Gabapentin
Gabapentin ist ein Antiepileptikum (Antikonvulsivum) und wird zur Behandlung von Anfallsleiden wie der Epilepsie sowie bei Nervenschmerzen (Neuropathien) angewendet. Die Wirkung von Gabapentin beruht auf einer Hemmung der glutamatergen Erregungsübertragung und einer Blockade zentraler Calciumkanäle.
Gabapentin: Übersicht

Anwendung
Indikationen
- Zusatztherapie bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren mit partiellen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung.
- Monotherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit partiellen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung.
- Periphere neuropathische Schmerzen (z. B. diabetische Neuropathie, postherpetische Neuralgie) bei Erwachsenen.
Anwendungsform
- Gabapentin ist in Form von Hartkapseln, Filmtabletten und als Lösung zum Einnehmen auf dem deutschen Markt verfügbar.
Wirkmechanismus
Gabapentin gehört zu den Antiepileptika und wirkt vor allem im Nervensystem. Obwohl seine Struktur dem Neurotransmitter GABA ähnelt, wirkt es nicht direkt über GABA-Rezeptoren.
Die Wirkung beruht auf einer Bindung an die α2δ-Untereinheit spannungsabhängiger Ca2+-kanälen in den Nervenzellen. Calcium spielt eine wichtige Rolle bei der Signalweiterleitung von Nervenzellen. Durch die Bindung von Gabapentin an diese Untereinheit werden diese Cacliumkanäle gehemmt, sodass weniger Calcium in die Nervenzelle gelangt. Die Folge ist eine verminderte Ca2+-vermittelte Ausschüttung von Neurotransmittern, wodurch die Erregbarkeit der Nervenzellen abnimmt.
Pharmakokinetik
Resorption
- Gabapentin wird nach oraler Gabe rasch resorbiert, wobei maximale Plasmakonzentrationen nach etwa 2–3 Stunden erreicht werden.
- Die Bioverfügbarkeit nimmt mit steigender Dosis ab.
- Nahrung hat keinen klinisch relevanten Einfluss auf die Resorption.
Verteilung
- Gabapentin wird nicht an Plasmaproteine gebunden und hat ein Verteilungsvolumen von etwa 57,7 l.
- Es erreicht messbare Konzentrationen im Liquor cerebrospinalis und geht in die Muttermilch über.
Metabolismus
- Gabapentin wird beim Menschen nicht metabolisiert.
- Es beeinflusst nicht die Aktivität hepatischer Arzneistoff-metabolisierender Enzyme.
Elimination
- Gabapentin wird unverändert renal ausgeschieden.
- Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 5–7 Stunden und ist dosisunabhängig.
- Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich.
Dosierung
Epilepsie:
Erwachsene und Jugendliche (ab 12 Jahren)
- Beginn mit Auftitrierung (z. B. 300 mg am ersten Tag) oder initial 900 mg/Tag in 3 Einzeldosen möglich.
- Steigerung in 300‑mg-Schritten alle 2 bis 3 Tage bis maximal 3.600 mg/Tag.
- Dosierungen bis zu 4.800 mg/Tag wurden in Studien gut vertragen.
Kinder (6 bis 12 Jahre)
- Beginn mit 10 bis 15 mg/kg/Tag, Aufdosierung über etwa 3 Tage bis zu einer wirksamen Dosis von 25 bis 35 mg/kg/Tag.
- Dosierungen bis zu 50 mg/kg/Tag sind möglich.
Periphere neuropathische Schmerzen (nur Erwachsene):
- Beginn mit Auftitrierung (z. B. 300 mg am ersten Tag) oder initial 900 mg/Tag in 3 Einzeldosen.
- Steigerung in 300‑mg-Schritten alle 2 bis 3 Tage bis maximal 3.600 mg/Tag.
- Für eine Behandlungsdauer von mehr als 5 Monaten liegen keine ausreichenden Daten vor.
Die Tagesgesamtdosis sollte auf 3 Einzelgaben verteilt werden, wobei der Zeitraum zwischen zwei Dosen nicht größer als 12 Stunden sein sollte, um das Risiko von Krampfanfällen zu minimieren.
