Lebensqualität erhält und Gelenkschäden vorbeugt.

Autor:
Stand:
11.07.2025
Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V., Pressemitteilung, 02. Juni 2025.

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