Pflanzenextrakt EP 7630 aus Pelargonium sidoides in Umckaloabo enthalten
EP 7630 ist ein pflanzlicher Auszug aus der Wurzel der in Südafrika beheimateten Kapland-Pelargonie, botanisch als Pelargonium sidoides bezeichnet. Enthalten ist dieser in dem Antiinfektivum Umckaloabo. Aufgrund seiner phenolischen Verbindungen weist der Extrakt entzündungshemmende, antivirale und immunmodulatorische Eigenschaften auf. Der Hersteller, Dr. William Schwabe, unterstützt zurzeit mehrere Untersuchungen, die den Nutzen des Extrakts beispielsweise bei akuten Atemwegsinfekten oder bei Kindern mit Bronchitis belegen sollen.
Real-World-Daten zur langfristigen EP-7630-Wirkung
In der aktuellen, von dem pharmazeutischen Unternehmen finanzierten Analyse von Real-World-Daten untersuchte ein Team um den deutschen Wissenschaftler Matthias Tisch (Bundeswehrkrankenhaus, Ulm) die langfristige Wirkung von EP 7630 auf die akute Sinusitis im Vergleich zu Antibiotika, intranasalen Kortikosteroiden sowie Kortikosteroid-freien Nasensprays.
Die Rhinosinusitis bezeichnet eine Entzündung der Nasenhöhle und Nasennebenhöhle. Nach europäischen Leitlinien gilt sie als chronisch, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen andauern oder öfter als viermal im Jahr auftreten; andernfalls wird von einer akuten Form gesprochen. Die US-amerikanischen Leitlinien unterscheidet zusätzlich eine subakute Form, bei der die Symptome zwischen vier und zwölf Wochen persistieren.
Nur wenige Erkrankte mit EPs 7630 behandelt
Für ihre retrospektive Kohortenstudie hatten die Forscher um Tisch die elektronischen Akten von mehr als 216.000 Erkrankten aus der IQVIA-Disease-Analyzer-Datenbank analysiert. Die Patienten litten zwischen 2010 und 2020 an einer akuten Sinusitis und hatten innerhalb von drei Tagen nach der Diagnose ein Rezept für eine Therapie (EP 7630, Antibiotika, intranasales Kortikosteroid, Kortikosteroid-freies Nasenspray) erhalten.
Insgesamt waren 473 Personen mit EP 7630, etwa 160.000 mit Antibiotika, circa 28.000 mit topischen Kortikosteroiden und knapp 27.000 mit Kortikosteroid-freien Nasensprays behandelt worden. Als Grund für den geringen Anteil der Phytopharmaka-Verordnungen geben die Autoren an, dass diese Arzneimittel nicht von einem Arzt verschrieben werden müssen und ohne Rezept in der Apotheke käuflich zu erwerben sind.
Weniger Sinusitiden, Nasenpolypen und Antibiotika nach Umckaloabo
Laut der Analyse der deutschen Wissenschaftler war die Verordnung von intranasalen Kortikosteroiden im Vergleich zu EP 7630 mit einem um den Faktor 1,4 erhöhten Risiko für rezidivierende akute Sinusitiden verbunden. Auch chronische Sinusitiden sowie Nasenpolypen traten in dieser Gruppe häufiger auf (Hazard Ratio [HR]: 1,39).
Gleichzeitig hatten Personen mit Antibiotika-Verordnung ein im Vergleich zu EP 7630 2,2-fach höheres Risiko, in den folgenden zwölf Monaten erneut ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen (Odds Ratio [OD]: 2,20). Dagegen benötigten nur 6,6% der mit EP 7630 behandelten Patienten innerhalb von 30 Tagen ein Antibiotikum.
Mehrere Limitationen der EP-7630-Studie
Das Team um Tisch schließt daraus, dass die Anwendung des Pelargonium sidoides-Extraktes bei akuter Sinusitis langfristige Vorteile hat und Antibiotika-Folgeverordnungen reduziert. Die Analyse weist allerdings mehrere Einschränkungen auf, wie zum Beispiel, dass in der Datenbank Informationen über die Verwendung von pflanzlichen Arzneimitteln, die von den Erkrankten ohne Rezept gekauft wurden, fehlen. Ebenso ist nicht bekannt, wie lange EP 7630 angewendet wurde, wie schwer die Sinusitis verlief und welche lebensstilbezogenen Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol, körperliche Aktivität) vorlagen. Zu guter Letzt weisen die Autoren darauf hin, dass retrospektive Studien keine Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge erlauben, weswegen diese nur eine Hypothese darstellt.









