Erhöhtes Myokardinfarktrisiko nach Herpes zoster-Infektion

Herpes zoster manifestiert sich aufgrund einer endogenen Reinfektion mit dem Varicella-zoster-Virus. Es gibt Hinweise, dass die Krankheit mit einem höheren Myokardinfarktrisiko verbunden ist. Eine Studie hat sich dieser Thematik angenommen. Dabei wurde auch der Einfluss einer Zoster-Impfung berücksichtigt.

Herzerkrankung Risiko

Ein Myokardinfarkt kann als schwerwiegende kardiovaskuläre Komplikation nach Virusinfektionen einschließlich des VZV (Varicella-zoster-Virus) auftreten. Bei exogener Erstinfektion mit VZV manifestiert sich die Krankheit als Varizellen (Windpocken). Nach der Erstinfektion schlummert das Virus in den Spinalganglien und Hirnnerven und kann später als Herpes zoster (Gürtelrose) reaktiviert werden.

Herpes zoster (Gürtelrose)

Typisch für Herpes zoster sind unilaterale, vesikuläre Eruptionen innerhalb eines Dermatoms mit zum Teil starken Schmerzen. Zu den Folgeerscheinungen zählen postherpetische Neuralgie, Meningoenzephalitis, Myelitis, Hirnnervenschädigungen, Keratitis, Riesenzellarteriitis und endovaskuläre Schädigungen.

Als präventive Maßnahme existiert die Varizellen-Schutzimpfung, die die STIKO (Ständige Impfkommission) für alle Kinder und Jugendlichen empfiehlt. Für alle Personen ab 60 Jahren (bzw. 50 Jahren bei entsprechenden Vorerkrankungen) wird außerdem die Impfung mit dem adjuvantierten Herpes-zoster-subunit-(HZ/su)-Totimpfstoff als Standardimpfung empfohlen [1].

VZV und Myokardinfarkte

Es gibt mehrere epidemiologische und retrospektive Studien, die eine kürzlich erfolgte VZV-Infektion bzw. Herpes zoster mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko in Verbindung bringen. Es wird vermutet, dass eine durch Viren verursachte endovaskuläre Schädigung die Ursache für ein erhöhtes Thromboserisiko nach einer Infektion ist. Der Mechanismus dahinter ist noch nicht vollständig geklärt.

Studie untersucht das Ausmaß von postinfektiösen Myokardinfarkten

Eine retrospektive Kohortenstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen Herpes zoster und Myokardinfarkten sowie den Einfluss einer Impfung und patientenspezifische Risikofaktoren [2]. Daten von 2.165.584 Patienten über 18 Jahren mit (71.912 Patienten) und ohne (2.093.672 Patienten) akute Zoster-Infektion wurden ausgewertet.

In der Zoster-Kohorte trat innerhalb von 30 Tagen bei 0,34% ein Myokardinfarkt auf. In der Kontrollkohorte lag die Häufigkeit bei 0,28%. Damit war das Risiko einen Myokardinfarkt zu erleiden in der Zoster-Kohorte 1,35-mal höher als in der Kontrollkohorte (OR: 1,35; 95%-KI: 1,18 bis 1,54).

Zoster-Impfung als Prävention

Bei Patienten über 50 Jahren, die mindestens eine Dosis des rekombinanten Zoster-Impfstoffs Shingrix erhalten hatten, war die Wahrscheinlichkeit eines Myokardinfarkts um 18% geringer als bei ungeimpften infizierten Patienten (OR: 0,82; 95%-KI: 0,74 bis 0,92). Bei Lebendimpfstoffen gab es dazu keine signifikanten Unterschiede, so dass diese aus dem multivariablen Modell entfernt wurden.

Patientenspezifische Risikofaktoren

Als wichtige Risikofaktoren für einen postinfektiösen Myokardinfarkt wurden z. B. ein vorausgegangener Myokardinfarkt und eine systolische Herzinsuffizienz identifiziert. Eine periphere Gefäßerkrankung erhöhte das Risiko um 14%, eine Immunschwäche (z. B. aufgrund einer HIV-Infektion) um 63%, männliches Geschlecht um 40%. Das Vorliegen von Nierenerkrankungen erhöhte das Risiko um 56%.

Autor:
Stand:
26.07.2023
Quelle:
  1. RKI-Ratgeber (2017): Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster). Aufgerufen am 16.07.2023.
  2. Parameswaran et al. (2023): Increased Myocardial Infarction Risk Following Herpes Zoster Infection. Open Forum Infectious Diseases. DOI: 10.1093/ofid/ofad137
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