Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitoren (SGLT-2-Inhibitoren oder SGLT2is) hemmen die Glukoserückresorption im proximalen Tubulus und erhöhen somit die Glukoseausscheidung über den Urin. Sie besitzen zahlreiche Wirkungen. So sind sie in der Lage, den Blutzuckerspiegel und den Blutdruck zu senken sowie das Körpergewicht zu reduzieren [2]. Außerdem können sie die diabetische Nephropathie positiv beeinflussen [3]. Zwischen der diabetischen Nephropathie und der diabetischen Retinopathie gibt es einige Gemeinsamkeiten, etwa bezüglich pathophysiologischer Prozesse [1].
Schützende Wirkung in präklinischen Studien
So zeigten präklinische Studien bereits, dass SGLT-2-Inhibitoren positive Effekte auf das Risiko, eine diabetische Retinopathie zu entwickeln, ausüben. Beispielsweise kann Dapagliflozin die Glukoseaufnahme in menschliche Netzhautendothelzellen verringern. Auf diese Weise wird oxidativer Stress gemildert und Entzündungen werden minimiert [4]. Daher stellten taiwanische Forscher die Hypothese auf, dass SGLT-2-Inhibitoren eine schützende Rolle bei der Entwicklung und dem Fortschreiten von diabetischen Retinopathien spielen könnten [1].
Kohortenstudie untersucht Einfluss von SGLT2is
In einer Kohortenstudie mit 3.544.383 Patienten mit Typ-2-Diabetes setzten sich die Autoren das Ziel, das Risiko für eine sehkraftbedrohenden Retinopathie unter der Anwendung von SGLT2is und anderen Glukose-senkenden Wirkstoffen zu vergleichen. Dazu gehörten Pioglitazin, Sulfonylharnstoffe und Dipeptyl-Peptidase-4-Inhibitoren (DPP-4is). Sie verwendeten dafür die demographischen und klinischen Daten von neu diagnostizierten Typ-2-Diabetikern aus der National Health Insurance Research Database. Gemäß 1:1 Propensity Score Matching wurden verschiedene Paare von Patienten identifiziert, zwischen denen die verschiedenen Diabetes-Medikamente verglichen werden konnten [1].
Geringeres Risiko unter SGLT2 Anwendung
Die Studie zeigt, dass in den jeweils verglichenen Gruppen diejenigen Patienten, die mit SGLT-2-Inhibitoren behandelt wurden, ein geringeres Risiko für die Entwicklung einer sehkraftbedrohenden Retinopathie gegenüber den anderen Gruppen aufwiesen:
- DPP-4i-Gruppe: Adjusted Hazard Ratio (AHR) 0,57; 95%-KI 0,51 bis 0,63
- Pioglitazon-Gruppe: AHR 0,75; 95%-KI 0,69 bis 0,81
- Sulfonylharnstoff-Gruppe: AHR 0,62; 95%-KI 0,53 bis 0,71
Die kumulative Inzidenz gibt an, wie viele Personen einer Gruppe bis zu einem definierten Zeitpunkt ein bestimmtes Ereignis erfahren. Die Anwendung von SGLT-2-Inhibitoren war mit einer signifikant niedrigeren kumulativen Inzidenz einer sehbedrohenden Retinopathie verbunden.
- DPP-4i: 3,52 vs. 6,13; p<0,001
- Pioglitazon: 4,32 vs. 5,76; p<0,001
- Sulfonylharnstoffe: 2,94 vs. 4,67; p<0,001
Protektiver Effekt der SGLT-2-Inhibioren bei diabetischer Retinopathie
Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Gabe von SGLT-2-Inhibitoren mit einem geringeren Risiko für die Entwicklung und einem verlangsamten Fortschreiten der diabetischen Retinopathie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes verbunden sein könnte. Weitere Studien sind nötig, um diese Erkenntnisse zu bestätigen.