Nebenwirkungen
Sehr häufig (≥ 1/10)
- Virusinfektionen
- Somnolenz, Schwindel, Ataxie
- Ermüdung, Fieber
Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)
- Pneumonie, Atemwegsinfektionen, Harnwegsinfektionen, sonstige Infektionen, Otitis media
- Leukopenie
- Anorexie, gesteigerter Appetit
- Feindseligkeit, Verwirrtheit, Affektlabilität, Depression, Angst, Nervosität, Denkstörungen
- Krampfanfälle, Hyperkinesie, Dysarthrie, Amnesie, Tremor, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Parästhesien, Hypästhesie, Koordinationsstörungen, Nystagmus, veränderte Reflexe
- Sehstörungen (Amblyopie, Diplopie)
- Schwindel
- Hypertonie, Vasodilatation
- Dyspnoe, Bronchitis, Pharyngitis, Husten, Rhinitis
- Erbrechen, Übelkeit, Zahnanomalien, Gingivitis, Diarrhö, Bauchschmerzen, Dyspepsie, Obstipation, Mund- und Rachentrockenheit, Flatulenz
- Gesichtsödeme, Purpura, Hautausschlag, Pruritus, Akne
- Arthralgie, Myalgie, Rückenschmerzen, Muskelzucken
- Inkontinenz
- Impotenz
- Periphere Ödeme, anormaler Gang, Asthenie, Schmerzen, Unwohlsein, Grippesymptome
- Gewichtszunahme
- Unfallbedingte Verletzungen, Frakturen, Abschürfungen
Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100)
- Allergische Reaktionen (z. B. Urtikaria)
- Hyperglykämie
- Agitiertheit
- Hypokinesie, geistige Beeinträchtigung
- Palpitationen
- Dysphagie
- Generalisierte Ödeme
- Erhöhte Leberenzyme (AST, ALT, Bilirubin)
- Stürze
Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)
- Hypoglykämie
- Verlust des Bewusstseins
- Atemdepression
Häufigkeit icht bekannt
- Hypersensitivitätssyndrom (inkl. Fieber, Ausschlag, Hepatitis, Lymphadenopathie, Eosinophilie), Anaphylaxie
- Thrombozytopenie
- Hyponatriämie
- Suizidgedanken, Halluzinationen, Arzneimittelabhängigkeit
- Bewegungsstörungen (z. B. Dyskinesie, Dystonie, Choreoathetose)
- Tinnitus
- Pankreatitis, Hepatitis, Ikterus
- Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), toxisch epidermale Nekrolyse (TEN), Angioödem, Erythema multiforme, Alopezie, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS)
- Rhabdomyolyse, Myoklonus
- Akutes Nierenversagen
- Gynäkomastie, Brusthypertrophie, sexuelle Funktionsstörungen
- Entzugserscheinungen (z. B. Angst, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Schmerzen, Schwitzen, Tremor, Kopfschmerzen, Schwindel), Brustschmerzen
- Exazerbation einer Myasthenia gravis
Wechselwirkungen
- Morphin: Erhöhung der Gabapentin-Exposition.
- Aluminium-/Magnesiumhaltige Antazida: Bioverfügbarkeit von Gabapentin reduziert. Es wird deshalb empfohlen, Gabapentin frühestens 2 Stunden nach Einnahme eines solchen Antazidums einzunehmen.
- ZNS-dämpfende Substanzen (inkl. Opioide): erhöhtes Risiko für Sedierung und Atemdepression.
Schwangerschaft
Es liegen keine hinreichenden Daten für die Verwendung von Gabapentin bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Gabapentin sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der potenzielle Nutzen für die Mutter überwiegt eindeutig das Risiko für den Fötus.
Stillzeit
Gabapentin geht in die Muttermilch über. Die Anwendung in der Stillzeit sollte nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
Verkehrstüchtigkeit
Gabapentin hat einen geringen bis mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wie Schwindel und Somnolenz ist Vorsicht geboten.
Anwendungshinweise
- Schwere Hautreaktionen: Unter der Behandlung mit Gabapentin wurden Stevens‑Johnson‑Syndrom (SJS), toxisch epidermale Nekrolyse (TEN) und DRESS beobachtet; bei entsprechenden Symptomen muss die Therapie sofort beendet werden.
- Anaphylaxie: Es können schwere allergische Reaktionen auftreten; bei Symptomen wie Atemnot, Schwellungen oder Hypotonie ist sofort ärztliche Hilfe erforderlich.
- Suizidgedanken: Unter Antiepileptika, einschließlich Gabapentin, wurden Suizidgedanken und suizidales Verhalten berichtet; Patienten sollten entsprechend überwacht werden.
- Atemdepression: Gabapentin kann eine Atemdepression verursachen, insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung mit opioidhaltigen oder anderen ZNS-dämpfenden Arzneimitteln sowie bei Risikopatienten.
- Myasthenia gravis: Bei Patienten mit Myasthenia gravis ist Vorsicht geboten, da eine Verschlechterung der Symptomatik möglich ist.
- Absetzen/Entzug: Nach abruptem Absetzen oder schneller Dosisreduktion können Entzugssymptome auftreten; daher sollte Gabapentin ausschleichend über mindestens eine Woche abgesetzt werden.
- Missbrauch/Abhängigkeit: Es bestehen Hinweise auf Missbrauch, nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch und Abhängigkeit; Patienten sollten entsprechend überwacht werden.
- Pankreatitis: Bei Auftreten einer akuten Pankreatitis sollte ein Absetzen der Behandlung in Erwägung gezogen werden.
