Definition und Ursache
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virusinfektion des zentralen Nervensystems.
- Ausgelöst durch FSME-Virus (humanpathogenes Flavivirus).
- Hauptübertragungsweg: Zeckenstiche, Viren in Speicheldrüsen der Zecke
- Selten: Konsum unpasteurisierter Ziegenmilchprodukte.
- Erregerreservoir: kleine Nagetiere, Vögel, Rehe, Rotwild.
Drei Subtypen des FSME-Virus
- Europäischer Subtyp
- Sibirischer Subtyp
- Fernöstlicher Subtyp
Epidemiologie
- 183 offizielle Risikokreise, Stand 01.2025.
- Vor allem in Süddeutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Tschechien.
- NEU: Stadtkreis Augsburg (Bayern), Landkreis Elbe-Elster (Brandenburg) und Landkreis Celle (Niedersachsen).
Fallzahlen - deutlicher Anstieg
- 2024: 686 Fälle - zweithöchste Zahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001.
- Inzidenz von circa 2,2 pro 100.000 Einwohner.
Risikogruppen
- Über 40-Jährige häufiger betroffen.
- Männer häufiger als Frauen.
- Saisonaler Höhepunkt: Mai bis Oktober.
Verlauf
- Inkubationszeit: 5 bis 28 Tage (Ø 10 Tage), nur 30% entwickeln Symptome.
- Erste Phase (Prodromalphase, wenige Tage): Grippeähnliche Symptome (Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber (ca. 38°C), allgemeines Krankheitsgefühl, gelegentlich Verdauungsbeschwerden/Bauchschmerzen.
- Symptomfreier Phase.
- Zweite Phase: Erneutes Fieber + Gleichgewichtsstörungen, Bewusstseinsstörungen, Zittern von Gesichtsmuskeln und Extremitäten.
Krankheitsbilder
- Meningitis (50%): Hohes Fieber, Starke Kopf-/Gliederschmerzen, Nackensteife (Kinn-Brust-Kontakt nicht möglich), meist folgenloses Ausheilen (3–5 Tage).
- Meningoenzephalitis (40%): Ataxie, Schluck-/Sprechstörungen, Bewusstseinsstörungen bis Koma, Lähmungen (Gesichts-/Halsmuskulatur, Extremitäten, Atemmuskulatur).
- Meningoenzephalomyelitis (10%): Schlaffe Lähmungen (obere Extremitäten), oft bleibende neurologische Schäden, schwere Verläufe häufiger im Alter.
- Kinder/Jugendliche: oft unspezifische Symptome, aber zunehmend schwere Verläufe dokumentiert.
Therapie
Ausschließlich symptomatische Behandlung:
- Schmerzmittel (Paracetamol, Metamizol, ggf. Antiphlogistika, Opiate).
- Bei schwerer Erkrankung mit Atemlähmung und neurologischen Ausfällen: Intensivmedizin, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie.
Prävention
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Personen, die sich in FSME-Gebieten aufhalten – vor allem in der Natur – eine FSME-Impfung. Eine Auffrischungsimpfung wird alle 3 bis 5 Jahre empfohlen.










