Herzinfarkt und Schlaganfall zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität. Neben klassischen Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes mellitus, Adipositas und Nikotinabusus rücken zunehmend akute Auslöser in den Fokus, die das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse kurzfristig erhöhen können. Eine in 'Cardiovascular Research' veröffentlichte Studie aus Australien (University of Melbourne, Murdoch Children’s Research Institute, Melbourne) untersuchte hierzu respiratorische Viren.
Respiratorische Infektionen als mögliche Trigger
Während Influenza häufig evaluiert wurde, ist die Datenlage zu weiteren Erregern – darunter SARS-CoV-2, das respiratorische Synzytial-Virus (RSV), Enteroviren und Zytomegalovirus (CMV) – weniger umfassend. Ziel der Untersuchung war, pathogen-spezifische Assoziationen mit akutem Myokardinfarkt und Schlaganfall systematisch zusammenzuführen.
Umfangreiche Datengrundlage mit 48 Studien
Die Übersichtsarbeit berücksichtigte 48 Beobachtungsstudien aus den Jahren 1978 bis 2024, von denen 28 in eine quantitative Analyse eingingen. Eingeschlossen wurden ausschließlich Studien mit laborbestätigten Infektionen. Die Recherche erfolgte in MEDLINE, PubMed, Embase, Cochrane und Web of Science (Stichtag: 26. August 2024). Das Risiko für Verzerrung wurde nach Cochrane bewertet, die Daten mit Random-Effects-Modellen gepoolt und die Evidenzsicherheit für jedes Pathogen separat beurteilt.
RSV und akuter Myokardinfarkt – Hinweise aus vier Studien
Für das respiratorische Synzytial-Virus wurden vier Studien identifiziert, die einen Zusammenhang mit akutem Myokardinfarkt zeigten. Zwar war die Datenqualität im Vergleich zu Influenza und SARS-CoV-2 geringer, dennoch weisen die Befunde darauf hin, dass RSV als potenzieller Trigger für kardiovaskuläre Ereignisse von klinischer Relevanz sein könnte.
Drei Faktoren prägen die Bewertung der RSV-Datenlage:
- Die geringe Zahl und Heterogenität der Studien begrenzen die Aussagekraft.
- Die niedrige RSV-Testfrequenz in der Vergangenheit könnte zu einer Unterschätzung des Risikos geführt haben.
- Verbesserte molekulare Diagnostik rückt RSV zunehmend in den Fokus – insbesondere bei Erwachsenen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen.
Hinzu kommt die klinische Ähnlichkeit von RSV-Infektionen mit Influenza und weiteren Erregern, die eine eindeutige Zuordnung erschwert.
Vergleich mit Influenza und SARS-CoV-2
Zum Vergleich die Ergebnisse für andere respiratorische Viren:
- Influenza: signifikant erhöhte Assoziation mit akutem Herzinfarkt (IRR 5,37; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 3,48–8,28; I² = 69,4 %) sowie mit Schlaganfall innerhalb von 28 Tagen (IRR 4,72; 95 %-KI 3,78–5,90; I² = 0 %).
- SARS-CoV-2: als potenzieller Trigger für akuten Herzinfarkt und Schlaganfall identifiziert; die Datenbasis ist umfangreich, die quantitative Evidenzsicherheit für einzelne Endpunkte jedoch noch nicht vollständig etabliert.
Kardiovaskuläres Risiko durch RSV im klinischen Alltag beachten
Die Analyse zeigt, dass RSV als möglicher Auslöser akuter kardiovaskulärer Ereignisse zu berücksichtigen ist. Zur präzisen Einordnung von RSV-assoziierten Risiken bei Herzinfarkt und Schlaganfall sind weitere hochwertige Studien erforderlich.
Für Ärzte ist es wichtig, ein kurzfristig erhöhtes kardiovaskuläres Risiko nach respiratorischen Infektionen bei Risikopatienten im Blick zu behalten.









