Erhöhte Inzidenz psychischer Erkrankungen nach schwerem Covid-19, insbesondere bei ungeimpften Personen

Covid-19 geht mit einer erhöhten Rate psychischer Erkrankungen einher. Ungeimpfte Personen sind besonders gefährdet, nach einer SARS-CoV-2-Infektion psychische Probleme zu entwickeln.

Depression PTBS

Mehrere Studien belegen, dass Covid-19 das Risiko für psychische Erkrankungen erhöht – sowohl bei hospitalisierten Patienten als auch bei Personen mit milderen Verlaufsformen der SARS-CoV-2-Infektion. Zu den dokumentierten psychischen Belastungen zählen unter anderem Depressionen, Angststörungen und Psychosen. Als mögliche pathophysiologische Mechanismen werden Mikrogefäßveränderungen und anhaltende Entzündungsprozesse infolge der Infektion diskutiert. Zudem spielen wohl auch psychosoziale Faktoren, wie die Angst vor der Erkrankung und ihren potenziellen Langzeitfolgen, eine wesentliche Rolle.

In einer kürzlich im Fachjournal 'JAMA Psychiatry' veröffentlichten Studie untersuchten britische Wissenschaftler, inwiefern Covid-19 mit psychischen Erkrankungen assoziiert ist und ob diese Verbindung je nach Impfstatus variiert.

Gesundheitsdaten von über 18 Millionen Menschen ausgewertet

Für die von der University of Bristol geleitete Kohortenstudie wertete das Forschungsteam elektronische Gesundheitsdaten von 18.648.606 Erwachsenen im Alter von 18 bis 110 Jahren aus dem Vereinigten Königreich aus.

Ziel war es, den Zusammenhang zwischen einer Covid-19-Diagnose und der Entwicklung psychischer Erkrankungen zu untersuchen – sowohl in der Zeit vor Verfügbarkeit der Corona-Impfstoffe als auch bei geimpften und ungeimpften Personen nach deren Einführung.

Das Durchschnittsalter lag bei 49 Jahren, 50% der Teilnehmenden waren weiblich und 1.012.335 Erwachsene hatten eine bestätigte Covid-19-Diagnose.

Die untersuchten psychischen Erkrankungen umfassten Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen, Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten und posttraumatische Belastungsstörungen sowie schwerwiegende Erkrankungen wie bipolare Störungen, schizoaffektive Störungen, Schizophrenie und psychotische Depressionen.

Covid-19-Impfung verringert das Risiko für psychische Erkrankungen

Ungeimpfte Personen wiesen bis zu einem Jahr nach der Covid-19-Diagnose eine höhere Inzidenz psychischer Erkrankungen auf, vor allem in den ersten vier Wochen nach Krankheitsbeginn.

Bei Personen, die sich vor der Verfügbarkeit des Impfstoffs infiziert hatten, blieb das Risiko für psychische Störungen für bis zu sieben Monate erhöht, insbesondere bei denjenigen, die wegen einer akuten SARS-CoV-2-Infektion hospitalisiert werden mussten.

Eine Impfung hingegen schwächte die negativen psychischen Auswirkungen von Covid-19 ab. So war die Inzidenz von Depressionen bei leicht verlaufenden Covid-19-Erkrankungen bis zu 1,22-mal höher als vor oder ohne eine Corona-Infektion, während sie bei hospitalisierten Covid-19-Patienten bis zu 16,3-mal höher lag. In der geimpften Kohorte entsprach die Inzidenz von Depressionen nach mildem Krankheitsverlauf nahezu dem Niveau vor oder ohne Covid-19.

Subgruppenanalysen ergaben, dass der Zusammenhang zwischen Covid-19 und psychischen Erkrankungen bei Männern, älteren Erwachsenen und Personen mit bestehenden psychischen Vorerkrankungen besonders ausgeprägt war.

Forschungsbedarf zu den langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von Covid-19 bleibt hoch

Die Studie zeigte insgesamt, dass eine Covid-19-Impfung die Häufigkeit psychischer Erkrankungen senken konnte. Ungeimpfte Personen hatten ein signifikant höheres Risiko, nach einer SARS-CoV-2-Infektion psychische Probleme zu entwickeln.

Jonathan Sterne, Professor für medizinische Statistik und Epidemiologie an der Bristol Medical School und einer der Studienautoren, erklärte: „Wir haben bereits Zusammenhänge von Covid-19 mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und nun auch psychischen Erkrankungen festgestellt. Unsere Forschung setzt sich fort, um in laufenden Projekten die Verbindungen von Covid-19 mit Nieren-, Autoimmun- und neurodegenerativen Erkrankungen weiter zu untersuchen.“

Autor:
Stand:
06.09.2024
Quelle:

Walker, V. M. et al. (2024): COVID-19 and Mental Illnesses in Vaccinated and Unvaccinated People. JAMA Psychiatry, DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2024.2339.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: