Psoriasis ist nicht nur eine entzündliche Hauterkrankung, sondern zunehmend als systemische Erkrankung mit zahlreichen Komorbiditäten anerkannt. Neben kardiometabolischen und psychischen Begleiterkrankungen rückt in den letzten Jahren auch die Assoziation zu Schlafstörungen stärker in den Fokus. Frühere Studien zeigten bereits eine erhöhte Prävalenz schlafbezogener Beschwerden bei Psoriasis-Patienten, wobei bislang vor allem subjektive Schlafqualität und Schlafdauer untersucht wurden. Objektiv diagnostizierte Schlafstörungen wie Insomnie oder obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSA) wurden bisher weniger systematisch im Kontext der Psoriasis analysiert – vor allem nicht in diversen Bevölkerungsgruppen.
Neue Evidenz durch eine groß angelegte, diverse Kohortenstudie
Eine aktuell in 'JEADV Clinical Practice' veröffentlichte Analyse untersuchte den Zusammenhang zwischen Psoriasis und spezifischen Schlafstörungen in der US-weiten „All of Us“-Datenbank. Diese umfasst bewusst überproportional viele Teilnehmende aus unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen.
Ziel der Studie war es, die Assoziation zwischen Psoriasis-Schweregrad und diagnostizierten Schlafstörungen zu quantifizieren und Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen zu erfassen. Damit adressierte die Studie zwei zentrale Lücken: die unzureichende Berücksichtigung von Psoriasis-Schweregraden sowie ethnisch-soziale Diversität in bisherigen Untersuchungen.
Daten von fast 7.500 Psoriasis-Patienten ausgewertet
Die retrospektive Fall-Kontroll-Studie analysierte Daten von 7.473 Erwachsenen mit gesicherter Psoriasis-Diagnose. Die Klassifikation in „mild“ bzw. „moderat bis schwer“ erfolgte anhand der Therapiehistorie (Systemtherapie, Phototherapie). Jeder Psoriasis-Fall wurde im Verhältnis 1:4 mit Kontrollen gematcht, die nach Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit abgeglichen wurden.
Die Analyse umfasste fünf spezifische Schlafstörungen: Restless-Legs-Syndrom (RLS), Insomnie, OSA, Narkolepsie und REM-Schlafverhaltensstörung (RBD). Als Kovariaten wurden unter anderem Body-Mass-Index (BMI), Nikotinabusus, Angststörung, Typ-2-Diabetes mellitus sowie chronischer Pruritus berücksichtigt.
Signifikant erhöhte Risiken für Insomnie, OSA und RLS bei Psoriasis
Die Ergebnisse zeigten signifikante Assoziationen zwischen Psoriasis und mehreren Schlafstörungen – insbesondere bei moderater bis schwerer Krankheitsausprägung. Patienten mit milder Psoriasis wiesen gegenüber den Kontrollen deutlich erhöhte Odds Ratios (OR) für folgende Störungen auf:
- Insomnie: OR 1,48 (95 %-KI: 1,37–1,60)
- OSA: OR 1,38 (1,28–1,49)
- RLS: OR 1,20 (1,05–1,37)
Bei moderat bis schwerer Psoriasis fielen die Assoziationen nochmals stärker aus:
- Insomnie: OR 1,74 (1,53–1,97)
- OSA: OR 1,81 (1,60–2,06)
- RLS: OR 1,64 (1,33–2,02)
Keine signifikanten Assoziationen konnten für Narkolepsie oder REM-Schlafverhaltensstörung nachgewiesen werden.
Ethnische Unterschiede verstärken das Risiko für Schlafstörungen
In einer Subgruppenanalyse zeigte sich, dass nicht-weiße Patienten mit Psoriasis ein signifikant höheres Risiko für Schlafstörungen aufwiesen als weiße Patienten. Die Odds Ratios für „jede Schlafstörung“ lagen in allen Gruppen über 1,5, bei asiatischen, schwarzen und hispanischen Patienten sogar bei über 2:
- Asiatisch: OR 2,13 (1,37–3,28)
- Schwarz: OR 2,17 (1,74–2,71)
- Hispanisch: OR 2,09 (1,74–2,51)
- Weiß: OR 1,59 (1,49–1,70)
Fazit: Relevanz für klinische Praxis und zukünftige Forschung
Die Studie zeigt, dass Psoriasis – unabhängig vom Schweregrad – signifikant mit Insomnie, obstruktives Schlafapnoe-Syndrom und Restless-Legs-Syndrom assoziiert ist – sowohl bei milder als auch bei moderat bis schwer ausgeprägter Psoriasis. Auffällig ist das überdurchschnittlich hohe Risiko bei nicht-weißen Patienten. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung demografischer Einflussfaktoren auf schlafbezogene Komorbiditäten bei Psoriasis.
Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass bei Psoriasis-Patienten – unabhängig vom Hautbefund – aktiv nach Schlafstörungen gefragt werden sollte. Zukünftige Studien sollten prospektiv und mit standardisierten Kriterien arbeiten, um die Kausalität zu klären und zielgerichtete therapeutische Strategien zu entwickeln.









