Die Diagnose Alopecia areata (AA) ist meist schnell gestellt, die Prognose dagegen nicht. Bisher gab es kaum Anhaltspunkte, um den Patienten zu sagen, wie lange und mit welchem Ausmaß des Haarausfalls sie zu rechnen haben. Es gibt vereinzelte kurze Episoden oder auch langjährige Erkrankungen. Das Ausmaß kann von kleinen kahlen Stellen bis zur Alopecia totalis reichen. Und diese Ungewissheit belastet die Patienten: Kommen die Haare zurück, und wenn ja, wann? Werde ich noch stärker entstellt? Sollte man sich besser eine Perücke kaufen?
Eine neue Langzeitstudie deckt Zusammenhänge auf
Um hier etwas Licht ins Dunkel der prognostischen Einschätzung zu bringen, haben Forscher des Universitätsklinikums Bonn über 20 Jahre hinweg mit dem Cure4HAIR-Projekt eine der weltweit größten AA-Kohorten mit genetischen und klinischen Daten aufgebaut. Bei der Analyse des umfangreichen Datenmaterials kristallisierten sich jetzt Risikofaktoren für eine ungünstige Prognose bei AA heraus.
Mehr als die Hälfte der rund 3.000 Patienten dieser Kohorte berichteten über zusätzliche chronisch-entzündliche Erkrankungen (CID). Am häufigsten waren das die atopischen Erkrankungen Asthma (13,4 %), atopische Dermatitis (AD; 26,7 %) und Rhinitis (26,7 %) vor – wobei 44,5 % der AA-Patienten mehr als eine dieser atopischen Erkrankungen angab. Bei den komorbiden nicht-atopischen CIDs wurden hauptsächlich Hashimoto-Thyreoiditis (6,1 %), Vitiligo (4,6 %), Psoriasis (2,7 %) und rheumatoide Arthritis (1,7 %) genannt.
Langer AA-Verlauf bei komorbidem Asthma
Im Einzelnen ergab sich bei der Analyse, dass vor allem Asthma bronchiale ein signifikanter Risikofaktor für einen schweren und langanhaltenden Verlauf von AA ist – ausgeprägter als bei komorbider atopischer Dermatitis oder Rhinitis.
Zudem steigt das Risiko für einen frühen Krankheitsbeginn und einen schwereren Verlauf mit der Anzahl der atopischen Begleiterkrankungen. Wenn alle drei (Asthma, AD und Rhinitis) vorliegen, tritt die AA im Durchschnitt zehn Jahre früher auf als bei Patienten ohne Begleit-CIDs.
Weitere interessante Ergebnisse zur Komorbidität
Patienten mit komorbider AD, Asthma bronchiale oder Hashimoto-Thyreoiditis berichteten signifikant häufiger über eine frühe, schwere und anhaltende AA als Patienten ohne komorbide CID. Liegt eine Rhinitis oder Vitiligo vor, steigt das Risiko für eine langfristige AA. Insgesamt zeigt der CID-Komorbiditätsstatus eine ausgeprägtere Assoziation mit der Dauer der AA als mit dem Erkrankungsalter oder dem Schweregrad.
Fazit der Wissenschaftler
AA-Patienten mit CID – vor allem bei Asthma, AD oder Hashimoto-Thyreoiditis – könnten von einer engmaschigeren ärztlichen Überwachung und frühzeitigeren therapeutischen Maßnahmen gegen diese Begleit-CIDs, auch in Bezug auf die AA, profitieren.









