Internationale Behandlungsempfehlungen dienen als wichtige Grundlage für evidenzbasierte therapeutische Entscheidungen, mit dem Ziel, eine gleichwertige Patientenversorgung unabhängig vom Land zu gewährleisten. In Europa sind die EULAR-Empfehlungen (European Alliance of Associations for Rheumatology) für die Behandlung von Patienten mit Psoriasis-Arthritis (PsA) und die ASAS-EULAR-Behandlungsempfehlungen (Assessment of SpondyloArthritis international Society) für Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) von zentraler Bedeutung und werden regelmäßig aktualisiert. Dennoch erstellen die meisten Länder ihre eigenen nationalen Leitlinien, die in unterschiedlichem Maße mit internationalen Empfehlungen übereinstimmen. Das kann zu Unterschieden in Bezug auf die Zulassungskriterien für ein Arzneimittel sowie verfügbare Behandlungsoptionen führen.
Globale Richtlinien vs. lokale Praktiken
Zwischen Oktober 2021 und April 2022 nahmen Rheumatologen aus 15 europäischen Ländern an einer elektronischen Umfrage im Rahmen des EuroSpA RCN (European Spondyloarthritis Research Collaboration Network) teil, einer multinationalen Registerkooperation in Europa. Ziel war es, die aktuellen, nationalen PsA- und axSpA-Behandlungsempfehlungen zu ermitteln. Anschließend wurden Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen diesen und den jüngsten EULAR- und ASAS-EULAR-Empfehlungen untersucht.
Interessanterweise folgte nur ein Land allen EULAR-Empfehlungen, während vier andere Länder alle ASAS-EULAR-Empfehlungen befolgten. Zudem wurden mehr Unterschiede zwischen den nationalen Behandlungsempfehlungen für PsA und den EULAR-Empfehlungen festgestellt als zwischen den nationalen Behandlungsempfehlungen für axSpA und den ASAS-EULAR-Empfehlungen. Fünf Länder hatten keine spezifischen nationalen Behandlungsempfehlungen für PsA und/oder axSpA, stattdessen orientierten sie sich an anderen Vorschriften. Weiterhin wurde beobachtet, dass in mehreren Ländern die nationalen Behandlungsempfehlungen vor den neuesten EULAR/ASAS-EULAR-Empfehlungen erschienen waren.
Unterschiedliche Empfehlungen zu neuen Therapien
Viele Unterschiede zwischen den nationalen und internationalen Empfehlungen wurden als “von geringer klinischer Bedeutung” eingestuft. Es zeigten sich jedoch insbesondere in Bezug auf neuere Therapieoptionen verschiedene Vorgehensweisen.
Die Kriterien für den Beginn von Therapien mit Biologika oder gezielten synthetischen krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (tsDMARDs) unterschieden sich erheblich zwischen den Ländern. Zudem wurde beobachtet, dass in einigen Ländern PsA-Patienten mit ausgeprägter Hautbeteiligung nicht bevorzugt Interleukin-17-Inhibitoren (IL-17) oder IL-12/23-Inhibitoren erhielten. Schließlich unterschied sich die Verwendung von Januskinase-Inhibitoren (JAKi) zwischen den Ländern, und in den meisten Fällen wurden Phosphodiesterase-4-Inhibitoren entweder nicht verwendet oder nicht erstattet.
Überraschend war zudem, dass im Gegensatz zur ASAS-EULAR-Empfehlung Analgetika in mehreren nationalen Behandlungsempfehlungen für axSpA nicht ausdrücklich erwähnt wurden, obwohl Schmerzen für die Patienten eine große Herausforderung darstellen.
Bedeutung nationaler und internationaler Empfehlungen
Einige der Unterschiede zwischen nationalen und internationalen Behandlungsempfehlungen lassen sich dadurch erklären, dass die nationalen Empfehlungen älter sind als die internationalen Veröffentlichungen und daher neu entwickelte Behandlungsoptionen zum Teil nicht berücksichtigen. Des Weiteren könnte der Bedarf an nationalen Empfehlungen u. a. auf lokalen wirtschaftlichen Beschränkungen bei der Verschreibung teurer Medikamente, verschiedenen regulatorischen Beschränkungen oder sprachlichen Barrieren basieren.
Insgesamt lässt sich aber feststellen, dass sich die nationalen Empfehlungen stark auf internationale Empfehlungen stützen, was ihre Bedeutung unterstreicht. Diese Studie könnte europäische Länder motivieren, ihre nationalen Behandlungsempfehlungen zu aktualisieren, um sie noch besser mit den neuesten internationalen Empfehlungen in Einklang zu bringen. Es ist wichtig, dass zukünftige Forschungen und Diskussionen in diesem Bereich fortgesetzt werden, um die bestmögliche Patientenversorgung sicherzustellen.








