Epiglottitis

Die Epiglottitis ist eine akute Entzündung des Kehldeckels. Typischerweise wird die Erkrankung durch eine bakterielle Infektion hervorgerufen und kann schnell zu einer Verengung der Atemwege mit der Gefahr des Erstickungstodes führen.

Epiglottitis

Definition

Eine Epiglottitis ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, bei der es zu einer akuten Entzündung des Kehldeckels und der supraglottischen Strukturen kommt. Verursacht wird die Epiglottitis durch bakterielle Infektionen, meist durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b.

Aufgrund der Schwellung der Epiglottis und der supraglottischen Strukturen besteht eine hohe Gefahr für eine komplette Atemwegsverlegung, die lebensbedrohlich sein kann.

Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, betrifft jedoch häufiger Kinder im Vorschulalter.

Epidemiologie

Durch Einführung der Haemophilus influenzae Typ b(Hib)-Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung ist die Prävalenz der Epiglottitis stark zurückgegangen. Eine besondere Risikogruppe in Deutschland stellen ungeimpfte Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren dar.

Ursachen

Die Epiglottitis wird fast ausschließlich durch bakterielle Infektionen verursacht. Häufigster Erreger ist das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b, das insbesondere bei Kindern im Vorschulalter vorkommt [1].

Immer häufiger wird die Epiglottitis auch durch beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A verursacht. Bei Erwachsenen können zudem andere Bakterien wie Streptococcus pneumoniae oder Staphylococcus aureus eine Infektion der Epiglottis auslösen [2].

Pathogenese

Die ursächliche bakterielle Infektion wird in der Regel durch das Einatmen erregerhaltiger Tröpfchen, seltener über eine hämatogene Ausbreitung hervorgerufen. Die dadurch entstehende Entzündungsreaktion der Epiglottis wird in erster Linie durch die Freisetzung von Bakterientoxinen verursacht.

Durch die massive Entzündungsreaktion kommt es zu einer Erhöhung der Kapillarpermeabilität, wodurch Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das Gewebe austritt. Die innerhalb von wenigen Stunden entstehende Schwellung des Kehlkopfes und des umliegenden Gewebes kann zu einem Verschluss der Atemwege und einer Schocksymptomatik führen.

Symptome

Die Symptomatik einer Epiglottitis kann je nach Alter und Schweregrad der Erkrankung variieren. Bei Kindern zeigt sich oft eine schwere Symptomatik mit akuter Atemnot, inspiratorischem Stridor, Halsschmerzen, vermehrtem Speichelfluss und einer typischen Sitzposition, die als „tripod position“ bezeichnet wird. Dabei sitzen die betroffenen Kinder aufrecht, lehnen sich nach vorne und stützen sich mit den Armen ab, um sich die Atmung zu erleichtern.

Bei Erwachsenen stehen Hals- und Schluckschmerzen, eine Veränderung der Stimme und eine Dysphagie im Vordergrund. In schweren Fällen kann die Epiglottitis bis hin zum respiratorischen Versagen führen, da die Atemwege durch die Schwellung verlegt werden können.

Weitere häufige Begleitsymptome sind ein geminderter Allgemeinzustand, Fieber, Angst und Unruhe [4].

Diagnostik

Die Diagnose einer Epiglottitis erfolgt primär klinisch. Eine Larynxinspektion kann zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose beitragen. Der typische Befund ist eine kirschrote, ödematöse Epiglottis. Wichtig ist, dass ein bei der Racheninspektion ungewollt ausgelöster Vagusreiz zu einer Atemwegsobstruktion und einem akuten Atemnotsyndrom führen kann. Insbesondere bei Kindern sollten daher Stresssituationen oder Manipulationen vermieden und generell auf einen Spatel bei der Untersuchung verzichtet werden.

Eine definitive Diagnose kann nur durch eine Laryngoskopie gestellt werden. Diese sollte aus den genannten Gründen nur in einem Schockraum oder auf einer Intensivstation und nach Sicherung der Atemwege bzw. immer in Intubations- und Koniotomiebereitschaft durchgeführt werden. Zusätzlich können, vor dem Beginn einer Antibiotikatherapie, Blutkulturen abgenommen werden, um den Erreger zu identifizieren und ein geeignetes Antibiotikum zu verabreichen.

Differentialdiagnose

Als Differentialdiagnosen kommen vor allem der (echte) Krupp und der Pseudokrupp infrage.

Therapie

Eine frühe Diagnosestellung und rasche Therapieeinleitung sind bei der Epiglottitis entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Die Therapie sollte immer stationär, ggfs. auf der Intensivstation, unter Sicherung der Atemwege erfolgen.

Eine begleitende Therapie mit Kortikosteroidenkann dazu beitragen, dass die Schleimhäute abschwellen.

In der Regel ist eine antibiotische Therapie mit Cephalosporinen der Gruppe 3 wie Cefotaxim oder Ceftriaxon angezeigt. Eine frühzeitige antibiotische Behandlung ist essenziell, um das Fortschreiten der Infektion zu verhindern und das Risiko schwerwiegender Komplikationen zu minimieren.

Cephalosporine

  • Cefotaxim 1-2 g intravenös oder intramuskulär alle 12 Stunden [5]
  • Ceftriaxon 1-2 g intravenös oder intramuskulär einmal täglich [6]

Prophylaxe

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Kinder bis zum Alter von fünf Jahren eine Impfung gegen Hib. Diese erfolgt im Rahmen der Grundimmunisierung ab dem Alter von zwei Monaten und umfasst drei Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten.

Neben der Impfung können auch Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionen beitragen, das Risiko für eine Epiglottitis zu reduzieren. Dazu gehört das regelmäßige Händewaschen und die Vermeidung von engem Kontakt mit Menschen, die an einer Atemwegserkrankung leiden.

Autor:
Stand:
01.09.2023
Quelle:
  1. AWMF Leitlinie Halsschmerzen
  2. Abdallah C. (2012): Acute epiglottitis: Trends, diagnosis and management. Saudi journal of anaesthesia, doi: 10.4103/1658-354X.101222.
  3. Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin
  4. Guldfred L-A et al. (2008): Acute epiglottitis: epidemiology, clinical presentation, management and outcome. The Journal of laryngology and otology, doi: 10.1017/S0022215107000473
  5. Fachinformation Cefotaxim
  6. Fachinformation Ceftriaxon HEXAL
  7. Fachinformation Dexamethason acis
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