AxSpA: Häufig Resterkrankung bei Remission

Auch Patienten mit niedriger Krankheitsaktivität können durch Symptome im Rahmen einer Resterkrankung beeinträchtigt werden. Wie häufig diese Resterkrankung wirklich ist, zeigte kürzlich eine Querschnittsstudie.

Rheumatologe

Das Behandlungsziel bei Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) ist eine Remission oder alternativ niedrige Krankheitsaktivität. Diese Zustände werden definiert als ein Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score (ASDAS) von weniger als 1,3 bzw. 2,1. Dennoch können auch Patienten mit formal niedriger Krankheitsaktivität oder Remission in relevantem Maße durch Symptome beeinträchtigt werden.

Als Teil einer Resterkrankung können Symptome wie Fatigue und Schmerz auftreten, aber auch Enthesitis oder Funktionseinschränkungen. Welche axSpA-Patienten besonders von einer Resterkrankung betroffen sind, wurde nun in einer Querschnittsstudie in den Niederlanden untersucht. Ausgewertet wurden dazu Daten aus dem webbasierten klinischen Register SpA-Net, das Patienteneinschätzungen und ärztliche Eintragungen enthält.

Insgesamt wurden knapp 400 Patienten in die Studie eingeschlossen. In die Gruppe mit einer niedrigen Krankheitsaktivität wurden etwa zwei Drittel der Patienten eingeordnet, wovon sich wiederum ca. 30% in Remission befanden. Etwa ein Drittel der Patienten hatte also eine hohe Krankheitsaktivität. Der mittlere ASDAS-Score betrug 2,1 und ca. die Hälfte der Patienten wurde mit biologischen krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (bDMARDs) behandelt.

Resterkrankung bei großer Mehrheit der axSpA-Patienten

Innerhalb der Gruppe mit einer niedrigen Krankheitsaktivität wiesen 81,7% mindestens einen Indikator für eine Resterkrankung auf. Beinahe zwei Drittel der Patienten litten unter Fatigue und auch Schmerzen sowie Funktionseinschränkungen traten bei ca. jedem sechsten Patienten auf. Bei einem Viertel der Patienten war die physische oder krankheitsbezogene Lebensqualität eingeschränkt.
Obwohl bei den Patienten mit mindestens einem Indikator für eine Resterkrankung meist mehrere dieser Indikatoren vorlagen, bewerteten 88,8% der Patienten ihren Zustand selbst als akzeptabel. Wurde Ärzten die Beurteilung überlassen, so empfanden sogar 97,1% den Zustand ihres Patienten akzeptabel.

Weibliche Patientinnen besonders häufig betroffen

Auffällig war, dass Indikatoren für eine Resterkrankung deutlich häufiger bei weiblichen Patientinnen zu finden waren. Dies galt insbesondere für Fatigue, periphere Symptome und physische Lebensqualität. Ein höheres Alter war zwar assoziiert mit weniger Fatigue, aber einer schlechteren Einschätzung der Krankheitsaktivität durch einen Rheumatologen.

Eine bessere gesundheitsbezogene Lebensqualität hatten Berufstätige, Patienten ohne chronisch entzündliche Darmerkrankung und sowie Patienten, die nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) einnahmen verglichen mit der jeweils anderen Gruppe. Die Behandlung mit bDMARDs war hingegen mit mehr Fatigue assoziiert.

Geschlechterunterschiede bei axSpA-Patienten

Insgesamt zeigt die Studie, dass eine Resterkrankung bei axSpA-Patienten mit niedriger Krankheitsaktivität bzw. sogar selbst in Remission sehr häufig auftritt. Möglicherweise könnte dies ein Anstoß dazu sein, die Kriterien für eine Remission bzw. niedrige Krankheitsaktivität strenger zu definieren. Besonders häufig und stark unter einer Resterkrankung leiden insbesondere weibliche Patientinnen. Dies gilt sowohl für einzelne Symptome wie Fatigue und Schmerzen, aber auch für die gesundheitsbezogene Lebensqualität im weiteren Sinne.

Diese Beobachtungen passen auch zu anderen geschlechtsbezogenen Unterschieden bei axSpA-Patienten. Der zeitliche Verzug bis zur Diagnose ist bei weiblichen Patientinnen verlängert und auch berichten sie über subjektiv schlechtere Behandlungsergebnisse. Männliche Patienten hingegen weisen meist mehr entzündliche Aktivität gemessen am C-reaktiven Protein (CRP) auf und leiden unter mehr progressiven strukturellen Schäden.

Die Resultate der Studie werden gestützt durch zwei weitere Studien zu dieser Thematik mit ähnlichen Beobachtungen. Eingeschränkt werden die Ergebnisse der Studie vor allem dadurch, dass es sich um reine Assoziationen handelt und aufgrund des Studiendesigns keine Kausalitäten abgeleitet werden können. Empfehlungen zum klinischen Management einer Resterkrankung bei axSpA-Patienten gibt es bisher kaum.

Autor:
Stand:
24.11.2023
Quelle:

Webers et al. (2023): Factors Associated With Residual Disease in Axial Spondyloarthritis: Results From a Clinical Practice Registry. The Journal of Rheumatology, DOI: 10.3899/jrheum.2023-0194

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