Ein außerklinischer Herzstillstand (OHCA, out-of-hospital cardiac arrest) ist verantwortlich für 20% aller natürlichen Todesfälle und für bis zu 50% aller kardiovaskulären Todesfälle. Die Ursache für OHCA sind letale Arrhythmien, die meist bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) auftreten. Allerdings werden auch zunehmend nicht kardiale Erkrankungen im Zusammenhang mit OHCA gesehen.
Stress und Herzerkrankungen durch sympathovagale Dysbalance
Stress-assoziierte Erkrankungen wie Anpassungsstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sowie Angststörungen sind mit vielen kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert und gerade bei Opfern eines Herzstillstandes häufig anzutreffen. Als zugrundeliegende Pathomechanismen vermutet man eine Dysregulation im Bereich kardialer Ionen-Kanäle durch das autonome Nervensystem, vor allem durch eine sympathovagale Dysbalance. Verstärkt wird diese Dysbalance im vegetativen Nervensystem nicht selten durch einen ungesunden Lebensstil und metabolische Veränderungen wie Hypercholesterinämie.
Zusammenhang zwischen Stress und Herzstillstand untersucht
Bislang gibt es wenige Daten zum Risiko von OHCA in großen Kohorten. Dies haben dänische Forscher um Dr. Talip Eroglu vom Copenhagen University Hospital nun geändert und die Fragestellung in einer Kohortenstudie untersucht.
In einer eingebetteten Fall-Kontroll-Studie untersuchten die Forscher Daten aus sechs verschiedenen dänischen Registern, in der einem OHCA-Patient jeweils zehn gesunde Kontroll-Probanden gegenübergestellt wurden. Zwischen den OHCA-Patienten und den Kontrollen erfolgte eine Matching bezüglich Alter und Geschlecht.
Langzeitstress erhöht Risiko eines Herzstillstands
In die Auswertung gingen 35.195 Personen mit OHCA und 351.950 gematchte Kontrollen ein. Das mediane Alter lag bei 72 Jahren und 66,8% der Teilnehmer waren männlich. Insgesamt litten 324 Teilnehmer (0,92%) der OHCA-Gruppe und 1.577 Teilnehmer (0,45%) der Kontroll-Gruppe unter Langzeitstress. Das OHCA-Risiko war mit Langzeitstress assoziiert (Hazard Ratio [HR] 1,44; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,27 bis 1,64). Angststörungen wurden bei 299 Teilnehmern (0,85%) der OHCA-Gruppe und bei 1.298 (0,37%) der Kontroll-Gruppe diagnostiziert und waren mit einem erhöhten Risiko für einen Herzstillstand verbunden (HR 1,56; 95%-KI 1,37 bis 1,79).
Assoziation unabhängig von zahlreichen Faktoren
Geschlecht, Alter und eine Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Historie hatten keinen Einfluss auf das OHCA-Risiko. Auch die Medikation mit Anxiolytika oder Antidepressiva vor dem Herzstillstand beeinflusste die Ergebnisse nicht. Zudem prüften die Forscher gängige Risikofaktoren für OHCA, etwa Herzinsuffizienz, KHK, Vorhofflimmern, PAVK, Diabetes mellitus und zerebrovaskuläre Erkrankungen. Diese hatten Ebenfalls keinen Einfluss.
Limitationen der Studie
Das retrospektive Studiendesign sowie das Fehlen von Daten aus Praxen der Primärversorgung sind Limitationen dieser Studie. Auch die fehlenden Angaben zur Schwere der Erkrankung schränken die Ergebnisse ein.
Fazit für die Praxis
In dieser dänischen Kohortenstudie hatten Patienten mit Stress-induzierten Erkrankungen (PTBS, Anpassungsstörungen) und Angststörungen ein erhöhtes OHCA-Risiko. Diese Assoziation besteht unabhängig von Alter, Geschlecht und kardiovaskulären Vorerkrankungen. Die Autoren der Studie fordern, dies in der Behandlung von Patienten mit Langzeitstress und entsprechenden Erkrankung zu berücksichtigen.









