Zi-Auswertung: Lieferengpässe in Deutschland verschärfen sich

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat die Ergebnisse einer aktuellen Auswertung der vertragsärztlichen Arzneiverordnungsdaten für die Jahre 2021 und 2022 veröffentlicht. Die Daten zur Nichtverfügbarkeit verdeutlichen die erschwerte Versorgung durch Lieferengpässe.

Rezeptkontrolle

Dass die Arzneimittelversorgung im vergangenen Jahr stärker als üblich durch Lieferengpässe beeinträchtigt wurde, ist hinreichend bekannt. Ergebnisse einer aktuellen Auswertung vertragsärztlicher Arzneiverordnungsdaten aus den Jahren 2021 und 2022 des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) verdeutlichen diesen Umstand.

Blick auf die „Nichtverfügbarkeit“

Apothekendaten geben zwar einen Überblick über die Arzneimittelversorgung, es wird jedoch nicht dokumentiert, welche verordneten Medikamente nicht abgegeben werden konnten. Das Zi hat daher die Verwendung der Sonder-Pharmazentralnummer 02567024 betrachtet, mit der die Nichtverfügbarkeit eines Arzneimittels gekennzeichnet wird. Diese wird angegeben, wenn in der Apotheke statt des rabattierten bzw. preisgünstigsten Präparats ein wirkstoffgleiches Arzneimittel eines anderen Herstellers abgegeben wird.

Engpässe insbesondere in Q2/2022

Die Ergebnisse zeigen, dass es im vierten Quartal 2022, im Vergleich zu 2021 und den ersten neun Monaten des Jahres, eine deutliche Zunahme von Lieferengpässen gab. Bei 10% der Verordnungen konnten Apotheken nicht auf das eigentlich verordnete Präparat zurückgreifen, was laut Zi 26% der Patienten mit einer Verordnung betraf. Dabei waren auch häufig verordnete Wirkstoffe nicht verfügbar. Rund 75% aller verordnenden Praxen hatten mindestens einen Patienten, dessen Versorgung durch Lieferengpässe beeinträchtig war.

Limitationen der Auswertung

Zu beachten ist, dass mit der Nichtverfügbarkeit nur Generika Importe betrachtet werden. Außerdem werden Fälle, in denen die Apotheke ein neues Rezept in der Arztpraxis anfordern musste, weil der verordnete Wirkstoff überhaupt nicht verfügbar war, hierbei nicht erfasst.

Gründe für Engpässe

Der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried nennt verschiedene Gründe für Lieferengpässe, wie unzureichende Produktionskapazitäten, den Rückzug einzelner Hersteller sowie kurzfristige Veränderungen im Krankheitsgeschehen. Als Beispiel führt er den Versorgungsengpass der Antibiotika mit Amoxicillin, Amoxicillin/Clavulansäure und Penicillin V im Dezember 2022 an. Die Verordnungszahlen stiegen laut von Stillfried im vierten Quartal 2022 im Vergleich zu demselben Zeitraum in 2021 um etwa 57% an (2 Millionen Verordnungen 2021 vs. 3,1 Millionen Verordnungen 2022).

Forderungen an die Politik

„Um Lieferengpässe wirklich zu reduzieren oder gar zu verhindern, muss die Politik an den tatsächlichen Ursachen ansetzen und mehr Transparenz über Lieferwege schaffen.“, so von Stillfried. Dazu müssten Abhängigkeiten von Lohnherstellern in Asien zurückgefahren und verbliebene Standorte in Europa gestärkt werden. Er fordert außerdem Lieferengpässe konsequenter zu überwachen und bei wichtigen Wirkstoffen wie Antibiotika eine Reserve anzulegen.

Im Referentenentwurf des Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetzes (ALBVVG) sind Lösungsansätze zu diesen Forderungen enthalten. Bereits das Eckpunktepapier zu diesem Gesetz wurde jedoch vielfach kritisiert. So gibt der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) beispielsweise zu bedenken, dass große Vorräte von Arzneimitteln verfallen könnten. Der GKV-Spitzenverband fürchtet nicht allein, dass die angedachten Maßnahmen den Standort Deutschland nur kurzfristig stärken. Insbesondere die Apothekerschaft ist unzufrieden mit dem Gesetzesentwurf, zum einen im Hinblick auf die vorgesehene Vergütung für das Lieferengpass-Management. Zum anderen wird der Handlungsspielraum der Apotheker wieder eingeschränkt, da die Ausnahmeregelungen der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung, die im April auslaufen, nur teilweise und an bestimmte Bedingungen geknüpft, verstetigt werden.

Autor:
Stand:
14.03.2023
Quelle:

Zi, Grafik des Monats – Februar 2023, zuletzt abgerufen am 13. März 2023

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