Pädiatrische Akne inversa: Unterschiede zwischen Leitlinie und Praxis

Die Therapie der pädiatrischen Akne inversa bleibt herausfordernd. US-Registerdaten zeigen Unterschiede zwischen Leitlinienempfehlungen und klinischer Praxis.

Kinderarzt

Akne inversa beziehungsweise Hidradenitis suppurativa (HS) zählt zu den chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen mit hoher Krankheitslast. Schmerzen, rezidivierende Abszesse und Fistelbildungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen gilt die Versorgung als anspruchsvoll, da die Evidenzlage begrenzt ist und unterschiedliche konservative sowie operative Therapiestrategien zum Einsatz kommen.

Vor diesem Hintergrund analysierte ein Forschungsteam der Boston University School of Medicine in den USA die aktuelle Therapielandschaft pädiatrischer HS-Patienten. Die Ergebnisse der Querschnittsanalyse wurden in 'JAAD International' veröffentlicht. Ziel der Untersuchung war es, die Häufigkeit verschiedener Therapieansätze in einer großen multizentrischen Kohorte zu erfassen.

Antibiotika und topische Therapien dominieren die Behandlung

Für die Analyse nutzten die Forscher Daten des globalen Forschungsnetzwerks TriNetX mit elektronischen Gesundheitsdaten aus 102 Gesundheitseinrichtungen. Eingeschlossen wurden 8660 Patienten im Alter von 0 bis 18 Jahren mit dokumentierter HS-Diagnose aus insgesamt 88 Einrichtungen. Das mittlere Alter der Kohorte lag bei 16 Jahren. Der Anteil weiblicher Patienten betrug 75  %. Zu den häufigsten Begleiterkrankungen zählten Acne vulgaris mit 22  %, das polyzystische Ovarialsyndrom mit 5  % sowie Psoriasis mit 3  %.

Am häufigsten kamen topische und antibiotische Therapien zum Einsatz. Topisches Clindamycin wurde bei 40  % der Patienten dokumentiert, Tetrazykline bei 39  % und Benzoylperoxid bei 21  %. Biologika spielten hingegen nur eine untergeordnete Rolle.

Biologika und operative Verfahren bleiben selten eingesetzt

Laut der Auswertung erhielten 6  % der Patienten Adalimumab. Secukinumab, Infliximab und Ustekinumab wurden jeweils bei etwa 1  % der Patienten verzeichnet.

Auch chirurgische Verfahren kamen in der untersuchten Kohorte vergleichsweise selten zur Anwendung. Insgesamt hatten 15 % der Patienten Eingriffe an Haut oder Subkutangewebe erhalten. Inzisionen und Drainagen wurden bei 10  % durchgeführt, Exzisionen bei  4 %.

Diese niedrigen Anwendungsraten könnten auch darauf zurückzuführen sein, dass schwere Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen seltener auftreten, so die Autoren. Allerdings verweisen sie zugleich auf internationale Daten, wonach in einer früheren multizentrischen Untersuchung 53  % der pädiatrischen HS-Patienten einem Hurley-Stadium II oder III zugeordnet wurden. Für diese Stadien werden unter anderem Biologika sowie chirurgische Verfahren empfohlen.

Deutliche Unterschiede zwischen Leitlinien und Versorgungspraxis sichtbar

Die Ergebnisse machen Unterschiede zwischen bestehenden Therapieempfehlungen und der aktuellen Versorgungssituation sichtbar. Ähnliche Tendenzen wurden bereits in früheren Kohorten beschrieben.

Mehrere Einschränkungen begrenzen jedoch die Aussagekraft der Analyse. So ließ sich anhand der Registerdaten nicht sicher unterscheiden, ob Arzneimittel oder operative Eingriffe gezielt zur HS-Behandlung eingesetzt wurden oder anderen Indikationen dienten. Zudem standen weder Angaben zur Krankheitsdauer noch zum Schweregrad der Erkrankung zur Verfügung. Nicht verschreibungspflichtige antiseptische Therapien konnten ebenfalls nicht vollständig erfasst werden.

Trotz dieser Einschränkungen liefert die Untersuchung einen Einblick in die aktuelle Therapiepraxis bei pädiatrischer HS. Nach Einschätzung der Autoren könnten die Daten dazu beitragen, bestehende Versorgungslücken besser einzuordnen und künftige Therapieempfehlungen weiterzuentwickeln.

Autor:
Stand:
01.06.2026
Quelle:

Cole, H. L. et al. (2025): A cross-sectional study of the pediatric hidradenitis suppurativa treatment landscape. JAAD International, DOI: 10.1016/j.jdin.2025.11.002.

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