Reisen: Impfschutz für Risikogruppen

Ein guter Impfschutz gegen verbreitete und endemische Infektionen ist für Risikogruppen auf Reisen besonders wichtig, dabei gilt es, bei diesen Personen Wechselwirkungen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen sowie eine potenziell eingeschränkte Immunantwort zu beachten.

Schwangerschaft Urlaub

Impfschutz auf Reisen

Ein aktueller Schutz durch die Standardimpfungen ist grundsätzlich für alle Reisenden zu empfehlen. Bei speziellen präventablen Infektionsrisiken am Reiseziel bieten entsprechende Reiseimpfungen individuellen Schutz und schränken die Verbreitung der Erreger dieser Krankheiten ein. Auf der anderen Seite sind bestimmte Impfungen und entsprechende Nachweise für die Einreise in einige Länder vorgeschrieben. Neben diesen Aspekten muss die Reiseimpfberatung bei bestimmten Reisende besondere Risiken beachten.

Personen mit besonderen Infektions- und Impfrisiken

Die Ständige Impfkommission (STIKO)und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. behandeln in ihren Empfehlungen zu Reiseimpfungen von 2022 folgende Risikogruppen:

  • Schwangere und Stillende
  • Kinder ≤5 Jahre
  • ältere Reisende
  • Reisende mit Grunderkrankungen
  • Migranten, die Freunde oder Verwandte im Ausland besuchen
  • Reisende mit Langzeitaufenthalt
  • Berufstätige im Ausland
  • Katastrophenhelfer

Wenn eine Reise für eine Person mit hohen gesundheitlichen Risken verbunden ist, sollte im Rahmen der Impfberatung auch offen über einen Verzicht auf die oder eine Verschiebung der Reise gesprochen werden.

Schwangere und Stillende

Totimpfstoffe sollten in der Schwangerschaft bevorzugt im 2. und 3. Trimenon verabreicht werden. Während der Schwangerschaft sind Lebensimpfstoffe kontraindiziert. In Ausnahmefällen und unter individueller Risiko-Nutzen-Einschätzung kann eine Gelbfieberimpfung erwogen werden. Dabei ist zu beachten, dass eine Gelbfieberimpfung während der Schwangerschaft keinen lebenslangen Schutz bietet.

Stillende Mütter von Kindern <6 Monaten sollten nicht gegen Gelbfieber geimpft werden, weil es zu einer Übertragung des Impfvirus auf den Säugling kommen kann und dabei das Risiko von neurologischen Nebenwirkungen (z. B. Enzephalitis) beim Kind besteht. Bei Säuglingen im Alter von 6-8 Monaten muss im Einzelfall entschieden werden. Säuglinge ≥9 Monaten sollten selbst geimpft werden. Es besteht keine Kontraindikation zu Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen in der Stillzeit.

Säuglinge und Kleinkinder

Das Risiko schwerer Krankheitsverläufe ist bei Kindern <5 größer als bei älteren Kindern. Vor Reisen ist es daher eine Überprüfung der Standardimpfungen nach STIKO besonders wichtig.

Bei Reisen mit längerem Aufenthalt in Risikogebieten sollten die Kinder nicht nur gegen Meningokokken der Serogruppe C geimpft werden, sondern auch gegen die Serogruppen A, C, W und Y und ggf. auch die Serogruppe B.

Kinder sind gefährdeter als Erwachsene mit Tollwut infiziert zu werden. Angesichts der fatalen Folgen einer Tollwuterkrankung und der guten Verträglichkeit der Impfung sollten bereits Säuglinge vor Reisen in Tollwutgebiete präexpositionell geimpft werden.

Aufgrund der möglichen potenziellen neurologischen Komplikationen durch eine Gelbfieberimpfung dürfen Kinder <6 Monaten nicht gegen Gelbfieber geimpft werden.

Ältere Reisende

Lebensbedrohliche Krankheitsverläufe durch Infektionen nehmen mit fortschreitendem Alter zu.  Die Immunoseneszenz kann bei älteren Personen die Stärke der Immunantwort und Dauer des Impfschutzes verringern, so dass ggf. mehr Impfdosen verabreicht werden müssen, um eine ausreichende Immunantwort zu erzielen.

Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza sind allen Reisenden ≥60 Jahren zu empfehlen. Die Zusammensetzung der Influenza-Impfstoffe kann sich nördlich und südlich des Äquators unterscheiden. Daher sollten Reisende bei längeren Aufenthalten auf der Südhalbkugel in Betracht ziehen, sich dort gegen Influenza impfen lassen.

Das Risiko einer schwer verlaufenden Gelbfiebererkrankung muss bei Personen ≥60 Jahren gegen das erhöhte Risiko von schweren Komplikationen durch die Gelbfieberimpfung abgewogen werden.

Reisende mit Grunderkrankungen

Bei allen Grunderkrankungen müssen Wechselwirkungen zwischen der Medikation und den Impfstoffen geprüft werden. Impfstoffwahl, Impftermine und Impfschemata müssen bei Grunderkrankungen mit Immundefizienz und/oder immunsuppressive Therapien überdacht werden. Wenn ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht oder eine eingeschränkte Immunantwort befürchtet wird, sollte eine Bestimmung der Impfantikörper erwogen werden.

Spezielle Risiken durch die Art der Reise

Besuche bei Freunden und Verwandten, Langzeitaufenthalte, berufliche Tätigkeit oder Einsätze als Katastrophenhelfer sind mit größeren Infektionsrisiken behaftet als Aufenthalte in typischen Urlaubsgebieten. Migranten, die Freunde und Verwandten besuchen, können die Infektionsrisiken, in ihrem Herkunftsland unterschätzen und sollten entsprechend beraten werden.

Autor:
Stand:
14.04.2023
Quelle:

Ständige Impfkommission und Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (2022): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG) zu Reiseimpfungen. Epid Bull;14:1–186, DOI: 10.25646/9820.6

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