Östrogenmangel und Osteoporose: Bedeutung früher Prävention für die Knochengesundheit

Osteoporose bleibt oft lange unentdeckt. Einschätzungen von Prof. Siggelkow verdeutlichen die zentrale Rolle des Östrogenmangels und die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen.

Menopause

Osteoporose gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. In Deutschland sind laut aktuellen epidemiologischen Erhebungen mehrere Millionen Menschen von Osteoporose betroffen, überwiegend Frauen nach der Menopause – eine Zahl, die den gesundheitspolitischen Handlungsbedarf unterstreicht.

Die Erkrankung bleibt lange unbemerkt, da der Knochenschwund klinisch asymptomatisch verläuft und häufig erst durch eine Fraktur diagnostiziert wird.

Östrogenmangel als zentraler Treiber des Knochenabbaus

Der Östrogenmangel nach der Menopause gilt als wichtigste Ursache des beschleunigten postmenopausalen Knochenabbaus. Zu den Risikogruppen gehören u. a. Frauen nach antihormoneller Brustkrebstherapie sowie Männer mit Testosteronmangel.

Der Östrogenmangel führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Knochenaufbau und -abbau. Der Verlust der Knochendichte wird ohne diagnostische Maßnahmen nicht wahrgenommen. Östrogenmangel beeinflusst auch die Muskulatur, was das Sturz- und damit das Frakturrisiko erhöht.

Zu den Arzneimitteln, die das Osteoporoserisiko erhöhen können, zählen u. a. Glukokortikoide, bestimmte Antiepileptika sowie Protonenpumpeninhibitoren. Hier zeigt sich die klinische Relevanz arzneimittelassoziierter Osteoporose, die in der Praxis oft unterschätzt wird.

Bedeutung der Knochendichtemessung zur frühzeitigen Diagnostik

Die DXA-Knochendichtemessung ist die zentrale Methode, um asymptomatischen Knochenverlust frühzeitig zu erkennen. Leitlinien empfehlen eine DXA-Messung bei postmenopausalen Frauen mit Risikofaktoren, bei Frauen ab etwa 70 Jahren und nach der Menopause sowie bei Menschen mit Risikoprofil wie

  • niedrigem Body-Mass-Index,
  • Rauchen,
  • vorausgegangenen Frakturen,
  • Glukokortikoidtherapie,
  • familiärer Hüftfraktur.

Lebensstilfaktoren und präventive Maßnahmen zur Knochengesundheit

Professorin Siggelkow betont, wie wichtig es ist, die Peak Bone Mass bereits bis zum 30. Lebensjahr zu optimieren. Folgende präventive Faktoren sind dafür zentral:

  • Kalziumreiche Ernährung (z. B. Milchprodukte)
  • Vitamin-D-Zufuhr, sowohl über Nahrung als auch über UV-Exposition
  • Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere knochenbelastender Sport
  • Vermeidung von Nikotin und hohem Alkoholkonsum

Hormonersatztherapie: Nutzen, Grenzen und Risikoabwägung

Eine menopausale Hormontherapie kann den postmenopausalen Knochenverlust wirksam reduzieren. Ein Beginn direkt in der Menopause ist am wirksamsten.
Dabei betont Siggelkow besonders:

  • Eine Therapie bis zum 60. Lebensjahr sei sinnvoll, sofern klimakterische Beschwerden bestehen.
  • Der Beginn nach dem 60. Lebensjahr sei „nicht mehr so günstig“, da sowohl das Frakturrisiko als auch das Risiko östrogenabhängiger Tumoren steigt.

Bei langjähriger Hormonersatztherapie werden regelmäßige ärztliche Kontrollen empfohlen.

Notwendigkeit früher Diagnostik und personalisierter Prävention

Osteoporose wird weiterhin erheblich unterschätzt. Prävention muss weit früher ansetzen und sollte neben Lebensstilfaktoren auch Medikamentenprofile, Risikokonstellationen und hormonelle Veränderungen berücksichtigen.

Für die klinische Praxis bedeutet dies:

  • Proaktive Risikoevaluierung statt Warten auf die erste Fraktur.
  • Konsequente Diagnostik, insbesondere bei Risikopatientinnen.
  • Individualisierte Präventionsstrategien unter Einsatz hormoneller und nicht-hormoneller Maßnahmen.

Die Aussagen der Expertin Siggelkow zeigen: Eine frühzeitige Strategie ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer besseren Knochengesundheit.

Autor:
Stand:
20.04.2026
Quelle:

Online-Pressekonferenz des 69. Deutschen Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE), Siggelkow H. „Östrogenmangel und Knochengesundheit: Osteoporose – die unterschätzte Gefahr“. 04.03.2026.

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