Reduktion vaskulärer Komplikationen bei Typ-2-Diabetes durch Fischöl?

Diabetes mellitus Typ 2 stellt weltweit eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar und kann zu schwerwiegenden vaskulären Komplikationen führen. Eine aktuelle Studie untersucht die möglichen präventiven Effekte von Fischöl-Supplementen auf diese Komplikationen.

Fischölkapseln

Von Diabetes mellitus Typ 2 sind weltweit schätzungsweise 529 Millionen Erwachsene betroffen. Die Erkrankung kann zu einer Vielzahl von Komplikationen führen, die sowohl das makro- als auch das mikrovaskuläre System betreffen. Dazu zählen die koronare Herzkrankheit (KHK), zerebrovaskuläre Erkrankungen sowie diabetische Nephro- und Retinopathie. Neben der erhöhten Mortalität der Patienten stellen diese Komplikationen auch eine Belastung für das Gesundheitssystem dar. Es besteht daher ein dringender Bedarf an wirksamen Strategien zur Prävention oder Verzögerung des Auftretens.

Potenzial von Fischöl

Fischöl ist reich an Omega-3-Fettsäuren (n-3 PUFA), insbesondere an Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Bisherige epidemiologische Studien haben mögliche positive Effekte von Fischöl auf die Gefäßgesundheit gezeigt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Fischöl Entzündungen reduzieren und die Lipidwerte verbessern könnte, da Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmende Eigenschaften besitzen, die durch eine Reduktion proinflammatorischer Zytokine und eine erhöhte Produktion von Resolvinen vermittelt werden.

Widersprüchliche Ergebnisse und Bedarf an weiterer Forschung

Trotz positiver Hinweise sind die Ergebnisse neuerer klinischer Studien jedoch inkonsistent und widersprüchlich. Insbesondere bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die häufig Störungen des Glukose- und Lipidstoffwechsels aufweisen und ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen haben, ist die epidemiologische Evidenz für den Nutzen einer Fischöl-Supplementierung begrenzt.

Unklare Beziehung zu mikrovaskulären Komplikationen

Zirkulierende Fettsäuren werden als biologische Marker für die Aufnahme von Fettsäuren mit der Nahrung verwendet. Der Zusammenhang zwischen zirkulierenden n-3 PUFA und dem Risiko für Gefäßerkrankungen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist jedoch unklar. Darüber hinaus ist bisher nicht bekannt, inwieweit metabolische Biomarker, einschließlich Lipid- und Entzündungsmarker, die Beziehung zwischen zirkulierenden n-3 PUFA und diabetischen Makro- und Mikrogefäßkomplikationen vermitteln könnten

Kohortenstudie zur Untersuchung von Zusammenhängen

Um diese Wissenslücken zu schließen, wurde in einer chinesischen Studie der Zusammenhang zwischen Fischöl-Supplementierung und Plasmaspiegeln von n-3-PUFA und dem Auftreten von makro- und mikrovaskulären Komplikationen untersucht. Außerdem sollte analysiert werden, ob metabolische Biomarker eine vermittelnde Rolle in der Beziehung zwischen Plasmaspiegeln von n-3-PUFA und diabetischen makro- und mikrovaskulären Komplikationen spielen.

Für die Kohortenstudie wurden 500.000 Teilnehmer aus der UK Biobank rekrutiert. Die Teilnehmer waren zwischen 40 und 69 Jahre alt und wurden ausführlich zu ihrem Lebensstil, ihrer Krankengeschichte und ihren Ernährungsgewohnheiten befragt.

Geringeres Risiko für vaskuläre Komplikationen 

Während der mittleren Nachbeobachtungszeit von etwa 13 Jahren entwickelten 5.396 der Teilnehmer makrovaskuläre Komplikationen, einschließlich koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und Schlaganfall. Nutzer von Fischöl-Supplementen hatten im Vergleich zu Nicht-Nutzern ein geringeres Risiko für diese makrovaskulären Komplikationen.

Zusätzlich entwickelten 4.868 Teilnehmer mikrovaskuläre Komplikationen, darunter diabetische Nephropathie, Retinopathie und Neuropathie, wobei einige Patienten mehr als eine Komplikation entwickelten. Auch hier zeigte sich, dass Anwender von Fischöl-Supplementen ein geringeres Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen hatten.

Höhere Omega-3-Spiegel mit geringerem Risiko assoziiert

Die Analyse zeigte, dass höhere Plasmaspiegel von n-3 PUFA und DHA mit einem geringeren Risiko sowohl für makrovaskuläre als auch für mikrovaskuläre Komplikationen verbunden waren, allerdings mit einer nichtlinearen Dosis-Wirkungs-Beziehung.

Zusätzlicher Einfluss verschiedener Mediatoren

Zusätzlich wurden sieben signifikante Mediatoren identifiziert, die die Beziehung zwischen DHA-Plasmaspiegeln und dem Risiko für makrovaskuläre Komplikationen sowie koronare Herzkrankheit beeinflussen. Dazu gehörten Cystatin C, Albumin, Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, Triglyceride, Apolipoprotein B und CRP. Die Verbesserung dieser Werte erklärt weitgehend die positive Assoziation zwischen erhöhten DHA-Plasmaspiegeln und einem geringeren Risiko für Komplikationen.

Weiterer Forschungsbedarf zu Dosierung und Zusammensetzung

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie unterstützen die Verwendung von Fischöl-Supplementen als präventive Maßnahme gegen vaskuläre Komplikationen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Dies könnte zu einer Verbesserung der Lebensqualität und zu einer Verringerung der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Belastung durch Diabetes führen.

Die Studie liefert überzeugende Hinweise dafür, dass eine Fischöl-Supplementierung und höhere Plasmaspiegel an n-3-PUFA das Risiko für makro- und mikrovaskuläre Komplikationen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes signifikant senken könnten. Weitere Forschungsarbeiten sind jedoch erforderlich, um die optimalen Dosierungen und die genaue Zusammensetzung der Fischölsupplemente zu bestimmen, die für diese Patienten am vorteilhaftesten sind.

Autor:
Stand:
28.08.2024
Quelle:

Tian et al. (2024): Fish Oil, Plasma n-3 PUFAs, and Risk of Macro- and Microvascular Complications Among Individuals With Type 2 Diabetes. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, DOI: 10.1210/clinem/dgae482

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