Osteoporose in der Menopause: Expertin rät zur frühen Prävention

Osteoporose betrifft Millionen Menschen in Deutschland. Besonders nach der Menopause steigt das Frakturrisiko deutlich. Experten der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie betonen die Bedeutung früher Diagnostik und Prävention bei postmenopausalen Frauen.

Osteoporose

Osteoporose als häufige, oft spät erkannte Volkskrankheit

Osteoporose gehört zu den häufigsten chronischen Skeletterkrankungen im höheren Lebensalter. In Deutschland sind schätzungsweise sechs bis acht Millionen Menschen betroffen. Charakteristisch sind ein Verlust an Knochenmasse sowie eine Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochens, wodurch die Fragilität des Skeletts und das Risiko für Frakturen deutlich steigt.

Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer und mit zunehmendem Alter nimmt die Prävalenz stark zu. Während insgesamt etwa 20 bis 23 % der Frauen über 50 betroffen sind, liegt die Prävalenz bei Frauen über 70 Jahren bei mehr als 45 %. Bei Männern derselben Altersgruppe wird sie hingegen mit rund 17 % angegeben.

Ein zentrales klinisches Problem besteht darin, dass die Erkrankung lange asymptomatisch verläuft. Häufig wird sie erst nach einer Fraktur diagnostiziert. Besonders Hüftfrakturen gehen mit hoher Morbidität, langwieriger Rehabilitation und erhöhter Mortalität einher.

Hormonelle Veränderungen in der Menopause als zentraler Risikofaktor

Eine wesentliche Rolle in der Pathogenese der postmenopausalen Osteoporose spielt der Rückgang der Östrogenproduktion. Das Hormon beeinflusst den Knochenstoffwechsel auf mehreren Ebenen: Es hemmt den Knochenabbau und unterstützt gleichzeitig den Knochenaufbau.

Sinkt der Östrogenspiegel während der Menopause, verschiebt sich dieses Gleichgewicht zugunsten des Knochenabbaus. Die Aktivität der Osteoklasten nimmt zu, während der Aufbau neuer Knochensubstanz abnimmt. In der Folge kann die Knochenmasse innerhalb kurzer Zeit messbar zurückgehen.

Heide Siggelkow, ärztliche Leiterin am Endokrinologikum Göttingen, erklärt, dass dieser Prozess zunächst ohne Beschwerden verlaufe. Viele Patientinnen würden daher erst nach einer Fraktur erfahren, dass ihre Knochen bereits stark geschwächt seien.

Frühe Diagnostik kann Frakturen verhindern

Da osteoporotische Veränderungen lange klinisch unbemerkt bleiben, kommt der frühzeitigen Diagnostik eine zentrale Bedeutung zu. Als Standardverfahren gilt die Knochendichtemessung mittels Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA). Mit dieser Methode lässt sich die Knochendichte bestimmen und das individuelle Frakturrisiko abschätzen.

Nach Einschätzung der Expertin sollten insbesondere Frauen mit erhöhtem Risiko eine entsprechende Untersuchung in Betracht ziehen. Dazu zählen vor allem:

Ein Screening in diesen Gruppen kann helfen, eine Osteoporose bereits in einem frühen Stadium zu erkennen und therapeutische Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten.

Evidenz für hormonelle Therapie zur Frakturreduktion

Die Bedeutung des Östrogenmangels für das Frakturrisiko wird durch klinische Studien gestützt. Große Untersuchungen wie die Studien der Women's Health Initiative konnten zeigen, dass hormonelle Therapien das Risiko osteoporose-bedingter Frakturen reduzieren können.

Eine Hormonersatztherapie kann daher bei postmenopausalen Frauen einen präventiven Effekt auf Knochenbrüche haben. Allerdings ist sie nicht für alle Patientinnen geeignet. Die Therapie sollte ausschließlich nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung und gemäß aktueller Leitlinien eingesetzt werden. Dabei müssen mögliche Risiken sowie bestehende Begleiterkrankungen berücksichtigt werden.

Lebensstilmaßnahmen als zentrale Säule der Prävention

Neben pharmakologischen Ansätzen spielen Lebensstilfaktoren eine wesentliche Rolle für die Knochengesundheit. Zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen gehören:

  • ausreichende Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr
  • regelmäßige körperliche Aktivität mit Kraft- und Belastungstraining
  • Verzicht auf Rauchen
  • Reduktion des Alkoholkonsums

Belastungsorientierte Bewegung stimuliert den Knochenstoffwechsel und fördert den Aufbau von Knochenmasse. Gleichzeitig können eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Mikronährstoffzufuhr die Mineralisation des Knochens unterstützen.

Menopause als Zeitfenster für Prävention

Aus endokrinologischer Sicht stellt die Menopause ein wichtiges Zeitfenster für Prävention dar. In dieser Phase treten hormonelle Veränderungen auf, die maßgeblich zur Entwicklung einer Osteoporose beitragen können.

Nach Einschätzung der Expertin sollte das Thema Knochengesundheit daher frühzeitig in der ärztlichen Betreuung postmenopausaler Frauen berücksichtigt und auch aktiv von den Patientinnen angesprochen werden. Eine rechtzeitige Risikoabschätzung und gegebenenfalls Diagnostik könnten verhindern, dass der erste Knochenbruch zum Ausgangspunkt einer chronischen Erkrankung wird.

Bedeutung für klinische Praxis und Präventionsstrategien

Die vorliegenden Daten unterstreichen die zentrale Rolle des Östrogenmangels in der Pathogenese der postmenopausalen Osteoporose. Gleichzeitig zeigen sie, dass frühzeitige Diagnostik und gezielte Präventionsmaßnahmen das Risiko schwerer Frakturen reduzieren können.

Für die klinische Praxis ergibt sich daraus die Notwendigkeit, Risikogruppen frühzeitig zu identifizieren und präventive Strategien konsequent umzusetzen. Dazu zählen sowohl Lebensstilinterventionen als auch – bei entsprechender Indikation – pharmakologische Maßnahmen.

Weitere Forschung wird erforderlich sein, um personalisierte Präventions- und Therapieansätze weiterzuentwickeln. Die aktuellen Erkenntnisse verdeutlichen, dass eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der Knochengesundheit in der Menopause ein wichtiger Schritt zur Reduktion osteoporose-bedingter Frakturen sein kann.

Autor:
Stand:
19.05.2026
Quelle:

Online-Pressekonferenz zum 69. Deutschen Kongress für Endokrinologie der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), März 2026; Expert*innenstatement von Heide Siggelkow, Endokrinologikum Göttingen. Verfügbar unter: https://www.endokrinologie.net/files/download/pressekonferenz_260303_pressemappe.pdf (Abgerufen am 11.03.2026)

 

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