Hintergrund
Um die Gesundheit von Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern zu schützen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) eine zweite Covid-19 Auffrischimpfung für Schwangere mit erhöhtem Risiko, etwa aufgrund von Grunderkrankungen wie Adipositas oder Diabetes mellitus/Gestationsdiabetes [1]. Jetzt hat die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG (AGG), der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) sowie der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) eine Stellungnahme veröffentlicht, die weit über die STIKO-Empfehlung hinausgeht. Demnach sollten sich alle Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch mit einem Omikron-adaptierten Covid-19-Impfstoff boostern lassen [1].
Erhöhtes Infektionsrisiko in der Winterzeit
Wenngleich die Covid-19-Infektionszahlen im Sommer deutlich zurückgegangen sind, steigt die 7-Tage-Inzidenz aktuell wieder deutlich an. Ende September erreichte sie einen Stand von 10 Fällen pro 100.000 Einwohnern; wobei anzunehmen ist, dass die tatsächliche Inzidenz noch höher liegt. Darüber hinaus ist mit steigenden Infektionszahlen in den Wintermonaten zu rechnen.
Die während der Pandemie erworbenen Immunkompetenzen in der Bevölkerung haben zweifellos dazu beigetragen, das individuelle Risiko einer Infektion und eines schweren Covid-19-Verlaufs zu verringern, auch angesichts der derzeit kursierenden, weniger aggressiven Virusvarianten. Allerdings bleibt die Einschätzung des Risikos für schwangere und stillende Frauen aufgrund der unzureichenden Datenlage eine Herausforderung.
Covid-19-Impfung in der Schwangerschaft: Weniger Krankenhausaufenthalte bei Frauen und Säuglingen
Die Empfehlung der Fachgesellschaften basiert auf Daten aus dem CRONOS-Register, in dem Informationen zu mehr als 8.000 SARS-CoV-2-infizierten Schwangeren bis Mitte 2022 gesammelt wurden. Das CRONOS-Satellites Projekt ergänzte diese Daten um Informationen zu mehr als 1.200 Frauen, die während der Schwangerschaft geimpft wurden. Diese Daten bestätigen ein höheres Risiko für ungünstige Ereignisse und Krankenhausaufenthalte bei Schwangeren, die sich mit dem Coronavirus infizierten.
Geimpfte Frauen hatten ein geringeres Risiko, aufgrund von Covid-19 stationär behandelt werden zu müssen. Der Impfschutz war auch bei der weniger aggressiven Omikron-Virusvariante nachweisbar. Dennoch bleibt die tatsächliche Wirkung einer Infektion mit den aktuell zirkulierenden SARS-CoV-2-Varianten aufgrund fehlender systematischer Analysen unsicher einzuschätzen.
Zusätzlich zu den etablierten Sicherheitsprofilen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty®, wird die Empfehlung der Fachgesellschaften durch eine Auswertung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde (Centers for Disease Control and Prevention [CDC]) aus dem Zeitraum März 2022 bis Mai 2023 unterstützt. Diese Auswertung zeigt, dass Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft geimpft wurden, bis zu einem Alter von sechs Monaten nach der Geburt seltener aufgrund von Covid-19 hospitalisiert werden mussten.
Covid-19-Booster für alle Schwangeren
Aufgrund der ausgewerteten Daten kommt die Redaktionsgruppe der beteiligten Fachgesellschaften zu dem Schluss, allen schwangeren Frauen sowie Frauen, die eine Schwangerschaft planen bzw. einen Kinderwunsch haben, eine Auffrischimpfung mit einem an Omikron angepassten Impfstoff zur Wintersaison zu empfehlen.