- Laboruntersuchungen: Bei der Bestimmung von Gesamtprotein im Urin mittels Teststreifen kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Gabapentin HEXAL
- Fachinformation Neurontin
- Fachinformation GabaLiquid
- Medizinische Chemie: Targets und Arzneistoffe, Steinhilber, Schubert-Zsilavecz, Roth
- Geisslinger, G. et al (2020): Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie (11. Auflage). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
-
Gabapentin beta 300 mg Hartkapseln
betapharm Arzneimittel GmbH
-
Gabapentin beta 400 mg Hartkapseln
betapharm Arzneimittel GmbH
-
Gabapentin Glenmark 100 mg Hartkapseln
Glenmark Arzneimittel GmbH
-
Gabapentin Glenmark 300 mg Hartkapseln
Glenmark Arzneimittel GmbH
-
Gabapentin Glenmark 400 mg Hartkapseln
Glenmark Arzneimittel GmbH
-
Gabapentin Glenmark 600 mg Filmtabletten
Glenmark Arzneimittel GmbH
-
Gabapentin Glenmark 800 mg Filmtabletten
Glenmark Arzneimittel GmbH
-
Gabapentin Heumann 100 mg Kapseln
Heumann Pharma GmbH & Co. Generica KG
-
Gabapentin Heumann 300 mg Kapseln
Heumann Pharma GmbH & Co. Generica KG
-
Gabapentin Heumann 400 mg Kapseln
Heumann Pharma GmbH & Co. Generica KG
-
Gabapentin HEXAL® 100 mg Hartkapseln
Hexal AG
-
Gabapentin HEXAL® 300 mg Hartkapseln
Hexal AG
-
Gabapentin HEXAL® 400 mg Hartkapseln
Hexal AG
-
Gabapentin HEXAL® 600 mg Filmtabletten
Hexal AG
-
Gabapentin HEXAL® 800 mg Filmtabletten
Hexal AG
-
Gabapentin Holsten 100 mg Hartkapseln
Holsten Pharma GmbH
-
Gabapentin Holsten 300 mg Hartkapseln
Holsten Pharma GmbH
-
Gabapentin Holsten 400 mg Hartkapseln
Holsten Pharma GmbH
-
Gabapentin-Holsten 600 mg Filmtabletten
Holsten Pharma GmbH
-
Gabapentin-Holsten 800 mg Filmtabletten
Holsten Pharma GmbH
-
Gabapentin-Micro Labs 100 mg Hartkapseln
Micro Labs GmbH
-
Gabapentin-Micro Labs 300 mg Hartkapseln
Micro Labs GmbH
-
Gabapentin-Micro Labs 400 mg Hartkapseln
Micro Labs GmbH
-
Gabapentin-Micro Labs 600 mg Filmtabletten
Micro Labs GmbH
-
Gabapentin-Micro Labs 800 mg Filmtabletten
Micro Labs GmbH
-
Gabapentin-ratiopharm® 100 mg Hartkapseln
ratiopharm GmbH
-
Gabapentin-ratiopharm® 300 mg Hartkapseln
ratiopharm GmbH
-
Gabapentin-ratiopharm® 400 mg Hartkapseln
ratiopharm GmbH
-
Gabapentin-ratiopharm® 600 mg Filmtabletten
ratiopharm GmbH
-
Gabapentin-ratiopharm® 800 mg Filmtabletten
ratiopharm GmbH
-
Gabapentin STADA® 100 mg Hartkapseln
STADAPHARM GmbH
-
Gabapentin STADA® 300 mg Hartkapseln
STADAPHARM GmbH
-
Gabapentin STADA® 400 mg Hartkapseln
STADAPHARM GmbH
-
Gabapentin STADA® 600 mg Filmtabletten
STADAPHARM GmbH
-
Gabapentin Strides 100 mg Hartkapseln
Fairmed Healthcare GmbH
-
Gabapentin Strides 300 mg Hartkapseln
Fairmed Healthcare GmbH
-
Gabapentin Strides 400 mg Hartkapseln
Fairmed Healthcare GmbH
-
Gabapentin-TEVA® 300 mg Hartkapseln
Teva GmbH
-
Gabapentin-TEVA® 600 mg Filmtabletten
Teva GmbH
-
Gabapentin-TEVA® 800 mg Filmtabletten
Teva GmbH
-
Neurontin 100 mg Eurim Hartkapseln
Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH
-
Neurontin® 100 mg Hartkapseln
Viatris Healthcare GmbH
-
Neurontin 100 mg kohlpharma Hartkapseln
kohlpharma GmbH
-
Neurontin 300 mg B2B Medical Hartkapseln
B2B Medical GmbH
-
Neurontin 300 mg Eurim Hartkapseln
Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH
-
Neurontin® 300 mg Hartkapseln
Viatris Healthcare GmbH
-
Neurontin 300 mg kohlpharma Hartkapseln
kohlpharma GmbH
-
Neurontin® 400 mg Hartkapseln
Viatris Healthcare GmbH
-
Neurontin 400 mg kohlpharma Hartkapseln
kohlpharma GmbH
-
Neurontin 600 mg Emra Filmtabletten
Emra-Med Arzneimittel GmbH










