Hintergrund
Eine retrospektive Kohortenstudie untersuchte, wie sich eine Behandlung mit Nirmatrelvir auf das Risiko für Post-Covid-Beschwerden auswirkt. Das Ergebnis: Wurde Nirmatrelvir innerhalb von fünf Tagen nach dem positiven Corona-Testergebnis eingenommen, war das Risiko für langfristige Gesundheitsprobleme (Post-/Long-Covid) um 26% verringert. Die Ergebnisse der Studie sind in „JAMA Internal Medicine“ erschienen [1].
Daten von mehr als 280.000 Covid-19-Patienten ausgewertet
Forschende der Washington University School of Medicine in St. Louis und des Veterans Affairs St. Louis Health Care System werteten elektronische Patientenakten von 281.793 PatientInnen aus, die akut an Covid-19 erkrankt waren und mindestens einen Risikofaktor für einen schweren Verlauf aufwiesen. Die Studie nutzte die Gesundheitsdatenbanken des US-amerikanischen Ministeriums für Veteranenangelegenheiten.
Das Team um Dr. Yan Xie identifizierte 35.717 PatientInnen, die innerhalb von fünf Tagen nach ihrem positiven SARS-CoV-2-Test mit Paxlovid (Nirmatrelvir plus Ritonavir) behandelt wurden. Die Kontrollgruppe bestand aus 246.076 PatientInnen, die keine Antiviral- oder Antikörperbehandlung erhalten hatten.
Analyse von 13 Post-Covid-Symptomen
Analysiert wurden 13 vorab festgelegte Komplikationen, die mit Post-/Long-Covid in Verbindung gebracht werden (darunter ischämische Herzkrankheit, Lungenembolie, Fatigue, neurokognitive Beeinträchtigung und Dyspnoe), zudem die Anzahl an postakuten Krankenhausaufenthalten und postakutem Tod.
Um den Zusammenhang zwischen Nirmatrelvir im Vergleich zur Kontrollgruppe abzuschätzen, verwendeten die Forschenden inverse gewichtete Überlebensmodelle. Die Ergebnisse wurden als relatives Risiko (RR) oder Hazard Ratio (HR) und als absolute Risikoreduktion in Prozent nach 180 Tagen (ARR) angegeben.
Paxlovid reduziert das Risiko von Post-Covid-Beschwerden um 26%
Im Vergleich zur Kontrollgruppe reduzierte Nirmatrelvir das Risiko von Post-Covid-Beschwerden (RR 0,74, 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,72–0,77; ARR 4,51%; 95%-KI 4,01–4,99). Im Detail verringerte die Paxlovid™-Behandlung das Auftreten von zehn der 13 untersuchten Folgebeschwerden. Dazu gehörten:
- kardiovaskuläre Symptome (Arrhythmie und ischämische Herzerkrankungen)
- Koagulations- und hämatologische Störungen (Lungenembolie und tiefe Venenthrombose)
- Erschöpfung und Abgeschlagenheit (Fatigue)
- skute Nierenerkrankung
- Muskelschmerzen
- neurologische Störungen (neurokognitive Beeinträchtigung und Dysautonomie)
- Dyspnoe
Ebenso verringerte Nirmatrelvir das Risiko von postakutem Tod um 47% (95%-KI 0,46–0,61) und die Wahrscheinlichkeit einer postakuter Hospitalisierung um 24% (95%-KI 0,73–0,80).
Alle Effekte waren unabhängig vom Impfstatus und der Anzahl früherer SARS-CoV-2-(Re)Infektionen.
Antivirale Medikamente als Schlüssel zur Verhinderung von Post- und Long-Covid-Folgen
Möglicherweise kann eine frühzeitige Behandlung mit Nirmatrelvir Entzündungen und Organschäden verhindern und die Wahrscheinlichkeit einer viralen Persistenz reduzieren, so das Autorenteam. Dies könnte dazu beitragen, das Risiko von bedrohlichen Langzeitschäden nach einer SARS-CoV-2-Infektion zu verringern, sagte Hauptautor Dr. Ziyad Al-Aly in einer Pressemitteilung der Washington University School of Medicine in St. Louis. Al-Aly zufolge könnten antivirale Medikamente tatsächlich der entscheidende Faktor zur Verhinderung von Post- und Long-Covid-Folgen sein könnten. [2].
Einschränkungen der Studie
Die Studie weist mehrere Limitationen auf. Zum Beispiel beschränkt die demografische Zusammensetzung der Kohorten (mehrheitlich ältere, weiße, männliche Erwachsene) die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen. Darüber hinaus kann man nicht sicher sein, dass Paxlovid nach der Verordnung zuverlässig und korrekt eingenommen wurde. Außerdem nennt das Studienteam die Nachbeobachtungszeit, die sich auf 180 Tage nach der Infektion beschränkte.









